Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Egalitär arbeiten – familienzentriert leben: Laut DJI-Studie kein Widerspruch für ostdeutsche Eltern

03.07.2012
Ostdeutsche Paare mit Kindern arbeiten beide häufiger Vollzeit als westdeutsche – unabhängig vom Alter der Kinder.
Obwohl mindestens jedes zweite Elternpaar in den östlichen Bundesländern dieses ausgewogene Erwerbsmodell praktiziert, empfinden sie dies nicht als besondere Belastung. Sie fühlen sich in ihrer Familie wohl und unternehmen in der freien Zeit mehr gemeinsam als westdeutsche Eltern, so das Ergebnis einer Studie des DJI-Surveys „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“, AID:A.

Die Erwerbsmuster von Paaren in Ost- und Westdeutschland, in deren Haushalt keine Kinder leben, unterscheiden sich dagegen kaum voneinander: Bei rund 60 Prozent der Paare sind Mann und Frau in gleichem Umfang erwerbstätig, während in 30 Prozent der Fälle der Mann Vollzeit und die Frau Teilzeit arbeitet. Nur bei etwa jedem zehnten kinderlosen Paar ist die Frau nicht erwerbstätig und der Mann der alleinige Ernährer.

Die AID:A-Daten belegen, dass ostdeutsche Eltern nicht nur insgesamt deutlich häufiger egalitäre Erwerbsarrangements (beide Teilzeit oder beide Vollzeit) praktizieren als westdeutsche, sondern dass sie auch bemüht sind, dieses Arrangement in den unterschiedlichen Phasen der Familienentwicklung durchzuhalten. In Westdeutschland sind das traditionelle Modell (Mann Vollzeit, Frau nicht erwerbstätig) und das semi-traditionelle (Mann Vollzeit, Frau Teilzeit) die am häufigsten praktizierten Varianten der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. So sinkt der Anteil der Paare, bei denen beide entweder Teilzeit oder Vollzeit arbeiten, nach der Geburt eines Kindes in Ostdeutschland nur auf 45 Prozent, während er in Westdeutschland auf 12 Prozent schrumpft. Hier ist das semi-traditionelle Modell mit 45 Prozent die vorherrschende Vereinbarkeitsvariante. Über ein Viertel der westdeutschen Paare kehrt sogar vollständig zur traditionellen Arbeitsteilung zurück.

Mit einem noch nicht schulpflichtigen Kind sind Hausfrauen und Teilzeit arbeitende Mütter in Westdeutschland etwa gleich stark vertreten, bei schulpflichtigen Kindern überwiegt die Teilzeitarbeit von Müttern. Diese Korrelation von Erwerbsarrangement mit dem Alter des jüngsten Kindes zeichnet sich für ostdeutsche Mütter nicht bzw. deutlich geringer ab. In Ostdeutschland dominiert die egalitäre Erwerbskonstellation in allen Altersstufen des jüngsten Kindes, gefolgt von der semi-traditionellen Variante. Eine Teilzeit-Tätigkeit entspricht in Ostdeutschland zudem nicht notwendigerweise dem gewünschten Erwerbsumfang, sondern ist häufig der Lage auf dem Arbeitsmarkt geschuldet.

Ebenso wie das Alter des jüngsten Kindes deutlich geringeren Einfluss auf die Erwerbsarrangements von ostdeutschen gegenüber westdeutschen Eltern hat, hat auch das Bildungsniveau deutlich geringeren Einfluss auf ihr Erwerbsverhalten. D.h. ostdeutsche Eltern jeden Bildungsniveaus bemühen sich, Beruf und Familie mit dem Partner egalitär zu vereinbaren. Westdeutsche Eltern orientieren sich hingegen noch deutlich stärker an der ganztägigen Anwesenheit der Mutter in der Familie, wenn Kinder unter sechs Jahren im Haushalt leben. Zwar erleichtert ein höherer Bildungsabschluss durch bessere materielle Bedingungen, moderne Einstellungen zum Mutterbild und zur Partnerschaft westdeutschen Müttern eine Erwerbsbeteiligung; diese findet jedoch auch bei Akademikerinnen überwiegend in Teilzeit und nicht in Vollzeit statt.
Obwohl in Ostdeutschland das egalitäre Erwerbsmodell mindestens von jedem zweiten Elternpaar praktiziert wird, scheint dies nicht als „Doppelbelastung“ empfunden zu werden. Diese Eltern verbringen ihre Freizeit häufiger gemeinsam mit der Familie und äußern sich insgesamt zufriedener als ihre westdeutschen Pendants.

Neben der Erwerbstätigkeit gibt es weitere Einflüsse auf das Wohlbefinden von Eltern: Mit fortschreitender Familienentwicklung gehen charakteristische Veränderungen in der subjektiven Sicht einher: Die Freude in der Familie nimmt ab, und Sorgen nehmen zu – jedoch für Mütter und Väter teils in unterschiedlicher Weise. In Einkindfamilien geht es freudvoller zu als in Familien mit mehreren Kindern.

Ab dem zweiten Kind nimmt bei Müttern die Freude an der Familie generell ab. Auch das Alter zeigt seine Wirkung: Mütter zwischen 45 und 55 Jahren haben deutlich weniger Freude in und an ihrer Familie als Mütter im Alter von 33 bis 44 Jahren. Für Väter lässt sich kein Alterseffekt nachweisen. Sowohl für Mütter als auch Väter reduziert sich die Freude an der Familie, sobald die Kinder ins schulpflichtige Alter kommen, und die Sorgen nehmen zu.

Andrea Macion | idw
Weitere Informationen:
http://www.dji.de/thema/1206

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact beteiligt sich an Berliner Start-up Unternehmen für Energiemanagement

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für industrielle Kommunikationstechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung