Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Epidemien mit hoher Opferzahl führen zu stagnierenden Löhnen und sinkenden Kapitalerträgen

29.03.2012
Epidemien mit einer großen Anzahl von Todesopfern haben einen erheblichen negativen Effekt auf den materiellen Wohlstand der Überlebenden.
Das ist das Ergebnis einer Studie, für die Wirtschaftswissenschaftler der TU Darmstadt und der schwedischen Universität Lund die wirtschaftlichen Effekte der Spanischen Grippe in Schweden untersucht haben.

Die Spanische Grippe hatte zwischen 1918 und 1920 weltweit zwischen 50 und 100 Millionen vorwiegend junge Todesopfer gefordert und gilt als die verheerendste Seuche des 20. Jahrhunderts. In Schweden starben rund 38.000 Menschen, etwa ein Prozent der Bevölkerung, an den Folgen der Spanischen Grippe.

"Nach den üblichen makroökonomischen Modellen wäre zu erwarten, dass aufgrund der starken Dezimierung der Arbeitskräfte die Löhne der Überlebenden steigen und die Erträge von Kapitalanlagen sinken – doch während die Kapitalerträge in Schweden nach der Spanischen Grippe erwartungsgemäß sanken, stagnierten die Löhne, anstatt zu steigen. In der Folge kamen auf jeden Grippetoten vier Überlebende, die in die Armut abglitten", erklärt Prof. Dr. Martin Karlsson von der TU Darmstadt, der die Studie zusammen mit seinem Darmstädter Kollegen Stefan Pichler und Dr. Therese Nilsson von der Lund University erstellt hat.

Makroökonomische Modelle unterschätzen Gefahr für Weltwirtschaft

Das Ergebnis der Studie widerspricht damit sowohl den herkömmlichen ökonomischen Modellen als auch den Ergebnissen ähnlicher Studien zu den Effekten mittelalterlicher Pestepidemien. Diese hatten nach Epidemien mit einer hohen Opferzahl durchweg starke Lohnanstiege für die Überlebenden bei gleichzeitig sinkenden Kapitalerträgen festgestellt.
"Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass die Spanische Grippe in Schweden zu einem regelrechten ökonomischen Schock führte. Das könnte darauf hinweisen, dass die makroökonomischen Modelle die wirtschaftlichen Folgen einer weltweiten Epidemie bisher dramatisch unterschätzen", so Karlsson, der die detaillierten Ergebnisse der bislang noch nicht publizierten Studie Anfang der Woche auf einer Tagung der britischen Royal Economic Society präsentierte.

Die Wirtschaftswissenschaftler hatten für ihre Studie das Beispiel Schweden gewählt, da hier umfangreiche und qualitativ hochwertige ökonomische Daten der schwedischen Verwaltung aus der Zeit der Spanischen Grippe vorliegen. Zudem hatte Schweden nicht am Ersten Weltkrieg teilgenommen und war von diesem daher auch nur mittelbar ökonomisch betroffen.

Pressekontakt
Prof. Dr. Martin Karlsson
Tel. 06151/16-6920 oder -3192
karlsson@vwl.tu-darmstadt.de

Jörg Feuck | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-darmstadt.de
http://tubiblio.ulb.tu-darmstadt.de/57149/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie