Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erinnerungsprozesse sichtbar machen

26.08.2010
Regensburger Forscher weisen Zusammenhang zwischen Gehirnwellenaktivität und Vorgängen des „erinnerungsbedingten Vergessens“ nach.

In unserer modernen Informationsgesellschaft ist es besonders wichtig, erfolgreich mit störenden oder überflüssigen Informationen umgehen zu können.

Beispielsweise führt die Suche nach einer bestimmten Information im Internet zu einer Fülle von Treffern, von denen einige wichtig und andere eher unwichtig sind. Ähnlich verhält es sich, wenn wir versuchen, uns an vergangene Erlebnisse zu erinnern: auch hier werden relevante und weniger bedeutende Informationen („störende Informationen“) aktiviert. Gerade solche „Störungen“ müssen von unserem Gehirn ausgeblendet werden, damit wir uns erfolgreich an die relevanten Geschehnisse erinnern können. Normalerweise geschieht dies dadurch, dass unser Gehirn weniger wichtige Informationen blockiert bzw. hemmt. Es kommt dabei also zu „erinnerungsbedingtem Vergessen“.

Neuere Studien, die auf die Elektroenzephalografie (EEG) – eine Methode zur Messung der elektrischen Aktivität des menschlichen Gehirns – zurückgegriffen haben, deuten auf eine direkte Verbindung zwischen dem „erinnerungsbedingten Vergessen“ und der menschlichen Gehirnwellenaktivität hin. Forschern der Universität Regensburg um Prof. Dr. Karl-Heinz Bäuml vom Institut für Psychologie gelang in diesem Zusammenhang nun erstmals der Nachweis, dass die Gehirnwellenaktivität im Theta-Bereich (Frequenz: 5-9 Hz) die Vorgänge des „erinnerungsbedingten Vergessens“ direkt widerspiegeln. Das Blockieren bzw. das Hemmen von störenden Informationen im Rahmen von Erinnerungsprozessen kann demnach über die Elektroenzephalografie sichtbar gemacht werden.

Für ihre Studie untersuchten die Regensburger Wissenschaftler während eines Versuchs die EEG-Daten von 24 Probanden (21 Frauen, 3 Männer). Die Probanden mussten sich zunächst nacheinander Begriffspaare (z.B. Frucht-Orange; Frucht-Banane; Getränk-Cola, Getränk-Bier etc.) merken, die sie dann später erinnern sollten. Dazwischen wurden die Probanden über zwei Durchgänge hinweg aufgefordert, fehlende Bruchstücke von einzelnen Begriffspaaren wieder zu ergänzen (Getränk-B…, Frucht-O… etc.), oder aber die vollständigen Begriffspaare – über eine zufällig zusammengestellte, neue Reihenfolge – abermals („passiv“) zu studieren. In beiden Durchgängen wurde jeweils die (gleiche) Hälfte der Begriffspaare einer Kategorie ergänzt bzw. abermals studiert.

In den Fällen, in denen sich die Probanden dabei aktiv an den fehlenden Teil eines Begriffspaares erinnern sollten, wurde im ersten Durchgang eine – im Vergleich zum rein passiven Studieren – erhöhte Gehirnwellenaktivität im Theta-Bereich gemessen, die sich im zweiten Durchgang dann wieder reduzierte. Dieses Muster zunächst steigender und dann wieder abfallender Aktivitäten ging mit dem späteren Vergessen der verwandten, zwischenzeitlich nicht ergänzten Begriffspaare einher. Eine solche Veränderung der Gehirnaktivität konnte beim einfachen Studieren der vollständigen Begriffspaare nicht nachgewiesen werden.

Die Ergebnisse legen nahe, dass ein hoher Grad von „störenden Informationen“ in unserem Gehirn durch eine erhöhte Theta-Wellenaktivität angezeigt wird. Die erfolgreiche Unterdrückung oder Beseitigung solcher Störungen durch unser Gehirn führt zu einer Reduktion der Theta-Wellenaktivität bei nachfolgenden Erinnerungsprozessen mit demselben Bezug. Die Messung der Intensität der Gehirnwellenaktivität im Theta-Bereich dient demnach als Indikator für die Dynamik der Aktivierung und darauf folgenden Unterdrückung von „störenden Informationen“ im Rahmen menschlicher Erinnerungsprozesse.

Die Untersuchungen der Regensburger Wissenschaftler wurden aktuell in der renommierten Fachzeitschrift „The Journal of Neuroscience“ veröffentlicht.

Zur Elektroenzephalografie (EEG):
Die Elektroenzephalografie (EEG, von griechisch „encephalon“ für Gehirn, und „gráphein“ für schreiben) ist eine neurowissenschaftliche Methode zur Messung der summierten elektrischen Aktivität des Gehirns durch Aufzeichnung der Spannungsschwankungen an der Kopfoberfläche. Ursache dieser Potentialschwankungen sind physiologische Vorgänge einzelner Gehirnzellen, die durch ihre elektrischen Zustandsänderungen zur Informationsverarbeitung des Gehirns beitragen. Das Elektroenzephalogramm (ebenfalls EEG abgekürzt) ist die graphische Darstellung dieser Schwankungen.
Ansprechpartner für Medienvertreter:
Prof. Dr. Karl-Heinz Bäuml
Universität Regensburg
Institut für Psychologie
Tel.: 0941 943-3813/3818
Karl-Heinz.Baeuml@psychologie.uni-regensburg.de

Alexander Schlaak | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

nachricht »Zweites Leben« für Smartphones und Tablets
16.03.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics