Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erdbeben verlaufen nach dem SMS-Prinzip

21.10.2010
Menschlicher Dialog lässt Naturereignisse besser verstehen

Die Form, in der wir über SMS, E-Mail oder auch im Chat kommunizieren, ist genau jene, in der Naturereignisse wie Erdbeben, Starkregen oder Waldbrände verlaufen.

Das berichten deutsche und chinesische Forscher in der Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences". "Obwohl man eine SMS zu einem selbst gewählten Moment sendet oder beantwortet, gibt es auch in dieser Dialogform sich wiederholende Muster.

Diese entsprechen vielen Abläufen der Natur", erklärt Studienautor Jürgen Kurths vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) http://www.pik-potsdam.de im pressetext-Interview.

Mensch reagiert wie Natur

Analogien gibt es sowohl in den zeitlichen Abständen zwischen den Nachrichten als auch in der Dauer ihrer jeweiligen Erstellung, erklärt Kurths. "SMS-Dialoge beginnen meist mit einer Kurznachricht, die das Thema vorgibt. Es folgt eine Kette von Antworten und Gegenantworten mit sehr kurzen Zwischenintervallen. Erschöpft sich das Thema, kehrt Ruhe ein."

Die Initial-SMS findet zu einem zufälligen Zeitpunkt statt. Während der Sequenz hat die Kommunikation hohe Priorität in der Aufgabenliste und wird umso schneller abgearbeitet, je wichtiger das Thema ist. Ist alles ausgetauscht, rutscht sie in der Warteschlange zurück.

In der Natur findet sich dieses Muster etwa im Erdbeben wieder, auf das nach einem starken Initialbeben in kurzen Intervallen eine Reihe von kleineren Nachbeben folgt. "Auch bei Waldbränden setzen sich kleine Brände nach einem großen Brandereignis analog fort und verbreiten sich, bis es nichts Brennbares mehr gibt. Große Regenfälle regen wiederum mehrere kleine Regenereignisse an", so der Experte. Dass der Mensch hier keine Ausnahme bildet, könnte damit zusammen hängen, dass sich dieser Ablauf auch in den Neuronen wiederfindet. Auch epileptische Anfälle lassen sich dadurch erklären.

Abläufe besser vorhersagen

Wichtig ist diese Erkenntnis, für die Kurths mit seinen Kollegen über 1,5 Mio. SMS-Nachrichten analysiert hat, für die Erforschung von Folgen des Klimawandels. "Die Auswirkungen des Klimawandels sind sehr komplex, etwa in den Teilsystemen der Ökologie, Hydrologie oder Sozio-Ökonomie. Diese, jedoch auch gesellschaftliche Abläufe wie etwa Klimadiskurse, Börsenereignisse oder auch die Infrastrukturen für Kommunikation können durch diese mathematischen Gesetzen besser erkannt und simuliert werden", so der Physiker.

Link zum Artikel: http://www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1013140107

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.pik-potsdam.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie