Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erste Studie über die Kiosklandschaft in Hannover

07.08.2013
Wirtschaftsgeographen befragen Kioskbetreiber zu ihrer Marktsituation

Der schnelle Einkauf um die Ecke auch am späten Abend, die Tüte Chips, der Liter Milch oder auch Brötchen am Sonntagmorgen: Für viele Hannoveraner sind Kioske unverzichtbar und gehören zum Stadtbild.

Eine Studie am Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie der Leibniz Universität Hannover hat jetzt einen genaueren Blick auf die hannoversche Kiosklandschaft geworfen. Trotz zigtausender Kioske in Deutschland existieren bisher kaum empirische Studien, die sich mit Kiosken und ihren Besitzerinnen und Besitzern auseinandersetzen.

Der schnelle Einkauf um die Ecke auch am späten Abend, die Tüte Chips, der Liter Milch oder auch Brötchen am Sonntagmorgen: Für viele Hannoveraner sind Kioske unverzichtbar und gehören zum Stadtbild. Eine Studie am Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie der Leibniz Universität Hannover hat jetzt einen genaueren Blick auf die hannoversche Kiosklandschaft geworfen.

Trotz zigtausender Kioske in Deutschland existieren bisher kaum empirische Studien, die sich mit Kiosken und ihren Besitzerinnen und Besitzern auseinandersetzen. In dem Studienprojekt „Kioske in Hannover – Eine Bestandsaufnahme“ haben die Wirtschaftsgeographen Nora Hesse und Arne Vorderwülbecke gemeinsam mit Studierenden 113 Kioskbetreiber in Hannover befragt.

Im Mittelpunkt stand dabei unter anderem das vielzitierte Kiosksterben. Sehen die Kioskbetreiber ihre wirtschaftliche Zukunft tatsächlich so schwarz wie oft vermutet? Welche Maßnahmen werden ergriffen, um gegenzusteuern? Zum anderen haben die Wirtschaftsgeographen in einer Bestandsaufnahme Aspekte wie die Kioskdichte pro Stadtteil oder den Bildungsabschluss der Betreiber erhoben.

Herausgekommen ist dabei unter anderem, dass sich die 341 Kioske im Stadtgebiet Hannovers in den zentralen Stadtbezirken Linden-Limmer, Mitte, Vahrenwald-List und Südstadt-Bult ballen. In Linden-Limmer herrscht mit neun Kiosken pro Quadratkilometer die höchste Kioskdichte, gemessen an der Fläche. In Mitte gibt es zwar pro Fläche nicht ganz so viele Kioske, dafür herrscht dort mit 580 Einwohnern pro Kiosk die höchste Dichte gemessen an der Bevölkerung. Beim Bildungsabschluss der Kioskbetreiber erlebten die Wirtschaftsgeographen eine kleine Überraschung:

Viele Kioskbesitzer haben einen recht guten Bildungsabschluss. Rund 70 Prozent verfügen über einen Schulabschluss und 15 Prozent sogar über einen Hochschulabschluss. Bei ihrer Motivation scheiden sich die Befragten etwa halbe-halbe. Die eine Hälfte betreibt den Kiosk nach eigenen Angaben aus Mangel an Erwerbsalternativen und nimmt dafür eine hohe Arbeitsbelastung bei geringem Einkommen in Kauf. Demgegenüber steht die andere Hälfte der Befragten, die ihren Kiosk primär aus Überzeugung betreibt. Sie schätzen in erster Linie die Selbstständigkeit und den Kundenkontakt.

Zum Thema „Umsätze und Zukunftsaussichten“ haben die Wissenschaftler ebenfalls eine 50/50-Verteilung herausgefunden. Die eine Hälfte der Kioskbetreiber ist mit den Umsätzen durchaus zufrieden, während sich die andere Hälfte über die wirtschaftliche Situation beklagt. Ganz pessimistisch sind allerdings nur etwa fünf Prozent der Befragten. Sie gehen davon aus, ihren Kiosk in den nächsten drei Jahren aufgeben zu müssen. Von einem flächendeckenden Kiosksterben kann anhand dieser Ergebnisse daher vorerst nicht die Rede sein. Die Projektleiter Nora Hesse und Arne Vorderwülbecke sind sich sicher: „Trotz schlechterer Rahmenbedingungen als in der Vergangenheit werden Kioske auch weiterhin ihren Platz in der Einzelhandelslandschaft Hannovers haben.“

Die größte Konkurrenz für hannoversche Kioske stellen die Supermärkte dar. Fast 80 Prozent der Kioskbetreiber sehen sich einer starken Konkurrenz zu Supermärkten ausgesetzt. Dazu dürfte vor allem die Liberalisierung des niedersächsischen Ladenschlussgesetzes im Jahr 2007 beigetragen haben. Eine vielversprechende Wettbewerbsstrategie scheint die Schaffung von Alleinstellungsmerkmalen wie zum Beispiel der Verkauf besonderer Lebensmittel und Getränke zu sein. Einige erfolgreiche Beispiele in Hannover zeigen bereits, dass sich durch ein spezialisiertes Angebot ein gewisser Kultstatus einzelner Kioske entwickelt hat.

Kioske schaffen zudem in nicht unerheblichem Maße Arbeitsplätze. Im Moment arbeiten etwa 700 Menschen in hannoverschen Kiosken, davon rund 400 als Inhaber und Teilhaber sowie mehr als 300 Angestellte, von denen immerhin ein Viertel vollzeitbeschäftigt ist.

Die komplette Studie ist im Internet unter http://www.wigeo.uni-hannover.de/berichte.html abrufbar.

Hinweis an die Redaktion:
Für weitere Informationen steht Ihnen die Projektleiterin Nora Hesse unter Telefon +49 511 762 2855 oder per E-Mail unter hesse@wigeo.uni-hannover.de gern zur Verfügung.

Mechtild Freiin v. Münchhausen | idw
Weitere Informationen:
http://www.wigeo.uni-hannover.de/berichte.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie