Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DJI-Studie belegt anhaltend hohes Interesse an Jugendverbandsarbeit

14.04.2010
Integration von Migrantenjugendlichen noch wenig umgesetzt

Die Kinder- und Jugendarbeit leidet nicht nur unter teilweise drastischen Mittelkürzungen, sondern auch unter mangelnder Wertschätzung. Insbesondere die Jugendverbände gelten häufig als Auslaufmodell. Die Auswertungen der DJI-Jugendverbandserhebung zeigen jedoch ein anderes Bild: Die Gesamtzahl der Mitglieder in den befragten Jugendverbänden ist relativ konstant geblieben.

Insgesamt leidet die Kinder- und Jugendarbeit vielerorts sowohl unter mangelnder Anerkennung als auch unter zum Teil drastischen Mittelkürzungen. Dabei wird die Jugendarbeit neben Elternhaus und Schule mehr denn je als ergänzendes Setting des Aufwachsens gebraucht, um Jugendliche "von der Straße zu holen". Insbesondere die Jugendverbände gelten in vielen Diskussionen zur Jugendarbeit als Auslaufmodell.

Jugendliche hätten angeblich keine Lust mehr, sich an eine Wertegemeinschaft zu binden und verlässlich durch ihr bürgerschaftliches Engagement zum Erhalt der verbandlichen Strukturen beizutragen. Eine aktuelle DJI-Studie findet für diese These jedoch keine Belege. Die Analysen des Deutschen Jugendinstituts und des Forschungsverbunds DJI/TU Dortmund ergänzen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe seit Langem die empirischen Daten der amtlichen Statistik.

Dr. Mike Seckinger, Leiter des DJI-Projektteams "Jugendhilfe und sozialer Wandel", sieht auch in der jüngsten der seit Jahren regelmäßig durchgeführten DJI-Jugendverbandserhebungen keine Hinweise auf eine generell zurückgehende Nachfrage seitens der Jugendlichen. Vielmehr sei die Kürzung der bereitgestellten Mittel - zumindest in bestimmten Regionen - ein ernsthaftes Problem für die Jugendarbeit. Gerade hat z.B. der Freistaat Sachsen einschneidende Kürzungen beschlossen, obwohl es nach dem Achten Sozialgesetzbuch eine Pflichtaufgabe des Staates ist, die Jugendarbeit und Jugendverbandsarbeit zu sichern, wie auch Daniel Grein (Geschäftsführer Deutscher Bundesjugendring) gegenüber DJI Online betont.

Der Finanzdruck führt in vielen Kommunen u.a. dazu, dass die Wirksamkeit der eingesetzten Mittel stärker als bisher überprüft wird. "Das Thema Wirkungsforschung/Evaluation in der Jugendarbeit wird uns in Zukunft noch stärker beschäftigen als bislang", meint Dr. Reinhard Liebig vom Forschungsverbund DJI/TU Dortmund im DJI Online Gespräch. Er sieht im Nachweis von Effekten - wie dem Kompetenzerwerb durch ehrenamtliche Tätigkeiten - eine Chance für die Jugend(verbands)arbeit, ihre Bildungspotenziale aufzuzeigen und ihre Attraktivität zu steigern.

Viele Jugendverbände haben ihre Aktivitäten um Angebote an Schulen erweitert und sind damit ein wichtiger Partner für den Ausbau der Nachmittagsbetreuung von Schulkindern geworden. Etwa zwei von fünf Jugendverbänden (40%) verfügen über Angebote an Schulen. In Ostdeutschland ist dies signifikant häufiger der Fall (52% gegenüber 34%). Diese Organisationen sind aber nur noch selten in übergeordnete Verbandsstrukturen eingebunden.

Die Kooperation mit den Schulen hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Ein Teil der befragten Jugendverbände profitiert von der Zusammenarbeit mit Schulen. Sie erreichen neue Zielgruppen und können Kinder und Jugendliche auch für Angebote außerhalb der Schule interessieren. Ein anderer Teil muss erhebliche Anpassungsleistungen an die Schule erbringen und Ressourcen aus anderen Bereichen abziehen, um die Angebote an Schulen überhaupt durchführen zu können. Dies hat wiederum negative Auswirkungen auf das eigentliche Angebot der Jugendverbände und bedroht sie in ihrem Selbstverständnis.

Neben den bildungsorientierten Angeboten stehen die "traditionellen" Aktivitäten wie Fahrten, Freizeiten und Gruppenarbeit mit über 80 Prozent nach wie vor im Vordergrund der verbandlichen Jugendarbeit. Hierzu gehören auch die Ferienprogramme vieler Verbände, mit denen einerseits berufstätige Eltern entlastet und andererseits Jugendliche erreicht werden, die bisher nicht an verbandlichen Aktivitäten teilgenommen haben. Obwohl die Nutzung von Mobiltelefon und Internet für den Großteil der Jugendlichen heute zum Alltag gehört, ist der Anteil von Jugendverbänden, die medienpädagogische Angebote bereitstellen, mit 16 Prozent als sehr gering einzustufen. Die Nutzung neuer Kommunikationsformen sowie der Umgang mit der Informationsflut und das Thema Jugendschutz könnten noch stärker thematisiert werden, so die DJI-Studie.

Die Jugendverbände repräsentieren nach wie vor ein sehr breites Spektrum an Weltanschauungen und Überzeugungen, sind aber noch weit davon entfernt ein Spiegel der Migrationsgesellschaft zu sein. Im Bereich interkultureller Öffnung der Jugendverbände gibt es trotz programmatischer Aussagen noch wenig Fortschritte. Obwohl etliche Verbände mit ihren Angeboten in den vergangenen Jahren mehr Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund gegenüber früher erreicht haben, sind Jugendliche mit Migrationserfahrung in den etablierten Jugendverbänden in der Regel unterrepräsentiert. Dies gilt vor allem für die ehrenamtlich und hauptamtlich Aktiven. Dr. Mike Seckinger (DJI) warnt jedoch vor einer "von oben verordneten" Öffnung für sozial benachteiligte Jugendliche oder Jugendliche mit Migrationshintergrund in Verbindung mit einem Integrationsauftrag. Dies würde den wichtigsten Strukturprinzipien der Jugendverbandsarbeit - der Freiwilligkeit und Selbstorganisation - widersprechen: "Die besondere Leistung von Jugendverbänden besteht darin, dass sie Jugendlichen die Möglichkeiten zur Selbsterprobung und zur Verantwortungsübernahme eröffnen. Dies geht nicht, wenn andere bereits genau definiert haben, wie und mit welchem Ergebnis dies stattfinden soll." Auf der anderen Seite wäre es sicher hilfreich, wenn die Jugendringe vor Ort aktiv um die sogenannten Migranten-Selbstorganisationen als neue Mitglieder werben würden.

Andrea Macion | idw
Weitere Informationen:
http://www.dji.de/thema/1004
http://www.dji.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neuer Blue e+ Chiller von Rittal - Exakt regeln und effizient kühlen

25.04.2017 | HANNOVER MESSE

RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Kräftiger Anstieg setzt sich fort

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen

Pharmacoscopy: Mikroskopie der nächsten Generation

25.04.2017 | Medizintechnik