Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DGIM-Survey belegt: Deutschland fehlen Intensivmediziner

13.11.2012
Jährlich behandeln Ärzte rund zwei Millionen Patienten intensivmedizinisch. Die Zahl der Intensiv-Betten ist in den letzten 20 Jahren auf etwa 25 000 gestiegen.

Teams auf Intensivstationen versorgen immer schwerere Fälle. Diesen hohen Anforderungen an Ärzte genügt die intensivmedizinische Ausbildung im Rahmen der Facharztausbildung zum Internisten nicht mehr.

Darauf weisen Experten der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) e. V. angesichts einer aktuellen Studie der DGIM hin. Demnach fehlen allein auf den internistischen Intensivstationen 400 Ärzte mit einer entsprechenden Zusatzqualifikation.

Medizinisch-technischer Fortschritt und zunehmendes Alter der Patienten haben in den letzten 20 Jahren dazu geführt, dass intensivmedizinische Verfahren immer komplexer und spezialisierter geworden sind: Intensivmedizin verlängert das Leben immer älterer und schwerer erkrankter Menschen mit zahlreichen Risikofaktoren und Komplikationen.
„Die intensivmedizinische Behandlung akuter Funktionsstörungen innerhalb der ersten Stunden und Tage des Patienten in der Klinik ist entscheidend für den weiteren Krankheitsverlauf und oft dessen Überleben“, betont Professor Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel. Diese Akutbehandlung erfordere, dass unter Leitung eines Arztes mit der Zusatzbezeichnung Internistische Intensivmedizin ausreichend Ärzte und entsprechend qualifizierte Pflegekräfte rund um die Uhr zur Verfügung stehen.

„Die Behandlung schwerkranker Patienten auf dem neuesten Stand der Medizin, Pharmakologie und Technik setzt umfassendes Wissen voraus“, sagt Professor Dr. Tobias Welte aus Hannover, der seit dem Jahr 2009 Vorsitzender der Task-Force internistische Intensivmedizin der DGIM ist.

Unter Leitung des Pneumologen und Intensivmediziners von der Medizinischen Hochschule Hannover hat die Task Force jetzt die Struktur der internistischen Intensivmedizin in Deutschland untersucht und die Ergebnisse im „Survey Internistische Intensivmedizin“ veröffentlicht. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Auf etwa einem Drittel der Intensivstationen für Innere Medizin ist kein ausreichend qualifizierter Arzt verfügbar.

„Nach unseren Berechnungen fehlen mehr als 400 qualifizierte Intensivmediziner allein in diesem Bereich“, erläutert Professor Welte. Und da es in über 40 Prozent der Kliniken keine zur Weiterbildung ermächtigten Ärzte gebe, könne der Mangel in absehbarer Zeit auch nicht behoben werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin fordert deshalb, dass mehr Weiterbildungsstellen geschaffen werden. Dies auch unter dem Gesichtspunkt, dass der Gesetzgeber ab 2013 die kontinuierliche, 24-stündige Patientenüberwachung und Behandlungsbereitschaft von intensivpflichtigen Patientinnen und Patienten nach Operationen nur noch erstattet, wenn ein Facharzt mit der Zusatzbezeichnung Intensivmedizin die Station leitet. In der Übergangszeit ist Flexibilität angesagt: „Krankenhäuser werden nach intelligenten Kooperationsmöglichkeiten suchen müssen, sonst drohen massive finanzielle Einbußen“, so DGIM-Experte Welte.
Intensivstationen müssten sowohl innerhalb eines Hauses als auch innerhalb von Städten und Regionen zusammenarbeiten, um überall die geforderte Qualifikation vorzuhalten. Solange sollten die verschiedenen internistischen Fachgebiete ihre Kräfte bündeln und gemeinsam Konzepte für die Fort- und Weiterbildung sowie Qualitätssicherung der Zusatzbezeichnung Intensivmedizin erarbeiten, empfiehlt die DGIM.

Literatur:
Survey Internistische Intensivmedizin – Struktur der stationären Versorgung und Leistungsangebote der Internistischen Intensivmedizin in Deutschland; Tobias Welte#, Hendrik Lehnert*, Jürgen Schölmerich* und Michael Buerke# für die Task-Force Intensivmedizin der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
# Deutsche Gesellschaft für internistische Intensiv- und Notfallmedizin; * Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin; Deutsche Medizinische Wochenschrift 2012; 137: DOI 10.1055/s-0032-1327243

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel: 0711 8931-552
Fax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgim.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Echtzeit-Feedback hilft Energie und Wasser sparen
08.02.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

nachricht Nutzung digitaler Technologien in der industriellen Produktion führt zu Produktivitätsvorteilen
01.02.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie