Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einblicke ins Schülerleben

23.02.2011
Langzeitstudie an der Universität Konstanz und PH Thurgau untersucht den Zusammenhang von Unterrichtsqualität und Emotionen

Ob Schüler während des Schulunterrichts Freude empfinden, sich ärgern, Angst haben oder sich langweilen, hat entscheidende Auswirkungen auf den Lernerfolg. Die Langzeitstudie „Struktur und Ursachen von Lern- und Leistungsemotionen: Längsschnittanalysen zu habituellen und situativen Emotionen im Unterricht“ der Arbeitsgruppe Erziehungswissenschaft/Empirische Bildungsforschung an der Universität Konstanz untersucht, welchen Einfluss die Unterrichtsqualität auf die Emotionen der Schülerinnen und Schüler im Unterricht hat.

Die Untersuchungsergebnisse sollen in der Lehrerausbildung und -fortbildung eingebracht werden. Prof. Dr. Thomas Götz leitet das Projekt zusammen mit Prof. Dr. Vinzenz Morger von der Pädagogischen Hochschule Thurgau (PHTG). Gefördert wird die über drei Jahre laufende Studie vom Schweizer Nationalfonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung (SNF) mit 258.000 Schweizer Franken.

Dass Thomas Götz als Forscher an einer deutschen Universität Schweizer Fördergelder erhält, liegt an dem wohl einmaligen Zuschnitt seiner Professur: Der Konstanzer Bildungsforscher hat eine so genannte Brückenprofessur inne, die sowohl an der Universität Konstanz angesiedelt ist als auch an der PH Thurgau im Schweizer Kreuzlingen. Die Langzeitstudie findet im Kanton Thurgau und anderen Kantonen der Ostschweiz statt. 800 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 bis 11 werden einerseits zu ihren Emotionen im Unterricht, andererseits zur Unterrichtsqualität befragt. Die Erhebung bezieht sich auf die Unterrichtsfächer Deutsch, Englisch, Französisch, Geschichte und Mathematik.

Der wissenschaftliche Schwerpunkt der Umfrage liegt auf 150 Schülerinnen und Schülern, die je mit einem so genannten Personal Digital Assistant (PDA) ausgestattet werden. Mithilfe des kleinen Taschencomputers werden ihnen während des Unterrichts Fragen vorgelegt, etwa wie stark sie individuell gerade Freude, Ärger, Angst, Langeweile usw. empfinden. Oder wie die Strukturiertheit des Unterrichts, der Enthusiasmus des Lehrers und die Kommunikation innerhalb der Klasse eingeschätzt werden. „Wir haben durch die Studie einen schönen Einblick ins wirkliche Leben und können sehen, wie sich die Schülerinnen und Schüler im Unterricht und in der Freizeit fühlen“, so Projektleiter Thomas Götz.

Der Fragebogen, den die restlichen 650 Schülerinnen und Schülern ausfüllen, weist zusätzliche Fragestellungen auf und soll auch geschlechterspezifische Unterschiede erheben. So ist aus der Gender-Forschung bekannt, dass Mädchen im Mathematik- und Physikunterricht mehr Angst empfinden als ihre männlichen Mitschüler, selbst wenn sie die gleichen Leistungen bringen. „Da wollen wir ebenfalls ansetzen: Woran liegt es, dass Mädchen in den Fächern mehr Angst zeigen, obwohl sie die gleichen Noten haben“, so der Bildungsforscher Götz.

Die 150 Schülerinnen und Schüler mit dem Taschencomputer werden in den fünf Fächern über die drei Jahre hinweg insgesamt rund 30mal pro Jahr angepiepst. „Wir versuchen herauszufinden, wie Lehrkräfte Einfluss auf das emotionale Erleben der Schülerinnen und Schüler nehmen“, fasst Thomas Götz das Ziel der Untersuchung zusammen. Die Langzeitstudie, die die einzelnen Schüler über drei Jahre begleitet, hat den Vorteil, auf individuelle Unterschiede einzugehen. „Wir müssen vom Gedanken wegkommen, dass eine spezifische Unterrichtsmethode bei allen Schülerinnen und Schülern dieselben Wirkungen auf die Emotionen hat. Das kann individuelle sehr verschieden sein“, so Götz weiter.

Thomas Götz ist seit 2007 Professor für Erziehungswissenschaft und Empirische Bildungsforschung an der Universität Konstanz und an der PH Thurgau. An beiden Einrichtungen ist er in der studentischen Ausbildung für das gymnasiale Lehramt zuständig. Seine Forschungsschwerpunkte sind Antezedenzien von Emotionen im Lern- und Leistungskontext, Domänenspezifität emotionalen Erlebens, Langeweile im Unterricht, Förderung selbstregulierten Lernens in der Sekundarstufe und Unterrichtsqualität.

Vinzenz Morger ist seit 2003 Professor für Lehrerausbildung an der PH Thurgau. Seit 2006 ist er Titularprofessor der Universität Zürich. Er ist als Mitglied des Kernteams Forschung an der PHTG zuständig für das Modul Wissenschaft und Forschung sowie die wissenschaftliche Beratung von Dozierenden. Seine Forschungsschwerpunkte sind Domänenspezifität emotionalen Erlebens in der Schule, Ausbildung kognitiver Fähigkeit bei Kindern, Sprachenlernen, Implizites Gedächtnis und Flexibilität konzeptionellen Wissens.

Kontakt:
Universität Konstanz
Kommunikation und Marketing
Telefon: 07531 / 88-3603
E-Mail: kum@uni-konstanz.de
Prof. Dr. Thomas Götz
Universität Konstanz
Erziehungswissenschaft und Empirische Bildungsforschung
Universitätsstraße 10
78464 Konstanz
Tel.: 07531 / 88-4144
E-Mail: thomas.goetz@uni-konstanz.de
Prof. Dr. Vinzenz Morger
Ressort Dozierendenforschung
E-Mail: vinzenz.morger@phtg.ch

Julia Wandt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-konstanz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik