Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dialog für Kindersprache besser als Vorlesen

30.06.2009
Sprachpädagogin: "Jüngere Kinder brauchen mehr Beteiligung"

Kindern ein Buch vorlesen ist gut, mit ihnen ein Gespräch führen ist jedoch weitaus besser für die Sprachentwicklung. Das behaupten Forscher der University of California im Journal Pediatrics.

Sie beobachteten mit kleinen Aufnahmegeräten, wie viele Wörter 275 Babys und Kleinkinder bis vier Jahren täglich von ihren Eltern zu hören bekommen, selbst sprechen oder im Fernsehen hören. Ein Vergleich mit der späteren Sprachentwicklung zeigte, dass häufige Unterhaltungen mit Erwachsenen, bei denen Kinder auch selbst zu Wort kommen, die spätere Sprachentwicklung am meisten fördert.

Reden allein die Erwachsenen, was etwa beim Vorlesen eines Kinderbuches der Fall ist, war der Lerneffekt sechsmal geringer. Völlig unbeeindruckt zeigte sich der Sprachfortschritt durch das Fernsehen, und zwar weder im positiven noch im negativen Sinn.

"Kinderärzte ermutigen Eltern immer wieder, ihren Kindern Spracherfahrungen durch Vorlesen, Geschichtenerzählen oder die einfache Erzählung des Tagesgeschehens zu ermöglichen. Bei diesen Formen des Inputs kommt jedoch die Rolle der Kinder in der Sprachentwicklung zu kurz. Kinder müssen selbst so viel wie nur möglich sprechen", so Forschungsleiter Frederick J. Zimmerman. Ein Mehr an Unterhaltungen bedeute auch eine höhere Anzahl von Möglichkeiten, Fehler zu machen und dabei wertvolle Korrekturen zu erhalten. Außerdem könnten die Kinder dabei neu gelernte Wörter üben.

"Je jünger Kinder sind, desto mehr Dialog brauchen sie zur Entwicklung der Sprache", bestätigt Claudia Wirts vom Staatsinstitut für Frühpädagogik http://www.ifp.bayern.de im pressetext-Interview. Wesentlich sei dabei die Möglichkeit der Kinder, Dialoge selbst zu steuern und Themen vorzugeben. "Selbst gewählte Lerninhalte werden allgemein weit besser verarbeitet, miteinander verknüpft und auch gefestigt als vorgegebene", so die Sprachheilpädagogin. Nicht zuletzt zur Förderung der Sprachentwicklung sei den Eltern daher zu raten, Interessen ihrer Kinder zu beobachten und feinfühlig darauf zu reagieren. "Wenn ein Kind etwa mit Bauklötzen spielt, wäre es kontraproduktiv, wenn ein Elternteil gleichzeitig mit einem Spielzeugauto herumfährt und dabei 'BrummBrumm' macht. Viel besser ist es, auf das Umfallen eines Turms mit einem 'Bumm!' zu antworten."

Das wörtliche Vorlesen eines Buches ist laut der Münchner Sprachlernexpertin durchaus wertvoll - jedoch eher bei Kindern ab dem Schulalter, die dabei in der Ausdifferenzierung ihres Wortschatzes profitieren. "Das Entwicklungsniveau des Kindes ist immer zu berücksichtigen", so Wirts. Bei kleineren Zuhörern empfehle es sich, Bilderbücher gemeinsam zu betrachten anstatt nur vorzulesen und dabei auf aktive Beteiligung des Kindes zu achten. "Ideen der Kinder brauchen Raum. Den schafft man, indem man sie etwa auf Bildinhalte deuten lässt, ausreichend Pausen macht, über das Gelesene spricht und auf Anmerkungen eingeht."

Wie die US-Forscher erkennt auch Wirts im Fernsehen an sich nichts Negatives für die Sprachentwicklung. "Allerdings reduziert viel Fernsehen die Zeit, in der Kinder und Eltern ins Gespräch kommen", so die Expertin. Förderlich für die Pflege dieses Dialogs seien fixe Zeiträume im Tagesablauf, in denen Kind und Eltern in Ruhe auf Augenhöhe in Kontakt kommen. "Auch Eltern haben ihre Bedürfnisse. Es ist daher sinnvoll, Kindern zu bestimmten Tageszeiten die volle Zuwendung zu widmen und auf ihre Ideen einzugehen."

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.ucla.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie