Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Lohnquote in der Schweiz bleibt konstant

18.03.2014

In der Schweiz ist der Anteil der Löhne an den Gesamteinkommen in den letzten 30 Jahren konstant geblieben. In den anderen entwickelten Ländern dagegen sank die so genannte Lohnquote, wie eine vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützte Studie zeigt. Der Grund für die Stabilität der schweizerischen Lohnquote ist unter anderem das hohe Bildungsniveau.

Die Einnahmen, die eine Firma erwirtschaftet, werden aufgeteilt zwischen Arbeitnehmenden (Löhne) und Kapitaleignern (Gewinne). In der Ökonomie wird der Lohnanteil am Gesamteinkommen der Bevölkerung als Lohnquote bezeichnet. Sie gibt wichtige Hinweise darauf, wie die Einkommen in einem Land verteilt sind.

Denn Lohneinkommen sind in der Gesellschaft gleichmässiger verteilt als Kapitaleinkommen, die sich auf wenige konzentrieren. Die Verringerung der Lohnquote führt also tendenziell zu einer grösseren Verteilungsungleichheit in einer Volkswirtschaft und könnte den sozialen Zusammenhalt in einer Gesellschaft schwächen.

Michael Siegenthaler, Tobias Stucki und Michael Graff von der Konjunkturforschungsstelle KOF an der ETH Zürich haben untersucht, wie sich die Lohnquote in den Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat.

Die Schweiz nimmt offenbar eine Sonderrolle ein: Von 1980 bis 2012 ist die Lohnquote hierzulande stabil geblieben, während sie in den allermeisten anderen OECD-Staaten gesunken ist. In der Schweiz betrug der Anteil der Löhne am Gesamteinkommen konstant zwischen 65 und 70 Prozent. In Ländern wie Frankreich, Italien, Japan, USA oder Schweden dagegen sank die Lohnquote in den letzten 30 Jahren von 65 bis 70 Prozent auf 55 bis 60 Prozent.

Dank hohem Bildungsniveau hohe Lohnquote


Anhand von Firmendaten untersuchten die Forschenden, welche Faktoren Veränderungen der Lohnquote erklären können. Neben der Schwächung der Gewerkschaften sorgte vor allem der vermehrte Einsatz von Computern und dem Internet dafür, dass die Lohnquote in den meisten OECD-Ländern sank.

"Routinetätigkeiten werden heute vermehrt von einem Computer ausgeführt statt von einem Menschen", sagt Michael Siegenthaler. Das vermindert den Lohnanteil am Gesamteinkommen, weil insbesondere schlechter qualifizierte Arbeitskräfte nicht mehr gebraucht werden.

Im Vergleich mit Ländern wie Schweden oder den USA habe die Schweiz diese technologische Umwälzung von 1980 bis Mitte der 1990er Jahre verschlafen, sagt Siegenthaler. Nachher konnte die Schweiz den Effekt der digitalen Revolution auf die Lohnquote teilweise durch ihren hohen Bildungsstandard abfedern: Relativ viele hoch qualifizierte Arbeitskräfte führen am Computer komplexe Tätigkeiten aus.

Schweiz wird Sonderstellung einbüssen


Ein anderer wichtiger Grund für den "Sonderfall" Schweiz punkto Lohnquote ist laut den Forschenden die Veränderung in der Branchenzusammensetzung. In den letzten 30 Jahren habe sich diese in der Schweiz weniger stark zu Branchen mit tiefen Lohnquoten verschoben als in anderen Ländern. "Die Schweiz hat sich auf wissensintensive Branchen in der Industrie und den Dienstleistungen spezialisiert, die überdurchschnittlich hohe Lohnquoten aufweisen", sagt Siegenthaler. Das hat der Abnahme der Lohnquote entgegengewirkt.

Die Forschenden haben zudem untersucht, wie sich die Lohnquote in der Schweiz entwickeln könnte. Sie gehen davon aus, dass die Computerisierung der Arbeitswelt weiter fortschreitet und die Macht der Gewerkschaften noch mehr abnimmt. Daher werde die Schweiz wahrscheinlich ihre Sonderstellung teilweise einbüssen; auch hier dürfte die Lohnquote bis ins Jahr 2020 abnehmen.

Publikation
M. Siegenthaler, T. Stucki: Dividing the pie: the determinants of labor’s share of income on the firm level. KOF Working Paper Nr. 352, February 2014.

Weitere Informationen:

http://www.kof.ethz.ch/de/publikationen/p/kof-working-papers/352/
http://www.snf.ch/de/fokusForschung/newsroom/Seiten/news-140318-mm-die-lohnquote...

Medien - Abteilung Kommunikation | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie der Uni Halle: Wie der Klimawandel das Pflanzenwachstum verändert
12.01.2018 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Im Focus: Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen

Forscher schaffen neue Generation von Knochenimplantaten

Wissenschaftler am Julius Wolff Institut, dem Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien und dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

Tagung „Elektronikkühlung - Wärmemanagement“ vom 06. - 07.03.2018 in Essen

11.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal mit neuem Onlineauftritt - Lösungskompetenz für alle IT-Szenarien

16.01.2018 | Unternehmensmeldung

Die „dunkle“ Seite der Spin-Physik

16.01.2018 | Physik Astronomie

Wetteranomalien verstärken Meereisschwund

16.01.2018 | Geowissenschaften