Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dünnere Menschen leben klimaschonender

20.04.2009
Großer Kalorienverbrauch sorgt für höhere Treibhausgasemissionen

Wenn man zum Lebensstil der 1970er-Jahre zurückkehrt, wäre das eine Lösung zur Reduktion der Treibhausgase, kommt eine britische Studie im International Journal of Epidemiology zum Schluss.

Bis zu 60 Megatonnen Treibhausgase könnten so eingespart werden. Die steigende Zahl an Fettleibigen und Übergewichtigen ist nämlich ein Grund dafür, dass der Energieverbrauch in den vergangenen 40 Jahren gewaltig gestiegen ist. In der Studie hatten die Forscher um Phil Edwards von der London School of Hygiene and Tropical Medicine ein Bevölkerungsmodell mit einem 3,5-Prozent-Anteil von Fettleibigen - dies entspricht den Zahlen von 1970 - mit einem 40-Prozent-Anteil - dies entspricht der Vorhersage von 2010 - verglichen.

"Wie stark die Auswirkungen des Lebensstils - vor allem der Ernährung - auf das Klima genau sind, läßt sich nur sehr schwer sagen", so der Wiener Klimaforscher Herbert Formayer von der Universität für Bodenkultur gegenüber pressetext. Fest stehe, dass sie massiv sind. Der steigende Bedarf von Fisch und Fleisch bedeute für die Erde nichts Gutes. "Die Effizienz bei Getreide oder anderen pflanzlichen Nahrungsmitteln ist wesentlich höher, da hier Solarenergie direkt umgewandelt wird", so Formayer. Es mache einen großen Unterschied ob man 3.000 Kalorien aus pflanzlicher oder tierischer Nahrung zu sich nimmt. "Gerade bei der Fleischproduktion ist der Aufwand sehr groß, da die Tiere mit Getreide ernährt werden. Dass der Energieaufwand bei der Fleischproduktion das Fünf- bis Zehnfache beträgt, ist vorstellbar", meint der Klimaforscher.

In Großbritannien ist die verbrauchte "Lebensmittelenergie" in den vergangenen 40 Jahren um 19 Prozent gestiegen. Das bedeutet, dass die dickere Bevölkerung um 19 Prozent mehr Nahrung zu sich nimmt, als die dünnere vor 40 Jahren. Edwards Team hat neben dem Mehraufwand für die zusätzliche Nahrung auch berechnet, dass damit die Treibhausgasemissionen zwischen 0,4 und einer Gigatonnen pro Milliarde Menschen höher liegen. Zwischen 1994 und 2004 ist der durchschnittliche Body-Mass-Index in England von 26 auf 27,3 angestiegen. Bei Frauen stieg er von 25,8 auf 26,9. Das entspricht einem Mehrgewicht von drei Kilogramm.

Zudem wird zu viel Energie verbraucht, um dicke Menschen zu transportieren. "Wenn man sich in einem schweren Körper bewegt, ist es, als würde man mit einem Spritfresser durch die Gegend fahren", so Edwards. Übergewicht sei ein Schlüsselfaktor im Kampf gegen den Klimawandel. "Wenn die Menschen wieder so aussehen wie in den 1970er Jahren, würde das dem Planeten wirklich helfen", kommt Alan Maryon-Davis, Präsident der Faculty of Public Health, zum Schluss. Damals sei es gang und gäbe gewesen, mehr Gemüse und weniger Fleisch am Teller zu haben und sich mehr zu bewegen. "Auf der Kalorientabelle werden nur die Kalorien gezählt, die wir verbrauchen, nicht aber diejenigen, die für eine vermehrte Fleischproduktion aufgewendet werden müssen", meint Formayer. Experten fürchten den Zeitpunkt, in dem die bevölkerungsreichen Länder Indien und China die gleichen Ernährungsgewohnheiten annehmen wie die Europäer und Nordamerikaner.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.lshtm.ac.uk
http://www.boku.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten