Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Energieverbrauch: Klimaanlagen sind oft überflüssig

27.08.2008
In den letzten fünfzehn Jahren hat sich der Energieverbrauch im Zusammenhang mit der Klimatisierung von Gebäuden mehr als verdoppelt.
Diese steile Zunahme wird sich fortsetzen, obwohl Forschende darauf hinweisen, dass die Klimatisierung gar keinem wirklichen Bedürfnis entspricht. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms

"Nachhaltige Siedlungs- und Infrastrukturentwicklung" (NFP 54) durchgeführt wurde.

Der Stromverbrauch für Klimaanlagen verdoppelte sich zwischen 1990 und 2005 von 711 auf 1591 Gigawattstunden. Dies entspricht 2,8 Prozent des 2005 in der Schweiz verbrauchten Stroms und der Hälfte der Stromproduktion des Atomkraftwerks Mühleberg. Bis 2020 wird der Verbrauch 2264 Gigawattstunden erreichen, wenn dieser Trend anhält. Ausserdem könnte diese Entwicklung durch besondere Ereignisse beschleunigt werden, wie der ausserordentlich heisse Sommer 2003 zeigte, als der Stromverbrauch in die Höhe schnellte.

Um diesen Trend zu bremsen, haben Forschende des Ingenieurbüros Planair SA, des Instituts für Gesundheitspsychologie der Universität Lausanne und des Laboratoriums für Solarenergie und Gebäudephysik der ETH Lausanne in einer Studie, die im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms "Nachhaltige Siedlungs- und Infrastrukturentwicklung" (NFP 54) durchgeführt wurde, einen Katalog mit rund zwanzig kurz-, mittel- und langfristigen Massnahmen (Zeithorizont ein Jahr, zwei bis fünf Jahre und mehr als fünf Jahre) ausgearbeitet. Mit diesen Massnahmen kannin Dienstleistungs- und Wohngebäuden ohne systematische Klimatisierung ein angenehmes Raumklima sichergestellt werden. Sie betreffen sowohl das menschliche Verhalten als auch technische und rechtliche Aspekte.

Mit den Verhaltensmassnahmen sollen Personen, die Klimaanlagen benützen, informiert und sensibilisiert oder sinnvolle Verhaltensweisen aufgezeigt werden. Die technischen Massnahmen betreffen die Klimatisierungstechnik. Mit rechtlichen Massnahmen schliesslich werden Änderungen des gesetzlichen Rahmens oder neue baurechtliche Bestimmungen angestrebt. Zu den Massnahmen gehören Kleidung und Arbeitszeiten, die der warmen Jahreszeit angepasst sind, eine Einschränkung der Wärmequellen (Lampen, Computer, Fotokopierer) im Gebäudeinneren, die Optimierung bestehender Klimaanlagen und die Schaffung von Baunormen zur Kühlung.

Angenehmes Raumklima ohne Klimatisierung

Für die Forschenden steht fest: Klimaanlagen sind keine Notwendigkeit. Sie sind überzeugt, dass sich mit den von ihnen vorgeschlagenen Massnahmen auch im Sommer ein angenehmes Raumklima bewahren lässt. Dabei lässt sich hinsichtlich Baumaterialien, Sonnenschutz oder Belüftung viel von den Erfahrungen in südlichen Ländern lernen. Wenn eine Klimatisierung aber tatsächlich gerechtfertigt ist, sollten die bestehenden Anlagen optimal genutzt werden, zum Beispiel indem ein Raum eher nachts als am Tag gekühlt wird.

Die Forschenden versuchten, die Beweggründe für die zunehmende Klimatisierung in Erfahrung zu bringen. Dazu entwickelten sie zwei Fragebögen, mit denen die subjektive Empfindung eines angenehmen Raumklimas und die Notwendigkeit einer Klimatisierung ermittelt sowie welche Alternativen in Betracht gezogen werden sollten. Der erste Fragebogen wurde 500 Personen vorgelegt, die in nicht-klimatisierten Büroräumlichkeiten arbeiten, der zweite Fragebogen 500 Personen, die in nicht-klimatisierten Mietwohnungen leben. Mit 15 halbstrukturierten Befragungen beim Personal der Stadtverwaltung und der Verkehrsbetriebe von Lausanne wurden die Unterschiede zwischen Arbeitsplatz und Wohnung, der Begriff der Temperaturkontrolle, individuelle Unterschiede, die Auswirkungen der Hitze und auch das Wissen im Zusammenhang mit der Klimatisierung genauer unter die Lupe genommen.

Eine letzte Befragung fand im Sommer 2006 statt. In nicht-klimatisierten Büros füllten Freiwillige einen Fragebogen aus, der auf ihrem Computer installiert war. Dabei erschienen auf ihrem Bildschirm regelmässig Fragen zu ihrem Wohlbefinden bezüglich der Temperatur sowie zu ihrer Kleidung, ihrer Tätigkeit und den von ihnen getroffenen Massnahmen zur Verbesserung des Wohlbefindens. Immer wenn die Versuchspersonen die Temperatur als unangenehm heiss empfanden, konnten sie dies im Fragebogen festhalten. Das persönliche Empfinden wurde dann mit den tatsächlich gemessenen Innen- und Aussentemperaturen verglichen.

Selbstbestimmung vergrössern

Aus diesen Befragungen lassen sich mehrere Einsichten gewinnen. Der Begriff Hitze wurde vor allem im Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz verwendet und kaum je für das Zuhause. Für die Forschenden hängt dies stark mit einem Gefühl der Selbstbestimmung zusammen: Zuhause fühlen sich die Leute dem Problem weniger ausgeliefert, da sie aktiv Gegenmassnahmen ergreifen können (Standort wechseln, Zeiteinteilung, Kleidung, Kontrolle der Umgebung). Die Zufriedenheit der Angestellten könnte wesentlich vergrössert werden, wenn diesem Gefühl in der Geschäftswelt besser Rechnung getragen würde - z.B. durch die Schaffung individuell gestaltbarer Arbeitsplätze anstelle von Open-Space-Büros.

Ferner sind Personen, die ein Auto mit Klimaanlage besitzen oder die in einem klimatisierten Raum arbeiten, eher von der Notwendigkeit der Klimatisierung in den Sommermonaten überzeugt. Schliesslich haben auch das Alter, die Zahl der Personen, mit denen ein Büro geteilt wird, und die subjektiv empfundene Luftqualität einen Einfluss darauf, ob eine Klimatisierung als notwendig empfunden wird, während die Art der Arbeit, das Einkommen, das Geschlecht, das Körpergewicht und auch eine regelmässige sportliche Betätigung keine Rolle spielen.

Kontakt:
Planair SA
Crêt 108, CH-2314 La Sagne
Tel.: +41 (0)32 933 88 40, Fax: +41 (0)32 933 88 50
PierreRenaud
E-Mail: pierre.renaud@planair.ch
Joëlle Hars
E-Mail: joelle.hars@planair.ch

| idw
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch
http://www.planair.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Personalisierte Medizin – Ein Schlüsselbegriff mit neuer Zukunftsperspektive
14.07.2017 | Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V.

nachricht Enterprise 2.0 ist weiterhin bedeutendes Thema in Unternehmen
03.07.2017 | Hochschule RheinMain

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten