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DGCH beurteilt narbenfreie Operationen als zukunftsträchtig – fordert jedoch begleitende Kosten-Nutzen-Bewertung

21.07.2010
Die narbenfreie Operation der Gallenblase über einen einzigen Schnitt durch den Bauchnabel erweist sich in einer aktuellen Studie als sicher.

Die Autoren erläutern in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2010), warum das „Single-Port“-Verfahren über den Nabel schon bald Standard sein könnte.

Derzeit sei es aufgrund der nur einmal verwendbaren Spezialinstrumente zwar recht kostenintensiv, mehrfach verwendbare Instrumente seien jedoch in der Entwicklung. Auf eine notwendige Kosten-Nutzen-Bewertung des Verfahrens weist auch die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) hin.

Früher hinterließ die Entfernung der Gallenblase eine 10 bis 15 Zentimeter lange Narbe am rechten Oberbauch. Diese ist nicht nur schmerzhaft und unschön anzusehen. Sie birgt auch die Gefahr späterer Bauchnarbenbrüche und zudem schlecht zu heilen. Heute nehmen die Chirurgen den Eingriff in der Regel im Rahmen einer Bauchspiegelung durch drei oder vier kleine bis ein Zentimeter große Stiche in die Bauchdecke vor. Bei dieser Laparoskopie führen sie ein Endoskop mit Videokamera für die Sicht und zwei bis drei Operationsinstrumente in die Bauchhöhle ein. Die laparoskopische Cholezystektomie hat sich heute international als Standard etabliert. Neben der schnelleren Erholung seien auch die kosmetischen Aspekte ein großer Gewinn für den Patienten.

Bei der neuen „Single-Port”-Technik erfolgt der gesamte Eingriff über eine gemeinsame Öffnung auf dem Grund des Bauchnabels. Von der 15 bis 20 Millimeter langen Narbe sei später meistens nichts zu sehen, so die Autoren. Sie sehen in dieser Operation eine Alternative zu den NOTES-Verfahren („natural orifice transluminal endoscopic surgery”), bei denen Operationen über natürliche Körperöffnungen, etwa die Vagina, erfolgen.

Die in der Studie präsentierte Serie mit mehr als 200 auf diese Weise operierten Patienten sei weltweit eine der größten Serien von Gallenblasenoperationen über einen Single-Port. Die Erfahrungen zeigten, dass anfängliche Bedenken unbegründet waren. Mit durchschnittlich 63 Minuten benötigten die Ärzte kaum länger als bei einer herkömmlichen laparoskopischen Operation. Fehlschläge waren selten. Nur in zwei Fällen mussten die Chirurgen während der Operation weitere Ports anlegen. Bei zwei weiteren Patienten wechselten sie auf die „offene” Operation mit konventionellem Bauchschnitt. Fünf Patienten operierten sie erneut, weil es zu Komplikationen gekommen war. Alle erholten sich später von dem Eingriff.

Die Komplikationsrate war damit nicht höher als bei der etablierten „Mehr-Port”-Technik mit drei bis vier Zugängen. Die neue Single-Port-Cholezystektomie sei deshalb eine sichere und gut durchzuführende Operationstechnik. Gegen eine weite Verbreitung spreche aktuell noch der hohe Preis für die Instrumente, denn sie sind nur zum Einmalgebrauch vorgesehen. Wieder verwertbare Ports seien jedoch in der klinischen Erprobung. Dann könnte die Single-Port-Operation für die Kliniken auch wirtschaftlich rentabel werden. Die Autoren rechnen damit, dass sich das neue Operationsverfahren in den nächsten Jahren nicht zuletzt auch deshalb durchsetzen wird, weil die Patientinnen – zwei Drittel aller Gallenoperationen werden bei Frauen durchgeführt – dies wünschen würden. Denn, so die Schlussfolgerung: Der Aspekt der narbenfreien Operation spielt in der heutigen Gesellschaft eine immer größere Rolle.

Über diese Annahmen hinaus ist der Mehrwert des neuen Verfahrens im Sinne eines größeren patientenrelevanten Nutzens bisher nicht belegt. Nach Ansicht des Generalsekretärs der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, Professor Dr. med. Hartwig Bauer, Berlin, muss im Rahmen einer Kosten-Nutzen-Analyse abgewogen werden, inwieweit die Single-Port-Technik im Vergleich zum herkömmlichen laparoskopischen Eingriff die höheren Kosten rechtfertigt.

Quelle:
D. A. Jacob, R. Raakow :
Single-Port-Cholezystektomie: Der neue Standard?
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2010; 135(27): 1363-1367
Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH)
Anna Julia Voormann
Pressestelle
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-552
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: voormann@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgch.de

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