Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eltern halten Schulen in Deutschland für ungerecht

09.07.2010
Umfrage: Weniger Unterstützungsmöglichkeiten in bildungsfernen Familien – Eltern aber einigermaßen zufrieden mit Leistungsfähigkeit von Schulen

Eltern schulpflichtiger Kinder stellen den Schulen in Deutschland ein durchwachsenes Zeugnis aus und bemängeln vor allem fehlende Gerechtigkeit. 51 Prozent der Mütter und Väter von Schulkindern halten das deutsche Schulsystem für ungerecht und kritisieren, dass sich ihre Kinder nicht entsprechend ihrer Möglichkeiten entwickeln können. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Bertelsmann Stiftung, die vom Institut Infratest dimap durchgeführt wurde. Besser schnitten die Schulen bei der Frage nach ihrer Leistungsfähigkeit ab: Hier gab es als Note von den Eltern eine schwache zwei.

Bei der Bewertung der Gerechtigkeit spielt der Umfrage zufolge der Schultyp eine große Rolle: Nur 39 Prozent der Eltern von Grundschülern halten das Schulsystem für ungerecht, hingegen aber 58 Prozent der Eltern von Real- oder Hauptschülern und immerhin noch 49 Prozent der Mütter und Väter von Gymnasiasten. Auch in der Gesamtbevölkerung schätzen vier von zehn das Schulsystem als ungerecht ein (38 Prozent).

Als Hauptgrund für mangelnde Gerechtigkeit von Schulen geben die Eltern die fehlende individuelle Förderung ihrer Kinder an. Vor allem Väter und Mütter von Grund-, Haupt- und Realschülern kritisieren, dass sich ihre Kinder nicht nach ihren Möglichkeiten entwickeln können und außerschulische Unterstützung benötigen. So helfen über 80 Prozent der Eltern mit einem mittleren oder ho¬hen Bildungsabschluss ihren Kindern bei schulischen Aufgaben, bei den Eltern mit einem niedrigen Bildungsabschluss sind es hingegen nur 57 Prozent.

Davon sehen sich 37 Prozent der Eltern mit einem niedrigen Bildungsabschluss nicht in der Lage, ihre Kinder ausreichend zu unterstützen. Zum Vergleich: Nur drei Prozent der Mütter und Väter mit einem hohen Schulabschluss sind dieser Ansicht. Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn das Haushaltseinkommen zugrunde gelegt wird: Die Hälfte der Eltern mit einem Haushaltseinkommen von unter 1.500 Euro, die ihr Kind bei schulischen Aufgaben nicht unterstützen, führen dies auf ihre fehlenden Möglichkeiten zurück. Von den Eltern mit hohem Haushaltseinkommen sehen sich hingegen lediglich fünf Prozent nicht in der Lage zu helfen.

Während die Schulen beim Thema Gerechtigkeit in der Gesamtbevölkerung besser abschneiden als bei den Eltern, verhält es sich bei der Leistungsfähigkeit von Schulen umgekehrt: Die Gesamtbevölkerung vergibt hierfür im Schnitt eine befriedigende Note, von den Eltern gibt es hingegen eine knappe zwei (2,4). Allerdings variiert auch hier die Einschätzung je nach Schultyp. Die Eltern von Haupt- und Realschülern bewerten die Leistungsfähigkeit der Schulen mit 2,6, die Eltern von Grundschülern hingegen mit 2,3. Beurteilt wurden die Qualität der Schulen insgesamt sowie die Vermittlung von Wissen, selbstständigem Lernen, Entfaltung der Persönlichkeit und sozialem Handeln.

„Unser Schulsystem muss nicht nur besser, sondern auch gerechter werden“, bewertet Dr. Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, die Ergebnisse der Umfrage. Als Grund für die fehlende Chancengerechtigkeit nennt er die geringe individuelle Förderung der Kinder in den Schulen: „Es darf nicht sein, dass Eltern ihre Kinder bei schulischen Aufgaben unterstützen müssen oder Unterstützung in Form von Nachhilfe kaufen, aber nur Eltern mit höherem Einkommen und Bildungsstand sich diese Unterstützung leisten können.“ Die Befragten hätten deutlich unterstrichen, wie wichtig in Deutschland das Recht eines jeden Kindes auf bestmögliche Förderung seiner Begabungen sei. „Die individuelle Förderung ist die wichtigste Aufgabe des öffentlichen Schulsystems und ich hoffe, dass sich die Politik dieser Verantwortung auch in schwierigen Zeiten stellt“, so Dräger.

Um den Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und Herkunft und die Entwicklung der Bildungschancen in Deutschland transparent zu machen, hat die Bertelsmann Stiftung eine Zusammenar¬beit mit Professor Wilfried Bos und dem Institut für Schulentwicklung der TU Dortmund vereinbart. Die beiden Kooperationspartner wollen ab 2011 jährlich einen „Chancenspiegel“ herausgeben, der auch mögliche Unterschiede bei den Bundesländern benennt (http://www.chancen-spiegeln.de).

Zur Befragung:
Die Umfrage wurde durch das Institut Infratest dimap durchgeführt. Die repräsentative Befragung berücksichtigte 1.400 Personen, darunter 650 Eltern von Schulkindern, die vertiefend befragt wurden. Die Grundgesamtheit bildete die deutschsprachige Bevölkerung ab 18 Jahren bzw. die Eltern von Schulkindern in Deutschland. Die Teilnehmer wurden durch eine repräsentative Zufallsauswahl (Randomstichprobe) ausgewählt und vom 10. bis 21. März 2010 per computergestützten Telefoninterviews (CATI) befragt.

Rückfragen an: Carina Schnirch, Telefon: 0 52 41 / 81-81456; E-Mail: carina.schnirch@bertelsmann-stiftung.de

Ute Friedrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de
http://www.chancen-spiegeln.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten