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Wer E-Mobilität bejaht, kauft sich noch lange kein Elektroauto

12.12.2011
Verkehrsplaner untersuchen, welche Erwartungen die Nutzer an einen mit Strom betriebenen Pkw haben

Um Elektromobilität in nachhaltige Verkehrskonzepte zu integrieren, bedarf es mehr, als die Technik immer weiter zu verbessern. Eine wichtige Komponente in dem vielfältigen Geflecht von Voraussetzungen und Bedingungen für den Erfolg der E-Mobilität ist der Nutzer.

Aus diesem Grunde wurde am Fachgebiet Integrierte Verkehrsplanung unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Christine Ahrend und Dr. Oliver Schwedes untersucht, welche Erwartungen Autofahrerinnen und Autofahrer an die Nutzung und Alltagstauglichkeit eines Elektroautos knüpfen.

„Wir haben in Berlin und Nordrhein-Westfalen gewerbliche Nutzerinnen und Nutzer befragt, die im Rahmen einer Pilotstudie vom Energiekonzern RWE ein Elektroauto zur Verfügung gestellt bekommen hatten“, sagt Christine Ahrend. Die stichprobenartige Befragung von 36 Personen, davon 31 Männer, ergab eine generell hohe Akzeptanz für das Elektroauto.

Die Nutzer zeigten sich verantwortungsbewusst gegenüber Umwelt, Klimawandel und fossilen Ressourcen. „Betrachtet man jedoch die Bereitschaft der Autofahrerinnen und -fahrer, auch das eigene Mobilitätsverhalten zu überdenken und zu ändern, ergibt sich ein sehr differenziertes Bild“, resümiert Oliver Schwedes.

Die TU-Analyse förderte zwei unterschiedliche Einstellungen gegenüber dem Elektroauto zu Tage. Bei der einen, die Wissenschaftler nannten sie die Innovationsperspektive, sind die Nutzerinnen und Nutzer bereit, durch Innovationen wie die Elektromobilität neue Mobilitätskonzepte zu befördern wie auch das eigene Mobilitätsverhalten zu ändern: Das Auto fungiert nicht mehr als einziges Verkehrsmittel, sondern ist eines unter vielen. Diese Nutzer ordnen Mobilität in größere gesellschaftliche Zusammenhänge ein wie Nachhaltigkeit und Ressourcenschutz, sind technikaffin und verstehen sich als Pioniere, technologischen Neuerungen zum Durchbruch zu verhelfen.

Nutzerinnen und Nutzer, die die sogenannte Substitutionsperspektive einnehmen, sehen im Elektroauto lediglich einen Ersatz für das Auto mit Verbrennungsmotor. Von daher stellen sie an das Elektroauto die gleichen Erwartungen wie an das konventionelle Auto. Das heißt, das Elektroauto muss uneingeschränkt verfügbar und flexibel sein und unbegrenzte Reichweiten gestatten. Diese Nutzer sind weder bereit, eventuelle Mobilitätseinschränkungen hinzunehmen, noch ihr Mobilitätsverhalten zu modifizieren, indem zum Beispiel auch andere Verkehrsmittel genutzt werden wie Bahn, Bus oder Fahrrad. Mobilität ist bei ihnen bislang ausschließlich auf das Auto fixiert.

„Die Auswertung unserer Befragung hat eindeutig gezeigt, dass die Substitutionsperspektive bei den Nutzerinnen und Nutzern bislang überwiegt“, so Oliver Schwedes. Die Mehrheit der befragten Autofahrer gibt dem Elektroauto – auch wenn E-Mobilität grundsätzlich bejaht wird – nur dann eine Chance, wenn sie ihr Verhalten nicht ändern muss. Aber auch die Minderheit, die die Innovationsperspektive einnimmt, verlangt konkrete verkehrspoltische Maßnahmen, um ihre Verhaltensänderung zu unterstützen. Für die weitere Förderung des Elektroautos ist diese Erkenntnis für die Politik von enormer Bedeutung.

Das Besondere der TU-Analyse ist, dass die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Gegensatz zu anderen Befragungen zwischen der grundsätzlichen Akzeptanz für die Technologie und der Bereitschaft, gegebenenfalls auch das eigene Mobilitätsverhalten zu ändern, unterschieden haben. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass aus der Akzeptanz noch längst nicht die Bereitschaft folgt, ein Elektroauto zu fahren. „Das eine zieht das andere nicht zwangsläufig nach sich“, sagt Christine Ahrend.

Die Befragung wurde im Rahmen des TU-Projektes „Analyse Nutzerverhalten und Raumplanung regionale Infrastruktur“ durchgeführt. Das Projekt ist Teil des Verbundvorhabens „IKT-basierte Integration der Elektromobilität in die Netzsysteme der Zukunft“ und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert.

Abschlussbericht des Projektes „Analyse Nutzerverhalten und Raumplanung regionale Infrastruktur“: www.tu-berlin.de/ivp/e-mobility

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern: Prof. Dr.-Ing. Christine Ahrend und Dr. Oliver Schwedes, Fachgebiet Integrierte Verkehrsplanung, Institut für Land- und Seeverkehr der TU Berlin, Salzufer 17-19, 10587 Berlin, Tel.: 030/314- 78767, E-Mail: christine.ahrend@tu-berlin.de, oliver.schwedes@tu-berlin.de

Stefanie Terp | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de

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