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Die Bibliothek in meinem Kopf: Wie sind Wörter im Gehirn gespeichert?

15.09.2014

Fragt man Erwachsene, was ihnen zu „Hund“ einfällt, sagen die meisten „Katze“. Warum das so ist und wie genau Informationen in unserem Gedächtnis angeordnet sind, wollen Psychologen des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Zusammenarbeit mit der Universität Tübingen herausfinden. Dafür beteiligen sie sich an dem internationalen Projekt „Small World of Words“ der Katholischen Universität (KU) Leuven.

Ein Erwachsener kennt im Schnitt rund 40.000 Wörter. Diese sind in unserem Gedächtnis, in einem individuellen, mentalen Lexikon hinterlegt und miteinander verknüpft. Bildlich kann man sich das auch wie eine Bibliothek im Gehirn vorstellen, in der die eigenen Bücher nach einem bestimmten Prinzip geordnet sind. Die Wissenschaftler wollen nun herausfinden, wie diese Durchschnitts-Bibliothek aufgebaut ist und, ob es Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Erwachsenen gibt.

Mit Hilfe eines onlinebasierten Wortassoziationsspiels möchten sie deshalb das mentale Lexikon von Menschen jeden Alters im deutschsprachigen Raum erfassen. In dem Spiel geht es darum, die ersten drei Assoziationen anzugeben, die einem zu insgesamt 18 Begriffen einfallen. So zum Beispiel zu Begriffen, wie „Hund“, „Gewitter“ oder „demokratisch“. Das Assoziationsspiel zeigt, wie nah oder fern Wörter im Gedächtnis abgespeichert sind und verrät somit die Anordnung der Bücher in der eigenen Bibliothek.

„Die Struktur des individuellen Lexikons im Gehirn wird durch unsere Erfahrungen bestimmt. Erleben wir, dass bestimmte Dinge in unserer Umwelt oft zusammen auftreten und eine ähnliche Bedeutung haben, dann ordnen wir diese einander zu. Da aber Menschen verschiedene und altersbedingt unterschiedlich viele Erfahrungen gemacht haben, sind sich die mentalen Lexika zwar sehr ähnlich, aber nicht identisch“, sagt Dirk Wulff, Wissenschaftler am Forschungsbereich „Adaptive Rationalität“ des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. Mit der Studie möchten die Forscher deshalb möglichst viele Daten sammeln, um ein möglichst genaues Bild von einem Durchschnitts-Lexikon erstellen zu können.

Das Assoziationsspiel ist Teil des internationalen Projektes „Small World of Words“, welches von der Katholischen Universität Leuven geleitet wird. Das Projekt läuft bereits erfolgreich in den Sprachen Niederländisch, Kantonesisch, Französisch, Vietnamesisch, Japanisch und Spanisch. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Universität Tübingen setzen es nun im deutschsprachigen Raum um. Übergreifendes Ziel ist es, herauszufinden wie Begriffe in unserem Gedächtnis angeordnet und miteinander verknüpft sind – sprachen- und altersübergreifend.

„Wir hoffen, dass die Erkenntnisse aus unserer Studie dazu beitragen, besser zu verstehen, was im Gedächtnis von jüngeren und älteren Erwachsenen passiert und warum es passiert“, sagt Dirk Wulff. „Dies ist beispielsweise auch für das Verständnis von Demenzerkrankungen relevant. Mit akkuraten mentalen Lexika können wir simulieren, wie Demenzerkrankungen die Suche nach bestimmten Inhalten in unserem Gedächtnis beeinflussen.“

Verraten auch Sie Ihre Assoziationen und unterstützen Sie damit das Projekt „Small World of Words“ unter: www.smallworldofwords.com/de/

Hintergrundinformationen
Die Studie „Small World of Words“ wurde im Jahr 2003 als Projekt an der KU Leuven (Belgien) gestartet. Über fünf Millionen Assoziationen in niederländischer Sprache konnten mit Hilfe des Wortspiels gewonnen werden. Seither ist die Studie in fünf weiteren Sprachen angelaufen. Um das innere Lexikon richtig abbilden zu können, braucht es etwa 240.000 Probanden pro Sprache, weshalb die Studie auf mehrere Jahre angelegt ist. Für die Studie in deutscher Sprache sind das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und die Universität Tübingen verantwortlich.


Link zum Wortassoziationsspiel: www.smallworldofwords.com/de/

Weitere Informationen:

http://www.smallworldofwords.com/de/
https://www.mpib-berlin.mpg.de/de/presse/2014/09/die-bibliothek-in-meinem-kopf-w...

Nicole Siller | Max-Planck-Institut

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