Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Difu-Studie: Öffentliche Serviceangebote müssen zukunftsfähig gemacht werden

14.08.2009
Neue Difu-Studie zeigt Möglichkeiten zur Verbesserung der Dienstleistungsqualität in Kommunen

Städte und Gemeinden müssen verstärkt auf den demographischen, technologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel sowie auf die rasante und teilweise dramatische Veränderung der finanziellen Rahmenbedingungen reagieren. Dies betrifft nicht zuletzt auch die für Bürger und Wirtschaft erbrachten Dienstleistungen, die an künftige Anforderungen angepasst sein müssen.

Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) zeigt auf, wie Stadtverwaltungen angesichts dieser Veränderungen aufgestellt sein sollten und welche konkreten Schritte dazu bereits heute eingeleitet werden müssen.

Die Difu-Wissenschaftler haben gemeinsam mit Vertretern der Berliner Senats- und Bezirksverwaltungen einen neuen methodischen Weg zur Strukturierung öffentlicher Serviceangebote beschritten: Danach wird nicht mehr wie bisher üblich nach Politikfeldern oder Verwaltungsbereichen unterschieden, sondern sämtliche Serviceleistungen der Verwaltung sowie der öffentlichen Unternehmen werden zu bestimmten Servicetypen zusammengefasst. Der große Vorteil daran ist, dass man nicht mehr alle 1 400 nach außen gerichteten Leistungsangebote einzeln hinsichtlich ihres Anpassungsbedarfs untersuchen muss, sondern notwendige Veränderungsprozesse am Beispiel von nur rund 20 unterschiedlichen Serviceleistungstypen analysieren kann (z.B. bürgerbezogene Förderung, Überwachung unternehmerischer Aktivitäten, amtliche Dokumente und Register) - und dies unabhängig davon, in welchem Fachressort (z.B. Soziales, Bildung, Verkehr oder Wirtschaft) die Dienstleistung erbracht wird.

Da viele Aussagen der Studie unabhängig von den speziellen Berliner Ausgangsbedingungen sind, können sie auch auf andere Kommunen übertragen werden. Die Studie enthält eine Anleitung, wie sich die Schlussfolgerungen in konkretes Handeln in den Kommunen umwandeln lässt.

Auch andere Städte praktizieren bereits eine Vielzahl innovativer Vorgehensweisen - im Zuge der Verwaltungsmodernisierung, der verstärkten Bürgerbeteiligung, der Integration gesellschaftlicher Gruppen oder in modernen Bürgerbüros und Wirtschaftsförderungsagenturen. Oft handelt es sich hierbei jedoch um Insellösungen. Über die Bündelung und konsequente Nutzung zahlreicher im Zuge der Verwaltungsmodernisierung entwickelter innovativer Verfahren und Modelle bestünde die Chance, neue Potenziale für zukunftsfähiges Verwaltungshandeln zu erschließen. Zudem werden die aus der Finanz- und Wirtschaftskrise resultierenden Haushaltsengpässe klare politische Prioritätensetzungen notwendig machen.

Die Entwicklung eines "Strategischen E-Government" in Berlin - d.h. eines mittel- bis langfristig bindenden Orientierungsrahmens für den IT-Einsatz zum Nutzen von Bürgern und Wirtschaft - trifft aufgrund der schon bestehenden vielfältigen E-Government-Lösungen auf besonders gute Voraussetzungen. Angesichts der großen Bedeutung des technologischen Wandels für die Entwicklung zukunftsfähiger Serviceangebote ist strategisch ausgerichtetes E-Government auch für andere Städte eine unumgängliche Notwendigkeit.

Die sich wandelnden gesellschaftlichen, demographischen und ökonomischen Rahmenbedingungen machen es erforderlich, dass Verwaltungen und andere öffentliche Serviceanbieter künftig im Sinne einer "aufsuchenden Stadt" stärker als bisher auf Bürger und Unternehmen zugehen. Dazu sind Aktivitäten auszubauen und zu entwickeln, bei denen nicht mehr der Adressat die Verwaltung, sondern die Verwaltung den Adressaten aufsucht.

Ein wichtiges Handlungsfeld - und zugleich auch Standortfaktor - ist die Förderung des guten Zusammenlebens von Menschen mit unterschiedlicher Herkunft oder unterschiedlichen gesellschaftlichen bzw. sozialen Voraussetzungen. Daher ist für die erfolgreiche Anpassung der Serviceangebote besonders auf eine gelungene soziale Integration sowie auf eine stärkere gesellschaftliche und soziale Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen zu achten. Auch die Verwaltungen selbst müssen sich interkulturell weiter öffnen. Dies bedeutet vor allem, dass der Modernisierungsprozess nicht nur von den Arbeitnehmern eine hohe individuelle Veränderungsbereitschaft verlangt, auch die Dienstherren und Arbeitgeber müssen sich künftig intensiver als bisher mit den neuen Rahmenbedingungen auseinandersetzen.

Weitere Informationen:
Dr. Busso Grabow, Tel: 030/39001-248, E-Mail: grabow@difu.de
Dipl.-Volkswirt Rüdiger Knipp, Tel: 030/39001-242, E-Mail: knipp@difu.de
Dipl.-Kfm. (FH) Stefan Schneider, Tel: 030/39001-261, E-Mail: schneider@difu.de
Die Ergebnisse wurden in der Studie "ServiceStadt Berlin 2016" veröffentlicht:
http://www.difu.de/publikationen/abfrage.php3?id=1002
http://www.difu.de/publikationen/difu-berichte/1_09/03.phtml
Kurzinfo: Deutsches Institut für Urbanistik
Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu), Berlin, ist als größtes Stadtforschungsinstitut im deutschsprachigen Raum die Forschungs-, Fortbildungs- und Informationseinrichtung für Städte, Kommunalverbände und Planungsgemeinschaften. Ob Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftspolitik, Städtebau, Soziale Themen, Umwelt, Verkehr, Kultur, Recht, Verwaltungsthemen oder Kommunalfinanzen: Das 1973 gegründete unabhängige Institut bearbeitet ein umfangreiches Themenspektrum und beschäftigt sich auf wissenschaftlicher Ebene mit allen Aufgaben- und Problemstellungen, die die Kommunen heute und in Zukunft zu bewältigen haben. Grundlage des Handelns des als GmbH geführten Instituts ist die Gemeinnützigkeit. Der Verein für Kommunalwissenschaften e.V. (VfK) ist alleiniger Gesellschafter der GmbH.
Pressekontakte:
Sybille Wenke-Thiem, Ltg. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Urbanistik (Difu), Ernst-Reuter-Haus
Straße des 17. Juni 112, 10623 Berlin
E-Mail: wenke-thiem@difu.de,
Telefon: 030/39001-209/-208, Telefax: 030/39001-130

Sybille Wenke-Thiem | idw
Weitere Informationen:
http://www.difu.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise