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EPO fürs Auge

24.09.2013
Prof. Dr. Wolf Lagrèze erforscht in einem interdisziplinären Verbundprojekt den Schutz von Sehnerv und Netzhaut / BMBF fördert klinische Studie mit einer Million Euro

Das Wachstumshormon Erythropoietin ist vor allem unter dem Namen EPO als Dopingmittel bekannt, welches die Bildung der roten Blutkörperchen stimuliert. Es verbessert aber auch die Überlebensfähigkeit von Nervenzellen.

In einer groß angelegten Patientenstudie untersuchen Prof. Dr. Wolf Lagrèze, Universitäts-Augenklinik Freiburg, und Prof. Dr. Ricarda Diem, Abteilung Neuroonkologie des Universitätsklinikums Heidelberg, wie gut EPO das Nervengewebe des Auges bei Sehnerventzündung vor dem Absterben schützen kann...

Diese Erkrankung tritt entweder isoliert oder im Rahmen einer Multiplen Sklerose (MS) auf. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt das Projekt „TONE: Treatment of Optic Neuritis with Erythropoietin“ im Förderprogramm Klinische Studien mit einer Million Euro.

Bei der Sehnerventzündung verursachen körpereigene Immunzellen eine Entzündungsreaktion, welche zur Degeneration der Nervenfasern führt, die das Auge mit dem Gehirn verbinden. Auf Schmerzen hinter dem Auge folgen innerhalb weniger Tage Sehstörungen wie reduziertes Farbsehen, Minderung des Kontrastsehens und Sehschärfeverlust. Zwei Drittel der Patienten erlangen innerhalb von Wochen wieder ihre ursprüngliche Sehschärfe. Häufig jedoch bleiben Einbußen im Kontrast- und Farbsehen zurück, und ein erneuter Schub erhöht das Risiko für eine weitere Verschlechterung des Sehvermögens bis hin zur Erblindung.

Während die etablierten immunsuppressiven Therapien ausschließlich die Entzündung eindämmen, möchten die Wissenschaftler prüfen, ob zusätzlich verabreichtes EPO die Nervenzellen unabhängig davon erhalten kann. Aus Laborversuchen beider Kliniken und einer Pilotstudie an 40 Patienten unter Leitung von Prof. Diem liegen erste ermutigende Ergebnisse vor: Bei Patienten, die zusätzlich zur Standardtherapie mit Cortison drei Tage lang intravenös EPO erhielten, starben deutlich weniger Nervenzellen ab als in der Kontrollgruppe. Nun soll eine Studie mit insgesamt 100 Patienten in zwölf deutschen Universitätskliniken unter Leitung von Prof. Lagrèze zeigen, ob der Therapieansatz statistisch belastbar ist. Neben Freiburg und Heidelberg nehmen die Universitätsklinika Berlin, Bochum, Dresden, Düsseldorf, Erlangen, Essen, Freiburg, Göttingen, Heidelberg, Mainz, München (LMU) und Tübingen an der TONE-Studie teil.

Da die Studie strikt interdisziplinär ausgerichtet ist und alle Patienten sowohl augenheilkundlich als auch neurologisch untersucht werden, freut sich der Freiburger Ophthalmologe, mit Prof. Dr. Ricarda Diem eine sehr erfahrene und kompetente Neurologin an seiner Seite zu haben. Die Studienteilnehmer werden an den insgesamt 12 Studienzentren zwei Jahre lang engmaschig ophthalmologisch und neurologisch begleitet. Die primären Prüfparameter der Studie sind der Gehalt an Nervenfasern in der Netzhaut und die Sehschärfe bei niedrigem Kontrast. „Wir hoffen, dass sich die Behandlung mit EPO auch in dieser breit angelegten Studie bewährt und wir so ein wirksames und sicheres Mittel finden, um der Nervenschädigung bei Sehnerverkrankungen und bei Multipler Sklerose vorzubeugen“, erläutert Prof. Lagrèze das Ziel des Projekts. Ein positives Ergebnis könne der Zulassung von EPO zur Behandlung der Sehnerventzündung dienen, bestehende MS-Therapien sinnvoll ergänzen und in diesem Bereich auch weitere klinische Studien nach sich ziehen.

Deutschlandweit sind rund 130.00 Menschen von MS betroffen. Häufig kommt es bereits in jungen Jahren zu Neurodegeneration und Behinderungen, wenn körpereigene Immunzellen gesundes Nervengewebe angreifen und zerstören. Bisher gibt es noch keine zugelassenen Wirkstoffe, um Nervenzellen unabhängig von einer am Immunsystem ansetzenden Therapie zu schützen und ihr Absterben zu verhindern.

Kontakt:
Prof. Dr. Wolf A. Lagrèze
Leitender Arzt der Sektion Neuroophthalmologie,
Kinderaugenheilkunde und Schielbehandlung
Universitäts-Augenklinik
Telefon: 0761 270-40010
wolf.lagreze@uniklinik-freiburg.de

Inga Schneider | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-freiburg.de/presse/live/Pressemitteilungen/aktuell2.html?weiterleitung=ja

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