Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einwanderung erzeugt keine höhere Arbeitslosigkeit: Neue Studie zu 24 OECD-Staaten

18.11.2011
"Einwanderung steigert die Arbeitslosigkeit" – diese in der Öffentlichkeit und bei Politikern verbreitete Einschätzung geht fehl.

Zu diesem Ergebnis kommen Prof. Dr. Mario Larch, Lehrstuhl für Empirische Wirtschaftsforschung an der Universität Bayreuth, und sein Mitarbeiter Benedikt Heid in einer Studie, die kürzlich als E-Journal-"Economics"-Arbeitspapier erschienen ist.

Die beiden Autoren haben Daten aus 24 OECD-Staaten, die sich auf deren ökonomische Entwicklung von 1997 bis 2007 beziehen, systematisch ausgewertet. Das Resultat ihrer Berechnungen: Wenn Länder ihre Arbeitsmärkte für Migranten öffnen, ist dies keine Ursache für höhere Arbeitslosenraten.

Die Studie widmet sich der Frage, in welcher Weise Migranten den Arbeitsmarkt in dem jeweiligen Land beeinflussen, in dem sie erwerbstätig werden. Sie differenziert dabei nicht zwischen den fachlichen Qualifikationen der Zuwanderer und ebensowenig zwischen verschiedenen Wirtschaftszweigen.

Denn im Kern geht es um die Frage, wie Einwanderung den Arbeitsmarkt im Durchschnitt beeinflusst. "Als die Europäische Union im Jahr 2004 um zehn neue Mitgliedsländer erweitert wurde, haben insbesondere die Regierungen Deutschlands und Österreichs argumentiert, ein ungehinderter Zustrom von Arbeitsmigranten würde die durchschnittliche Arbeitslosenrate in ihren Ländern nachteilig beeinflussen", erläutert Professor Larch. "Nicht zuletzt im Hinblick auf diese – auch in den Medien verbreiteten – Befürchtungen haben wir uns darauf konzentriert, branchenübergreifend herauszuarbeiten, wie Einwanderung und Arbeitslosigkeit in den 24 ausgewählten OECD-Staaten miteinander zusammenhängen." Bei diesen Staaten handelt es sich um die USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Japan sowie 19 europäische Länder, die mit Ausnahme der Schweiz alle der EU angehören.

Die beiden Autoren wollen mit ihrer Studie eine Lücke in der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung schließen. Denn bisherige Untersuchungen haben zwar den Einfluss internationaler Handelsbeziehungen auf den Arbeitsmarkt analysiert, den Faktor Einwanderung dabei aber ausgeblendet. "In den Wirtschaftswissenschaften ist man sich heute darüber einig, dass der offene Austausch von Gütern die Arbeitslosenrate in den beteiligten Ländern eher sinken als steigen lässt", erklärt Benedikt Heid. "Zugleich hat sich herausgestellt, dass der Import von Gütern häufig mit der Zuwanderung von Arbeitskräften einhergeht. Deshalb lag es nahe, aus der Perspektive internationaler Handelsbeziehungen der Frage nachzugehen, ob Migration die vorteilhaften Auswirkungen des offenen Güteraustausches verstärkt. Diese Vermutung wird von unseren Berechnungen gestützt."

Die Studie schließt daher mit der Überlegung, dass die Regierungen Deutschlands und Österreichs ihren nationalen Interessen zuwider gehandelt haben könnten, als sie – nach der EU-Erweiterung im Jahre 2004 – die Zuwanderung aus den mittel- und osteuropäischen EU-Staaten so lange wie gesetzlich möglich beschränkt haben. Als einzige "alte" EU-Staaten haben Deutschland und Österreich erst im Mai 2011 ihre Arbeitsmärkte ohne Einschränkungen für Zuwanderer aus den neuen Mitgliedsstaaten geöffnet. Die Europäische Kommission hat diese Verzögerung genehmigt. Doch dabei ist sie aus der Sicht der beiden Autoren zu voreilig der Argumentation gefolgt, ein früherer Zeitpunkt würde die Arbeitsmärkte in beiden Ländern auf schwerwiegende Weise beeinträchtigen.

Veröffentlichung:

Mario Larch und Benedikt Heid, Migration, Trade and Unemployment,
in: Economics, Discussion Paper, No. 2011-45, November 2, 2011
Zum Download unter:
http://www.economics-ejournal.org/economics/discussionpapers/2011-45
Ansprechpartner für weitere Informationen:
Prof. Dr. Mario Larch
Lehrstuhl für Empirische Wirtschaftsforschung
Universität Bayreuth
D-95440 Bayreuth
Telefon: +49 (0)921 55-6240 und -6241
E-Mail: mario.larch@uni-bayreuth.de

Christian Wißler | Universität Bayreuth
Weitere Informationen:
http://www.uni-bayreuth.de
http://www.economics-ejournal.org/economics/discussionpapers/2011-45

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise