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Ermöglicht neues Medikament eine bessere ambulante Versorgung von Patienten mit Lungenembolie?

30.08.2013
Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH) der Universitätsmedizin Mainz startet groß angelegte Multicenterstudie

Wissenschaftler des Centrums für Thrombose und Hämostase (CTH) der Universitätsmedizin Mainz untersuchen in einer neuen Studie den Stellenwert des Wirkstoffs Rivaroxaban in der ambulanten Behandlung von Patienten mit akuter Lungenembolie und niedrigem Komplikationsrisiko.

Er wird dort als Blutgerinnungshemmer eingesetzt. Die sogenannte „Home Treatment of Pulmonary Embolism (HoT-PE) Studie“ wird von Univ.-Prof. Dr. Stavros Konstantinides, stellvertretender Wissenschaftlicher Direktor des CTH, geleitet.

„Diese klinische Prüfung ist an mehreren Zentren in Deutschland geplant. Unser Ziel sind insgesamt rund 1.100 Probanden “, so Univ.-Prof. Dr. Stavros Konstantinides, Professor für Klinische Studien am Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH) der Universitätsmedizin Mainz und Studienleiter. Sobald ein Patient mit einer vermuteten akuten Lungenembolie ins Krankenhaus eingewiesen wird, untersuchen wir ihn mittels bildgebender Verfahren wie beispielsweise einer Computertomographie oder einer Lungenszintigraphie. Wenn sich die Diagnose „akute Lungenembolie“ bestätigt, gilt es, das Auftreten erneuter Lungenembolien (sogenannter Rezidive) zu verhindern. Dafür ist die Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten (Antikoagulanzien) über mehrere Monate hinweg einer der wichtigsten Bestandteile der Behandlung“.

Um die Antikoagulation einzuleiten, war bislang eine stationäre Behandlung über mindestens vier bis fünf Tage üblich. Dabei erhielten die Patienten zunächst Heparinspritzen. Während des Krankenhausaufenthaltes erfolgte dann die Umstellung auf Vitamin-K-Antagonisten wie beispielsweise Marcumar. Rivaroxaban, derzeit der einzige für die Therapie von Lungenembolien zugelassener Blutgerinnungshemmer in Tablettenform, vereinfacht die Behandlung in der Frühphase der Erkrankung. Denn dieser Blutgerinnungshemmer ermöglicht den Verzicht sowohl auf Heparinspritzen als auch auf die Umstellung auf Vitamin-K-Antagonisten. Damit eröffnet sich für potentiell30 bis 35 Prozent der Patienten die Chance auf eine frühe Entlassung binnen 48 Stunden. Voraussetzung für dieses Behandlungskonzept ist allerdings, dass es sich um eine Lungenembolie mit einem geringen Schweregrad, also mit einem niedrigen Todes- und Komplikationsrisiko handelt.

„Zusammenfassend erhoffen wir uns anhand dieser klinischen Prüfung zeigen zu können, dass eine ambulante Behandlung der nicht-schweren Lungenembolien mit Rivaroxaban wirksam und gut verträglich ist. Wir werden prüfen, in welchem Ausmaß eine nicht-stationäre Behandlung die Lebensqualität der Patienten verbessert. Darüber hinaus berechnen wir mögliche Kosteneinsparungen durch die nicht-stationäre Behandlung von Lungenembolien mit niedrigem Komplikationsrisiko“, erläutert Prof. Konstantinides.

Die HoT-PE-Studie wurde durch ein nationales Forscher-Komitee geplant und initiiert. Bayer HealthCare Pharmaceuticals unterstützt die Studie finanziell und stellt das Studienmedikament zur Verfügung. Die rechtliche Verantwortung trägt die Universitätsmedizin Mainz. Die entsprechende Vertragsunterzeichnung fand heute in Mainz statt.

Kontakt
Prof. Dr. Stavros Konstantinides, CTH-Professur „Klinische Studien“, Universitätsmedizin Mainz, Telefon: 06131 17-8297, E-Mail: stavros.konstantinides@unimedizin-mainz.de

Internet: www.cth-mainz.de

Pressekontakt
Barbara Reinke, Stabsstelle Kommunikation und Presse, Universitätsmedizin Mainz,

Telefon: 06131 17-7428, Fax: 06131 17-3496, E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de

Über das CTH
Das Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH) wird als Modellzentrum zur verbesserten Integration von Ausbildung, Forschung und Patientenversorgung unter einem translationalen Fokus vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF 01EO1003) im Rahmen des nationalen Programm „Integrierte Forschungs- und Behandlungszentren (IFB)“ gefördert. Im CTH-Konzept wird die Schnittstelle zwischen Patientenbehandlung und Forschung neu definiert und so die Voraussetzung für Innovationen in der Gesundheitsversorgung geschaffen. Die Umsetzung von Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung und umgekehrt ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Umgekehrt sollen klinische Beobachtungen als Anregung und Rückkoppelung direkt in die Grundlagenforschung einfließen.
Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen gehören zur Universitätsmedizin Mainz. Mit der Krankenversorgung untrennbar verbunden sind Forschung und Lehre. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz kontinuierlich ausgebildet.

Oliver Kreft | idw
Weitere Informationen:
http://www.unimedizin-mainz.de

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