Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jeder dritte 15-Jährige hat sich mehrmals in Rausch getrunken

27.02.2012
Bielefelder Forscherteam hat Gesundheitsverhalten von Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen untersucht

Eine neue Studie zeigt, dass in Nordrhein-Westfalen jeder dritte 15-jährige Junge und jedes vierte Mädchen in diesem Alter angibt, bereits mindestens zweimal betrunken gewesen zu sein. Für die Studie „Health Behaviour in School-aged Children“ (HBSC) ist eine Forschergruppe der Universität Bielefeld verantwortlich. Leiterin der Gruppe ist Professorin Dr. Petra Kolip von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften.

Für die fünfte Auflage der HBSC-Studie wurden Jugendliche in ganz Deutschland befragt. Die Erhebung wurde durch eine Repräsentativbefragung in Nordrhein-Westfalen (HBSC-NRW-Studie) ergänzt. Die HBSC-NRW-Studie 2009/10 zeigt, dass der Alkoholkonsum im Jugendalter nach wie vor verbreitet ist: 15 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 25 Prozent der Jungen geben an, mindestens einmal pro Woche ein alkoholisches Getränk zu konsumieren. Die beliebtesten Getränke sind Biermixgetränke und Bier, gefolgt von Alkopops (Gemisch von Spirituosen wie Wodka mit Limonade oder anderen süßen Getränken), während Wein und Sekt nur selten konsumiert werden.

Mit dem Alter steigen Alkoholkonsum und Rauscherfahrungen und es lassen sich Zusammenhänge zum familiären Wohlstand herstellen. Diese Zusammenhänge sind vor allem bei den Jungen ausgeprägt, bei den Mädchen finden sich leicht gegenläufige Tendenzen. „Interessanterweise ist der Alkoholkonsum in wohlhabenden Familien von Jungen deutlich häufiger und auch das rauschhafte Trinken tritt in diesen Familien häufiger auf“, sagt Professorin Dr. Petra Kolip, Koordinatorin der Studie. „Anders als das übliche Vorurteil, das riskanten Alkoholkonsum in sozial benachteiligten Familien verortet, zeigen unsere Daten, dass riskanter Konsum in allen Sozialschichten auftritt und in höheren Schichten zumindest bei Jungen ausgeprägter ist.“ Diese Ergebnisse werden Kolip zufolge durch andere Studien gestützt.

Die Studie belegt auch Geschlechtsunterschiede: Auch wenn der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen längst nicht mehr so ausgeprägt ist, konsumieren Jungen noch immer mehr und regelmäßiger Alkohol, und sie trinken auch häufiger bis zum Rausch. Ein Migrationshintergrund hingegen scheint vor regelmäßigem und riskantem Konsum zu schützen – nicht zuletzt, weil religiöse und kulturelle Regeln dem Alkoholkonsum oftmals entgegenstehen. Als Konsequenz aus den Ergebnissen folgert das Bielefelder Forschungsteam, dass Interventionsprogramme zum maßvollen Umgang mit Alkohol individuell ausgerichtet sein sollten und dass sie vor allem die Jungen in den Blick nehmen sollten. Darüber hinaus sind nach Ansicht der Forscher auch gesellschaftliche und politische Anstrengungen notwendig: Werbung sollte beschränkt und der Zugang zu alkoholischen Produkten erschwert werden.

Die Studie wurde koordiniert von dem Bielefelder WHO Collaborating Centre for Child and Adolescent Health Promotion (Kollaborationszentrum der Weltgesundheitsorganisation WHO zur Kinder- und Jugendgesundheitsförderung) unter Leitung von Professorin Dr. Petra Kolip von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld. Für die HBSC-NRW-Studie wurden 5.860 Schülerinnen und Schülern der 5., 7. und 9. Klasse an 108 allgemeinbildenden Schulen befragt. Grundlage war ein standardisierter Fragebogen, mit dem nicht nur das gesundheitsrelevante Verhalten erfragt wurde, sondern auch erfasst wurde, wie die Schülerinnen und Schüler selbst ihre Gesundheit, ihr Wohlbefinden und ihre Lebensqualität einschätzen. Erhoben wurden auch soziale Einflussfaktoren auf die Gesundheit und das Gesundheitsverhalten wie Schulklima, familiärer Wohlstand sowie die Beziehung zu Eltern und Freunden.

Die Ergebnisse der Studie sollen für die Gesundheitsförderung und Maßnahmen zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung genutzt werden. So wurden Faktenblätter für Eltern und Lehrer entwickelt, die auf der Homepage des deutschen HBSC-Teams abgerufen werden können: www.hbsc-germany.de/downloads. Die ersten Ausgaben widmen sich unter anderem den Themen Häufigkeit des Frühstückens, Körperbild und Diätverhalten, Sexualität und Verhütungsverhalten, Nutzung von Computer und Spielkonsole sowie sportliche Aktivität.

Das WHO Collaborating Centre in Bielefeld ist der Fakultät für Gesundheitswissenschaft der Universität Bielefeld angegliedert. Die Durchführung der HBSC-Studie gehört zu den Hauptaufgaben des Centres. Außerdem unterstützt das Centre unter anderem internationale Publikationen aus den HBSC-Ergebnissen, wie etwa den International Report zu den HBSC-Befragungen 2009/10, der im Mai 2012 erscheint.

Kontakt:
Prof. Dr. Petra Kolip, Universität Bielefeld
Fakultät für Gesundheitswissenschaften
Telefon: 0521 106-67273
E-Mail: petra.kolip@uni-bielefeld.de

Sandra Sieraad | idw
Weitere Informationen:
http://www.hbsc-germany.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Entzündung weckt Schläfer

29.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mittelstand 4.0-Kompetenz­zentrum Stuttgart gestartet

29.03.2017 | Wirtschaft Finanzen

Energieträger: Biogene Reststoffe effizienter nutzen

29.03.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz