Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elektrofahrzeuge vor allem für Carsharing und gewerbliche Flotten interessant

04.04.2016

Welche Aspekte sind entscheidend für die weitere Verbreitung von Elektrofahrzeugen? Und für wen sind sie – ob als eigenes Auto oder in einem Sharing-Angebot – besonders attraktiv? Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI ist diesen Fragen im Rahmen der Begleitforschung zu den „Modellregionen Elektromobilität“ nachgegangen. Die Ergebnisse zeigen: Kurzfristig sind für Carsharing vor allem jüngere Paare und Familien eine vielversprechende Zielgruppe. Für den Kauf von Elektrofahrzeugen sind Privathaushalte hingegen erst mittelfristig relevant, hier sind kurzfristig gewerbliche Flotten wichtiger.

Für die kürzlich erschienene Broschüre „Elektromobile Sharing-Angebote: Wer nutzt sie und wie werden sie bewertet?“ hat das Fraunhofer ISI 947 Menschen befragt, die elektromobile Sharing-Angebote nutzen.

Die Ergebnisse zeigen, dass sie eine relativ homogene Gruppe bilden: Häufig sind es Männer jüngerer Altersgruppen (Durchschnittsalter 39 Jahre) mit hoher Bildung. Sie sind meist erwerbstätig und leben in kleineren Haushalten – teilweise mit Kindern – in zentralen Wohnlagen. Die Mehrheit hat keinen eigenen Pkw und ist im Alltag relativ multimodal unterwegs, nutzt also viele verschiedene Verkehrsmittel.

Da viele Nutzerinnen und Nutzer von E-Carsharing bereits Erfahrung mit herkömmlichen Sharing-Systemen haben, sind sie keine völlig neue Klientel. Elektrofahrzeuge in Sharing-Angeboten ziehen also kaum zusätzliche Kundengruppen an, eignen sich aber dazu, vor allem jüngere Menschen, die noch kein Auto benötigen oder es sich noch nicht leisten können, an Elektromobilität heranzuführen.

E-Carsharing auf Menschen zwischen 30 und 40 zuschneiden

Laut den Analysen des Fraunhofer ISI gibt es zwei wichtige Zielgruppen für elektromobiles Carsharing: Zum einen Menschen unter 40 Jahren, die kein eigenes Auto besitzen und sehr multimodal und E-Sharing-affin sind, zum zweiten etwas ältere Paare und junge Familien mit Auto im Haushalt, die einen mittleren Grad an Multimodalität sowie eine mittlere Affinität für E-Sharing zeigen.

Deshalb empfiehlt das Forschungsteam, E-Carsharing-Angebote auf die Bedürfnisse von jüngeren bis mittelalten Personen zwischen 30 und 40 Jahren in Paar- oder Familienhaushalten zuzuschneiden, die die Sharing-Systeme entweder als Ersatz oder als Ergänzung zum eigenen Pkw nutzen. Projektmitarbeiterin Uta Schneider vom Fraunhofer ISI ergänzt:

„Die sharing-affinen und multimodalen Personen sind höchstwahrscheinlich auch geübt im Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien und sind deshalb eine geeignete Zielgruppe für integrierte Mobilitätsangebote, die beispielsweise Elektrofahrzeuge mit dem ÖPNV kombinieren.“

Im Hinblick auf die Bewertung der elektrischen Fahrzeuge sind die meisten befragten Nutzerinnen und Nutzer von den Elektrofahrzeugen begeistert, bewerten sie als umweltfreundlich und nützlich im Alltag und kommen mit ihnen gut zurecht. Nicht ganz so zufrieden zeigen sie sich mit der Reichweite und den als zu hoch empfundenen Kosten. Zudem finden sie, dass die Verfügbarkeit von Elektrofahrzeugen in den Sharing-Flotten erhöht werden sollte.

Diese Bewertungen decken sich im Wesentlichen mit denen, die 2015 in der Broschüre „Elektromobilität in Haushalten und Flotten: Was beeinflusst die Kauf- und Nutzungsbereitschaft?“ veröffentlicht wurden: Hierfür befragte das Projektteam vom Fraunhofer ISI 500 private und gewerbliche Nutzerinnen und Nutzer von Elektrofahrzeugen.

In gewerblichen Flotten größere Akzeptanz als in Privathaushalten

Dabei zeigte sich, dass bei Privatpersonen die Bereitschaft, ein konventionelles Fahrzeug durch ein Elektrofahrzeug zu ersetzen, relativ niedrig ausgeprägt ist. Deutlich höher ist die Akzeptanz in gewerblichen Flotten. Das liegt unter anderem daran, dass hier oft konventionelle Ersatzfahrzeuge für die Fahrten zur Verfügung stehen, die die Möglichkeiten der Elektrofahrzeuge übersteigen. So werden Ladedauer und Transportkapazität von gewerblichen Nutzerinnen und Nutzern zwar ähnlich verhalten bewertet wie von Privatpersonen, dies wirkt sich jedoch nicht negativ auf ihre Akzeptanz aus.

Projektleiterin Dr. Elisabeth Dütschke vom Fraunhofer ISI rät: „Es wäre sinnvoll, Elektrofahrzeuge vor allem im E-Carsharing und in gewerblichen Flotten stärker zu fördern. In diesen Bereichen kommen verstärkt jüngere Menschen, die eher keine Neuwagen kaufen, mit dieser Technologie in Kontakt. So lernen sie frühzeitig Elektrofahrzeuge kennen und ziehen bei positiven Erfahrungen eher den Kauf eines Elektrofahrzeugs in Erwägung, wenn sich ein Bedarf entwickelt. Langfristig wird so ein Mentalitätswandel in Sachen Mobilität unterstützt.“

Die Broschüren „Elektromobile Sharing-Angebote: Wer nutzt sie und wie werden sie bewertet?“ und „Elektromobilität in Haushalten und Flotten: Was beeinflusst die Kauf- und Nutzungsbereitschaft?“ können unter https://www.now-gmbh.de/de/service/publikationen heruntergeladen werden.

Über die „Modellregionen Elektromobilität“
Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) fördert die „Modellregionen Elektromobilität“ seit 2009. In mehreren Städten und Regionen werden Flotten und Ladeinfrastrukturen aufgebaut, Geschäftsmodelle entwickelt und Akteure vernetzt. Zudem kooperieren die Projektpartner bei den inhaltlichen Fragestellungen und werten Daten und Projektergebnisse im Rahmen einer wissenschaftlichen Begleitforschung aus. Diese Begleitforschung wird von der Nationalen Organisation Wasserstoff und Brennstoffzellentechnologie GmbH (NOW) geleitet. Weitere Informationen gibt es unter http://www.isi.fraunhofer.de/isi-de/e/projekte/315656_Modellregionen_De2014.php sowie auf https://www.now-gmbh.de/de/modellregionen-elektromobilitaet/foerderprogramm-mode....

Kontakt:
Anne-Catherine Jung MA
Telefon: +49 721 6809-100
E-Mail: presse@isi.fraunhofer.de

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

Anne-Catherine Jung | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher ahmen molekulares Gedränge nach

Enzyme verhalten sich im geräumigen Reagenzglas anders als im molekularen Gedränge einer lebenden Zelle. Chemiker der Universität Basel konnten diese engen Bedingungen nun erstmals in künstlichen Vesikeln naturgetreu simulieren. Die Erkenntnisse helfen der Weiterentwicklung von Nanoreaktoren und künstlichen Organellen, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Small».

Enzyme verhalten sich im geräumigen Reagenzglas anders als im molekularen Gedränge einer lebenden Zelle. Chemiker der Universität Basel konnten diese engen...

Im Focus: Researchers Imitate Molecular Crowding in Cells

Enzymes behave differently in a test tube compared with the molecular scrum of a living cell. Chemists from the University of Basel have now been able to simulate these confined natural conditions in artificial vesicles for the first time. As reported in the academic journal Small, the results are offering better insight into the development of nanoreactors and artificial organelles.

Enzymes behave differently in a test tube compared with the molecular scrum of a living cell. Chemists from the University of Basel have now been able to...

Im Focus: Mit Künstlicher Intelligenz das Gehirn verstehen

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas über den Schaltplan des Gehirns bekannt.

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas...

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ – deutschlandweit größte Fachkonferenz 5.-8. März in Würzburg

01.03.2017 | Veranstaltungen

Nebennierentumoren: Radioaktiv markierte Substanzen vermeiden unnötige Operationen

28.02.2017 | Veranstaltungen

350 Onlineforscher_innen treffen sich zur Fachkonferenz General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ – deutschlandweit größte Fachkonferenz 5.-8. März in Würzburg

01.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CeBIT 2017: Automatisiertes Fahren: Sicheres Navigieren im Baustellenbereich

01.03.2017 | CeBIT 2017

Hybrid-Speicher mit Marktpotenzial: Batterie-Produktion goes Industrie 4.0

01.03.2017 | Energie und Elektrotechnik