Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Empa-Studie zum Treibstoffverbrauch: Ausschalten der Klimaanlage hilft Sprit sparen

22.06.2010
Autoklimaanlagen laufen nicht «umsonst»; in warmen bis heissen Gefilden können sie bis zu 30 Prozent des Treibstoffverbrauchs ausmachen. Dass sie auch im gemässigten Schweizer Klima im Jahresdurchschnitt mehr als 5 Prozent, innerorts sogar rund 10 Prozent Mehrverbrauch verursachen, zeigt eine neue Studie der Empa im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt BAFU.

Und: Zwei Drittel des Zusatzverbrauchs liessen sich einsparen, wenn die Klimaanlage bei Aussentemperaturen unter 18 Grad Celsius einfach ausgeschaltet würde.

Klimaanlagen von Autos benötigen Energie für die Verdichtung des Kühlmittels. Dabei gilt: Je stärker sie kühlen müssen, desto mehr Energie (sprich: Treibstoff) verbrauchen sie. Kaum bekannt dürfte sein, dass Klimaanlagen auch dann Treibstoff verbrauchen, wenn es draussen kühler ist als im Fahrzeug. Daher hat die Empa im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt BAFU das Verbrauchsverhalten von je sechs modernen Personenwagen mit Diesel- und Benzinantrieb mit ein- und ausgeschalteter Klimaanlage bei verschiedenen Aussentemperaturen und Luftfeuchtigkeiten genauer untersucht.

Die Studie, die soeben im Fachblatt «Environmental Science and Technology» erschienen ist, zeigt, dass der Treibstoffverbrauch der Fahrzeuge bei laufender Klimaanlage umso stärker steigt, je wärmer und feuchter die Aussenluft ist (Bild 1); an einem typischen Schweizer Sommertag bei 27 Grad und 60 Prozent Luftfeuchtigkeit innerorts um immerhin 18 Prozent. Ausserdem stellten die Forscher fest, dass Klimaanlagen im heute üblichen Automatik-Betrieb erst dann abschalten, wenn die Aussentemperatur unter 5 Grad sinkt und die Kühlgeräte vereisen könnten. Dies deshalb, weil Klimaanlagen die in den Fahrzeuginnenraum geleitete Luft auch entfeuchten, etwa um das Beschlagen der Windschutzscheibe bei Regen zu vermeiden. Dies kann durchaus sinnvoll und sicherheitsrelevant sein, allerdings nur bei hoher Luftfeuchtigkeit und nicht – wie heute üblich – permanent.

Unter Berücksichtigung des SIA-Standardklimas von Bern und der ermittelten Verbrauchszunahmen (plus die Aktivität der Autos über den Tag), ergibt sich für Benzinfahrzeuge ein durchschnittlicher Ganzjahresmehrverbrauch von 5.4 Prozent (Bild 2, orange Balken). Wird das Fahren in die Strassentypen innerorts, ausserorts und Autobahn unterteilt, ergeben sich 10 beziehungsweise 2.8 und 1.3 Prozent Mehrverbrauch.

Aus arbeitsphysiologischen Untersuchungen ist zudem bekannt, dass sich der/die durchschnittliche Fahrer/in bei am Kopf gemessenen 23 Grad komfortabel fühlt. Das bedeutet: Bei einer Aussentemperatur unter 18 Grad könnte die Klimaanlage ohne Komforteinbusse getrost abgeschaltet sein. Bei den untersuchten Benzinfahrzeugen konnten dadurch rund zwei Drittel des Zusatzverbrauchs – oder immerhin 3.6 Prozent des Gesamtverbrauchs – eingespart werden (Bild 2, blaue Balken). Bei wärmeren Aussentemperaturen ist es dagegen ratsam, die Klimaanlage zu nutzen, da Hitze die Konzentration des Fahrers beeinträchtigen kann und somit ein Sicherheitsrisiko darstellt.

Bei Dieselfahrzeugen ist der klimaanlagenbedingte Mehrverbrauch – vor allem innerorts – etwas geringer (total 2.7 Prozent); für innerorts, ausserorts und Autobahn ergeben sich Werte von 4.5 beziehungsweise 2.3 und 1.2 Prozent. Das Einsparpotential beim Abschalten der Klimaanlage unter 18 Grad Aussentemperatur liegt aber auch hier bei zwei Dritteln.

Wird die gesamte Schweizer Flotte berücksichtigt, also auch Autos ohne Klimaanlage sowie ältere Modelle mit ineffizienteren Klimakompressoren, ergibt sich für den Ganzjahresbetrieb sämtlicher Klimaanlagen ein Zusatzverbrauch von 3.1 Prozent beziehungsweise von 1.0 Prozent, wenn die Klimaanlagen unter 18 Grad ausgeschaltet würden. Mit dieser simplen Massnahme liesse sich also der gesamte Schweizer Treibstoffverbrauch um insgesamt rund 2 Prozent senken.

Literaturhinweis:

Martin F. Weilenmann, Robert Alvarez, Mario Keller, Fuel consumption and CO2/pollutant emissions of mobile air conditioning at fleet level – new data and model comparison, Environmental Science & Technology, published online June 8, 2010: http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/es903654t

Weitere Informationen:
Dr. Martin Weilenmann, Empa, Verbrennungsmotoren, Tel. +41 44 823 46 79, martin.weilenmann@empa.ch

Dr. Martin Schiess, BAFU, Luftreinhaltung und NIS, Tel +41 31 322 54 34, martin.schiess@bafu.admin.ch

Sabine Voser | idw
Weitere Informationen:
http://www.empa.ch
http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/es903654t

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Warum der Brennstoffzelle die Luft wegbleibt

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chlamydien: Wie Bakterien das Ruder übernehmen

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Sterngeburt in den Winden supermassereicher Schwarzer Löcher

28.03.2017 | Physik Astronomie