Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Drogenkonsumenten im Straßenverkehr

05.09.2008
Kiffen für die Wissenschaft - so ließe sich ein Forschungsprojekt an der Universität Würzburg betiteln.

An der Studie des Interdisziplinären Zentrums für Verkehrswissenschaft haben inzwischen schon rund 170 Konsumenten von Cannabis und anderen Drogen teilgenommen.

Die Wissenschaftler befassen sich im Rahmen des europäischen Projekts Druid (Driving under the influence of drugs, alcohol and medicines) mit der Frage, wie häufig Verkehrsteilnehmer unter dem Einfluss von Drogen stehen. Derzeit suchen sie vor allem im Raum München nach weiteren Freiwilligen, die im Dienst der Verkehrssicherheit ihren Drogenkonsum und ihren Alltagsablauf protokollieren.

"Um sinnvoll über das Thema diskutieren zu können, ist es wichtig zu wissen, wie lange Drogen im Blut nachweisbar sind, wie häufig Fahrten unter dem Einfluss psychoaktiver Substanzen überhaupt vorkommen und ab wann die Leistung der Fahrer beeinträchtigt wird", sagt Martina Walter, die mit ihrer Kollegin Susanne Gsell und Professor Hans-Peter Krüger an dem Projekt arbeitet. Insgesamt machen bei Druid 30 Forschungsinstitute aus 19 europäischen Ländern mit; die Europäische Union fördert das Vorhaben. Aus den Ergebnissen sollen am Ende Empfehlungen für EU-weite verkehrsrechtliche Regelungen abgeleitet werden.

Fährt jemand, der Drogen konsumiert hat, danach auch Auto? Welche Menge hat er zuvor zu sich genommen? Wann nach dem Konsum fährt er und wie häufig? "Das sind die Fragen, die uns interessieren", so Martina Walter. "Dabei wollen wir weder mahnend den Zeigefinger heben noch den Konsum von Drogen verherrlichen." Vielmehr möchten die Würzburger herausfinden, ob Drogenkonsumenten in Sachen Verkehrsteilnahme verantwortungsbewusst sind - sprich, ob sie Konsum und Fahren trennen.

Für Alkohol gilt derzeit die 0,5-Promillegrenze. Für Drogen gibt es keine solche Grenze: Wenn jemand am Straßenverkehr teilnimmt und in seinem Blut Drogen nachweisbar sind, wird er bestraft - egal wie lange der Konsum zurückliegt und ohne dass irgendjemand sagen kann, ob die Leistung des Fahrers tatsächlich beeinträchtigt ist. "Für eine Diskussion um Grenzwerte im Verkehr sind fundierte Erkenntnisse notwendig. Dazu wollen wir mit unserer Studie beitragen", so die Würzburger Diplom-Psychologin.

Zielgruppe sind Autofahrer im Alter von 18 bis 39, die regelmäßig Drogen nehmen. Die Forscher geben den Studienteilnehmern vier Wochen lang einen Blackberry, also einen Kleincomputer. Auf dem ist ein Fragebogen programmiert, der täglich auszufüllen ist. Die Fragen beziehen sich auf die Tagesstruktur, vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Der Schwerpunkt liegt auf dem Konsum von Drogen und eigenen Kfz-Fahrten. "Der Teilnehmer kann den Fragebogen ausfüllen, wann und wo immer er mag und ihn uns über Mobilfunk zuschicken", erklärt Martina Walter. Als Anreiz für die Teilnahme bekommt jeder Proband 300 Euro.

Rechtliche Konsequenzen haben die Teilnehmer nicht zu befürchten: Die Staatsanwaltschaften Würzburg und München hätten schriftlich erklärt, dass sie nicht auf die Daten zugreifen werden - weder während noch nach der Erhebung. Als universitäre Einrichtung trete das Zentrum für Verkehrswissenschaften völlig unvoreingenommen an das Thema heran. Die Würzburger Forscherin: "Wir unterliegen der Schweigepflicht, dürfen also keine Angaben an Dritte weitergeben. Außerdem werden keine personenbezogenen Angaben gespeichert. Alle Angaben, die die Probanden machen, werden mit einem Code verschlüsselt gespeichert, so dass keine Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich sind. Im Vorfeld wurde genau festgelegt, wer Zugriff auf die Daten hat, was erhoben wird und wie die Daten gespeichert werden."

Weitere Informationen über die Studie im Internet unter http://www.doyoudrugdrive.de Kontakt zu den Wissenschaftlern: Diplom-Psychologin Martina Walter, T (0931) 31-2650, walter@psychologie.uni-wuerzburg.de oder Diplom-Psychologin Susanne Gesell, info@dydd.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.doyoudrugdrive.de
http://www.uni-wuerzburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie