Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erfolgreiche Forschung zur Magersucht

03.04.2014

Neue Behandlungsansätze in klinischen Studien untersucht / Wanka: "Leiden der Patientinnen und Patienten werden wirkungsvoller gemildert"

Die Magersucht zählt zu den gefährlichsten und folgenschwersten psychischen Erkrankungen: Nahezu jeder fünfte erkrankte Mensch stirbt an den Folgen der Unterernährung. Magersucht ist, nach Asthma und Fettleibigkeit, die dritthäufigste chronische Erkrankung bei Mädchen und jungen Frauen.

Neue Ansätze zur Behandlung von Essstörungen sind daher dringend erforderlich. Zwei vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte klinische Studien zur Magersucht, die zu den weltweit größten Untersuchungen auf diesem Gebiet zählen, sind nun zu erfolgversprechenden Ergebnissen gekommen.

"Diese herausragenden Forschungsarbeiten werden dazu führen, dass Patientinnen und Patienten besser versorgt und ihre Leiden gemildert werden können", sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka.

Erstmals konnte wissenschaftlich belegt werden, dass bestimmte Behandlungen auch langfristig zu einer deutlichen Verbesserung der Gesundheit von magersüchtigen Mädchen und Frauen führen. Die Arbeitsgruppen um Professor Dr. Stephan Zipfel in Tübingen und Professor Dr. Wolfgang Herzog in Heidelberg haben hierzu drei Psychotherapieverfahren miteinander verglichen. Darunter befand sich auch die noch relativ junge "fokale psychodynamische Therapie".

Bei dieser Therapie steht die Verarbeitung von Emotionen im Mittelpunkt. Betroffene werden gezielt auf den Alltag nach Therapieende vorbereitet. Die fokale psychodynamische Therapie lieferte insgesamt deutlich bessere Ergebnisse als die bisherige Standardbehandlung.

Gleichzeitig entwickelten und erprobten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aber auch völlig neue Therapiekonzepte. Das Studienteam um Professorin Dr. Sabine Herpertz-Dahlmann aus Aachen hat Alternativen zur heute üblichen, klinischen Behandlung der Betroffenen untersucht.

Das Ergebnis zeigt, dass von Magersucht betroffene Personen nicht mehr notwendigerweise vollstationär behandelt werden müssen. Ein modifizierter Ansatz, bei dem die Betroffenen nur tagsüber in der Klinik sind und am Behandlungsprogramm teilnehmen, erzielt gleichwertige Effekte. Dies ist insgesamt deutlich weniger belastend für die Betroffenen und gleichzeitig kostengünstiger.

Die Ergebnisse beider Studien wurden in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht - ein Beleg für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Spitzenforschung aus Deutschland. Die neuen Therapien stehen jetzt Medizinerinnen und Medizinern weltweit zur Verfügung.

Zur Durchführung der beiden klinischen Studien arbeitete ein Netzwerk aus Kliniken in ganz Deutschland fast acht Jahre lang zur Erforschung von Essstörungen zusammen. Dieses Netzwerk (EDNET - Eating Disorders Diagnostic and Treatment Network) untersuchte auch andere Krankheiten, so die Bulimie und die Binge-Essstörung. Es ist Teil der vom BMBF geförderten "Forschungsverbünde zur Psychotherapie", die von 2006 bis 2014 mit insgesamt 30 Millionen Euro gefördert wurden.

Weitere Informationen zum Thema und zum EDNET-Netzwerk: http://www.ednet-essstoerungen.de/ http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/5209.php und http://www.bmbf.de/de/gesundheitsforschung.php

| BMBF Newsletter

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie