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ESMT präsentiert Studienergebnisse zu europäischen Elektrizitäts-Großhandelsmärkten

13.01.2010
* Integrationsanstrengungen zeigen Wirkung
* Europäische Märkte noch nicht vollständig integriert
* Preissteigerungen bei Markterweiterung möglich
* Ergebnisse deuten nicht auf überhöhte Großhandelspreise hin

Die mangelnde Integration europäischer Großhandelsmärkte, die Marktmacht nationaler Erzeuger sowie geringe Investitionen in die Erzeugungskapazitäten wurden in dem im Jahre 2007 veröffentlichten Abschlussbericht der Untersuchung des europäischen Energiesektors von der Europäischen Kommission kritisiert.

ESMT Competition Analysis hat zusammen mit Professor Lars-Hendrik Röller (Präsident ESMT) und Professer Axel Ockenfels (Universität zu Köln) die Entwicklung der europäischen Großhandelsmärkte für Elektriztität im Auftrag der RWE AG untersucht. Der Fokus der Studie "The Electricity Wholesale Sector - Market Integration and Competition" liegt auf deutschen Großhandelspreisen, die unmittelbare Auswirkungen auf die Strompreise der Endverbraucher haben. Die Studie zeigt, dass die Integration der Märkte weiter fortgeschritten - wenngleich nicht abgeschlossen - ist.

"Seit der Sector Inquiry wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, den Grad der Integration der Strom-Großhandelsmärkte in Europa voranzutreiben. Die verbesserte Zusammenarbeit zwischen den europäischen Börsen hat zu einer engeren Verknüpfung der Strommärkte geführt", erläutert Lars-Hendrik Röller. Die Strommärkte der Niederlande, Frankreichs und Österreichs weisen wettbewerbliche Verbindungen zum deutschen Markt auf, was sich in einer Annäherung hinsichtlich Verlauf und Höhe ausgewählter Börsennotierungen zwischen den genannten Staaten widerspiegele. 2010 wird der deutsche Strom-Großhandelsmarkt mit den Märkten Frankreichs und der Benelux-Staaten institutionell verbunden (CWE Market Coupling). Die Transportnetzbetreiber und die Börsen arbeiten dann so zusammen, dass ein gekoppeltes Marktgebiet mit einer optimierten Nutzung der Grenzübergangkapazitäten entsteht. Dies führt zu identischen Börsenpreisen zu allen Zeiten, in denen keine physischen Netzengpässe gegeben sind.

Der hypothetische Monopolisten-Test, der von der Monopolkommission gefordert worden ist, belegt insgesamt noch keinen europäischen Markt im Sinne des Kartellrechts. Der im Wettbewerbsrecht zur Definition des relevanten Marktes vielfach angewandte Test zeigt aber, dass Deutschland im Strom-Großhandel bereits häufig mit den Nachbarmärkten verknüpft ist. Untersucht wurde, ob eine angenommene konzertierte Preiserhöhung aller deutschen Energieversorger durch ausländische Anbieter ausgehebelt würde. Das Ergebnis für das Jahr 2008 belegt: Selbst wenn alle deutschen Anbieter versuchen würden, gemeinsam den Preis um 5 Prozent anzuheben, würde dies durch ausländische Anbieter in der Hälfte aller Handelsstunden konterkariert. Ein stärkerer Preisanstieg von 10 Prozent würde immerhin in fast einem Drittel aller Stunden unterbunden.

Die Ergebnisse der Studie legen zugleich nahe, dass mehr Grenzübergangkapazität zwischen Deutschland und den westlichen sowie südlichen Nachbarstaaten die deutschen Großhandelspreise im Jahr 2008 nur selten und dann auch nur in geringem Umfang gesenkt hätte. Dies liegt daran, dass die deutschen Großhandelspreise tendenziell niedriger oder, im Fall Österreichs, auf gleichem Niveau lagen. Insofern könnte mehr Grenzübergangskapazität zu diesen Ländern den Preis in Deutschland - angesichts dann vergrößerter Exportnachfrage - auch vielfach erhöhen. Ein aus deutscher Perspektive positiver Nettoeffekt wäre jedoch bei Ausbau der Grenzübergangskapazitäten an den östlichen und nord-östlichen Grenzen Deutschlands zu erwarten.

Die Studie vergleicht abschließend die deutschen Großhandelspreise mit den Kosten für den Kraftwerksbau und -betrieb. Axel Ockenfels: "In den von uns untersuchten Jahren 2005 bis 2009 waren die Preise meist auf einem Niveau, das langfristig keine Investitionen in neue Kraftwerke rechtfertigen würde." Dies deute darauf hin, dass die Großhandelspreise in Deutschland nicht überhöht seien, sondern angesichts der notwendigen Erneuerung des Kraftwerkparks im Gegenteil noch weiter steigen dürften.

Pressekontakt:
Farhad Dilmaghani, Tel.: +49 (0)30 21 231-1042, farhad.dilmaghani@esmt.org
Kristin Dolgner, Tel.: +49 (0)30 21 231-1066, kristin.dolgner@esmt.org
Martha Ihlbrock, Tel.: +49 (0)30 21 231-1043, martha.ihlbrock@esmt.org
Über ESMT Competition Analysis
ESMT Competition Analysis GmbH ist die Beratungsfirma der ESMT, die forschungsnahe Beratungen und Untersuchungen in den Bereichen Wettbewerbspolitik und Regulierung anbietet. ESMT CA gehört laut "Global Competition Review" zu den 20 führenden internationalen wettbewerbsökonomischen Beratungen, den "Economics 20". Nur zwei Jahre nach Gründung ist ESMT CA damit die einzige deutsche Beratung in diesem internationalen Ranking.
Über ESMT
ESMT European School of Management and Technology wurde im Oktober 2002 auf Initiative 25 führender globaler Unternehmen und Verbände gegründet. Die internationale Business School bietet Vollzeit- und berufsbegleitende Executive MBA-Programme, Management-Weiterbildung, maßgeschneiderte Programme für Unternehmen und forschungsbasierte Beratung für die Bereiche Wettbewerbspolitik und -regulierung. ESMT ist eine staatlich anerkannte private wissenschaftliche Hochschule mit Sitz in Berlin und einem weiteren Standort in Schloss Gracht bei Köln.

Martha Ihlbrock | idw
Weitere Informationen:
http://www.esmt.org

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