Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einschätzung zum Zensus 2011: Lage auf Wohnungsmärkten in Baden-Württemberg weiter angespannt

13.06.2013
Die Ergebnisse des Zensus 2011 waren überraschend: In Deutschland leben weniger Menschen als bisher angenommen, die Zahl der Wohnungen hingegen ist höher als gedacht. Die Lage auf den Wohnungsmärkten in Baden-Württemberg entspannt sich dennoch nicht. Dies ergibt eine aktuelle Einschätzung des Leibniz-Institutes für ökologische Raumentwicklung (IÖR) für die Arbeitsgemeinschaft Baden-Württembergischer Bausparkassen (ARGE).

Im September 2011 hatte das IÖR im Auftrag der ARGE untersucht, wie hoch das Nachfragepotenzial nach Wohnungsneubau in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2030 ist. Die Ergebnisse der damaligen Studie müssen nun neu bewertet werden. Die Bevölkerungs-, Gebäude- und Wohnungszählung (Zensus 2011) ergab:


Die Übersicht zum Wohnungsleerstand macht deutlich: In Baden-Württemberg bleibt der Wohnungsmarkt eng – vor allem in den Großstädten.
IÖR Dresden

In Deutschland lebten zum Stichtag 9. Mai 2011 rund 80,2 Millionen Menschen und damit 1,5 Millionen weniger als angenommen. Größer, als es die amtlichen Fortschreibungen bisher vermuten ließen, ist dagegen die Zahl der Wohnungen in Deutschland. Die Statistiker zählten 500.000 Wohnungen mehr als erwartet. Für Baden-Württemberg sind die Entwicklungen ähnlich: Knapp 300.000 Einwohner weniger, dafür 50.000 Wohnungen mehr.

„Auf den ersten Blick lassen diese Ergebnisse vermuten, dass sich der Wohnungsmarkt wesentlich entspannter darstellen müsste als angenommen. Doch das ist keineswegs der Fall, denn nicht immer ist eine Wohnung auch dort vorhanden, wo sie gebraucht wird“, erläutert Professor Bernhard Müller, Direktor des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung.
Die aktuelle Einschätzung des IÖR ergibt: Die Situation in Baden-Württemberg muss differenziert betrachtet werden. „Entscheidend für den Wohnraumbedarf ist nicht die Zahl der Einwohner, sondern die Zahl privater Haushalte“, erklärt Bernhard Müller. Diese wird durch die Zunahme von Single-Haushalten voraussichtlich weiter steigen, vermuten die Wissenschaftler. Die entsprechenden Ergebnisse des Zensus 2011 werden allerdings erst Anfang 2014 vorliegen.

Zudem verzeichne Baden-Württemberg in jüngster Zeit steigende Zuwanderungsraten. Als eine Ursache nennen die Wissenschaftler die Wirtschaftskrise in Europa, die dazu führt, dass viele Menschen vor allem aus den südeuropäischen Ländern nach Deutschland kommen.

Ein weiterer wichtiger Parameter sind die individuellen Wohnwünsche. „Nicht jede Wohnung, die auf dem Markt ist, findet auch einen Mieter oder Käufer“, so Müller. Zudem steige in Zeiten der Finanzkrise der Wunsch nach Wohneigentum, der natürlich den individuellen Wünschen entsprechen soll. Auch dadurch wächst das Nachfragepotenzial.

Insgesamt ergibt sich für Baden-Württemberg eine Leerstandsquote von vier Prozent. In Städten wie Karlsruhe, Freiburg im Breisgau oder auch Stuttgart liegt sie zum Teil noch deutlich darunter. Auch dies ist ein Zeichen dafür, dass sich die Situation am Wohnungsmarkt keineswegs entspannt. Um die Funktionstüchtigkeit von Wohnungsmärkten zu gewährleisten, ist ein gewisser Prozentsatz „Fluktuationsreserve“ nötig.
„Zwar hat die Bautätigkeit in Baden-Württemberg in den vergangenen zwei Jahren deutlich angezogen. Der Nachfragedruck in den Großstädten und Universitätsstädten kann damit aber bei weitem noch nicht behoben werden“, erläutert Bernhard Müller. Insofern gilt es weiterhin, dem nach wie vor hohen Flächenverbrauch für Siedlungs- und Verkehrszwecke hohe Aufmerksamkeit zu widmen.

Ansprechpartner im Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung:
Prof. Dr. Dr. h.c. Bernhard Müller, Telefon: (0351) 46 79-211, E-Mail: B.Mueller@ioer.de

Holger Oertel, Telefon: (0351) 46 79-249, E-Mail: H.Oertel@ioer.de

Weitere Informationen:

http://www.arge-online.org/studien.html
- Pressemitteilung der ARGE sowie IÖR-Kurzstudie

Heike Hensel | idw
Weitere Informationen:
http://www.ioer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften