Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ergebnisse der dritten Studie zur akuten Hepatitis C des „Kompetenznetz Hepatitis“ publiziert

12.06.2013
Die Hepatitis C, eine Leberentzündung aufgrund einer Infektion mit dem Hepatitis C-Virus, kann schwerwiegende Folgen wie Leberzellkrebs oder Leberzirrhose haben. Deshalb ist die Behandlung extrem wichtig.

Eine jetzt in der Zeitschrift „The Lancet Infectious Diseases“ publizierte Studie des HepNet Study-House der Deutschen Leberstiftung hat die Frage geklärt, ob diese Therapie sofort beginnen muss oder ob zunächst abgewartet werden kann, weil die Erkrankung in einigen Fällen von selbst („spontan“) ausheilt. Diese weltweit einmalige Studie war nur durch das Netzwerk des HepNet Study-House möglich.

Das Hepatitis C-Virus wird durch infiziertes Blut übertragen. Das Virus dringt in die Leberzellen ein und vermehrt sich dort sehr schnell. Dabei schädigt es die Leberzellen. Das Immunsystem bekämpft das Virus, indem es befallene Leberzellen zerstört. Dadurch wird die Funktion der Leber immer weiter eingeschränkt. Oft setzt sich das Virus im Körper fest und kann ohne eine medikamentöse Therapie nicht besiegt werden. Die Erkrankung wird dann „chronisch“, also dauerhaft. Die ersten sechs Monate nach Infektion spricht man von einer „akuten HCV-Infektion“. In dieser Zeit kann die Hepatitis C ohne Behandlung („spontan“) ausheilen. Das geschieht in zehn bis 50 Prozent der Fälle.

Bei der akuten Hepatitis C gibt es daher zwei Möglichkeiten: Sofort behandeln oder zunächst abwarten, ob die Erkrankung ohne Medikamente ausheilt und – wenn das nicht eintrifft – zu einem späteren Zeitpunkt behandeln.

Die Studie, die im HepNet Study-House der Deutschen Leberstiftung durchgeführt wurde, hat beide Möglichkeiten gegenübergestellt und ihre Wirksamkeit verglichen. Es handelt sich um die größte prospektive Studie zur akuten Hepatitis C in Europa. An der Studie zu dieser seltenen Erkrankung nahmen 132 Patienten aus 72 Zentren in ganz Deutschland teil. Es beteiligten sich Patienten mit einer akuten Hepatitis C, die zum Teil Symptome der Erkrankung zeigten (107) und Patienten, die keine Beschwerden hatten (25). Die Studie begann im April 2004 und konnte nach einer Laufzeit von neun Jahren ausgewertet und veröffentlicht werden.

Sie zeigt, dass eine sofortige Behandlung mit pegyliertem Interferon-alfa-2b über 24 Wochen zu hohen Ausheilungsraten führt. Das gilt für Patienten mit Symptomen und ohne Symptome. Die später begonnene Therapie ist ebenfalls sehr effektiv. Aber eine höhere Anzahl von Patienten besuchen ihren Arzt nicht mehr, so dass sie später nicht behandelt werden können. Die verzögerte Therapie hat den Vorteil, dass sie die spontane Ausheilung berücksichtigt und so eine unnötige medikamentöse Therapie verhindert werden kann.

Diese Erkenntnisse sind wichtig für die Behandlung von Patienten mit akuter Hepatitis C. Nun kann der Arzt auf dieser Basis mit dem Patienten entscheiden, ob er eine Therapie sofort beginnt oder ob er zunächst abwartet.

„Diese Studie, inzwischen die dritte zur akuten Hepatitis C, zeigt, wie wichtig das HepNet Study-House ist. Hier können wir „mit langem Atem“ Studien durchführen, die für die Patienten enorm wichtig sind, aber nicht im Fokus der Pharmafirmen stehen. Und wir können uns kontinuierlich mit den Erkrankungen befassen. Seit der Gründung des „Kompetenznetz Hepatitis“ und seines HepNet Study-House im Jahr 2002 haben wir in großen Studien die Virushepatitis erforscht. Dabei waren viele Studien weltweit bedeutend und haben Ergebnisse erbracht, die heute noch elementar für die Behandlung der Virushepatitis sind“, erläutert Prof. Dr. Michael P. Manns, Vorsitzender der Deutschen Leberstiftung und Leiter der Studie, die Bedeutung des HepNet Study-House und seiner Studien. „Dieser Erfolg ist nur möglich durch die gute Zusammenarbeit im HepNet Study-House. Wir danken den Zentren und Patienten, die durch ihre Mitarbeit den Erfolg der Studie erst möglich gemacht haben“, betont Prof. Dr. M. P. Manns. Gefördert wurde die Studie durch die Essex Pharma GmbH/MSD SHARP & DOHME GmbH. Aktuell plant die Deutsche Leberstiftung im HepNet Study-House die vierte Studie zur Hepatitis C mit neuen Interferon-freien Medikamenten.

Der Artikel “Delayed versus immediate treatment for patients with acute hepatitis C: a randomised controlled non-inferiority trial.” (Deterding K et al.) mit den Ergebnissen der Studie ist in der Zeitschrift „The Lancet Infectious Diseases“ (June 2013, Volume 13, Number 6) erschienen.

Die Deutsche Leberstiftung
befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch Forschungsförderung zu verbessern und die öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen zu steigern, damit diese früher erkannt und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem Information und Beratung für Betroffene und Angehörige in medizinischen Fragen.

BUCHTIPP: „Das Leber-Buch“ der Deutschen Leberstiftung informiert umfassend und allgemeinverständlich über die Leber, Lebererkrankungen, ihre Diagnosen und Therapien. „Das Leber-Buch“ ist im Buchhandel erhältlich: ISBN 978-3-89993-588-2, € 14,95: http://www.deutsche-leberstiftung.de/Leber-Buch

Deutsche Leberstiftung
Bianka Wiebner
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Tel 0511 – 532 6815
Fax 0511 – 532 6820
presse@deutsche-leberstiftung.de

Bianka Wiebner | idw
Weitere Informationen:
http://www.deutsche-leberstiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik