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Dünger im Nil sorgt für Fischreichtum

22.01.2009
Menschliches Zutun verändert Ökologie weitgehend

Düngemittel und Abwässer, die im Nil eingebracht werden, sorgen im angrenzenden Mittelmeer für Fischreichtum. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der University of Rhode Island im Wissenschaftsmagazin PNAS.

Nach den nun vorliegenden Erkenntnissen hat die massive Einbringung von Dünger zu einer dramatischen Zunahme an Fischen geführt. Mindestens 60 Prozent der Fischproduktion sind auf die Düngung zurückzuführen, meinen die Forscher.

"In den 1980er Jahren konnte man einen deutlichen Aufschwung der Küstenfischerei feststellen", berichten die Forscher. Heute ist die Ausbeute aus diesen Gewässern drei Mal höher als vor der Eröffnung des Assuan-Staudammes Mitte der 1960er-Jahre, der die Zahl der Ernten erhöhte und große Auswirkungen auf den Wasserhaushalt der Küstenregion hatte. Allein an der Verbesserung der Ausrüstung und der Methoden der Fischer könne die jetzige Fischreichtum nicht liegen, meinen die Wissenschaftler.

Untersuchungen der Bevölkerungsdichte zeichnen ein sehr interessantes Bild: Seit der Eröffnung des Assuan-Damms hat sich die Bevölkerung Ägyptens verdoppelt, der Kalorienverbrauch, der Fleischkonsum der Ägypter um mehr als ein Drittel erhöht. Die Menge der Düngemittel stieg um das Vierfache an.

"Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie Menschen ohne Intentionen die Ökosysteme verändern", schreibt Studienautor Autumn Oczkowski von der Rhode Island Graduate School of Oceanography. "Die Ägypter haben das Land gedüngt und mit dem Wasser das Meer gleich mit dazu." Untersuchungen an mehr als 600 Fischen in den Jahren 2006 und 2007 zeigten deutlich, dass die Tiere sich von Plankton und Algen ernährten. Das sei eine völlig neue Erkenntnis, denn bisher sei immer die Rede davon gewesen, wie sehr Nährstoffe das Ökosystem Meer schädigen.

"Beispiele dafür sind etwa die Chesapeake Bay und der Golf von Mexiko, die unter dem starken Nährstoffeintrag leiden und in denen sich so genannte Todeszonen gebildet haben", meint auch die Greenpeace-Meeresbiologin Antje Helms im pressetext-Interview. "Ungünstig wirken dazu auch fehlende Meeresströmungen, die den ganzen Meeresboden absticken." Fischreichtum sei auch nicht gleich Fischreichtum, bemerkt die Expertin. Man müsse genau untersuchen, welche Arten von Fischen sich hier stark vermehrt haben.

"In manchen Regionen sind Bestände von verschiedenen Fischarten extrem gestiegen und haben dadurch die ganze Nahrungskette durcheinander gebracht", meint Helms. Davon dass zu starker Nährstoffeintrag im Meer Schäden anrichtet, sei auszugehen. Ganz so unkritisch sehen die Forscher die Ergebnisse auch nicht. "Man muss erst sehen, wie lange der Fischreichtum anhält. Es gibt Hinweise darauf, dass der vermehrte Nährstoffeintrag bis zu einem gewissen Punkt das Fischwachstum stimuliert und dann die Fischerei aufgrund von schlechter Wasserqualität und Überfischung zu einem Ende kommt."

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.gso.uri.edu
http://www.greenpeace.at

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