Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DFG-Studie zu prospektivem Gedächtnis

06.07.2011
Mannheimer Wissenschaftler erforschen weltweit als Erste, wie der Mensch Pläne verwirft, die er nicht ausführen darf, und welche Rolle das Alter dabei spielt / Studienteilnehmer gesucht

Die Tochter vom Kindergarten abholen, eine Packung Milch aus dem Supermarkt mitbringen, nach dem Abendessen die Herztabletten einnehmen. Das alles sind Aufgaben, die unser prospektives Gedächtnis täglich bewältigt.

Es ist dafür zuständig, dass wir uns daran erinnern, ein Vorhaben in der Zukunft in die Tat umzusetzen, Termine und Vereinbarungen einzuhalten. Bisherige Studien zum prospektiven Gedächtnis untersuchten vor allem unter welchen Bedingungen es dem Menschen leicht fällt, an seine eigenen Pläne zu denken. In einer aktuellen Studie erforschen Wissenschaftler der Universität Mannheim nun, wie junge und alte Menschen diesen Mechanismus unterdrücken, also eine bereits geplante Handlung verwerfen – eine völlig neue Perspektive in der Gedächtnisforschung, an der die Mannheimer Wissenschaftler weltweit als Erste forschen. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und erfolgt in Kooperation mit Wissenschaftlern in den USA.

„Wenn ich täglich ein Medikament einnehme, mein Arzt mich aber heute darauf hinweist, die Einnahme zu beenden, muss ich mich daran erinnern, es ab sofort nicht mehr zu nehmen“, sagt Prof. Dr. Thorsten Meiser vom Lehrstuhl für Psychologie. „Wenn ich dazu nicht in der Lage bin, kann das gegebenenfalls schwerwiegende Folgen für meine Gesundheit haben.“ Diese Leistung des Gehirns, Pläne wenn nötig zu verwerfen, ist noch nicht erforscht. Untersucht wurde bisher nur wie wir uns am besten daran erinnern, etwas zu tun. Doch ob diese Leistung im Alter abnimmt oder gleich bleibt, ist strittig: Studien aus den 90er Jahren zeigen, dass das prospektive Gedächtnis weniger durch das Altern beeinträchtigt wird als andere Hirnfunktionen. Spätere Untersuchungen belegen jedoch das Gegenteil. Wie es zu diesen unterschiedlichen Ergebnissen kommt, ist ebenfalls Gegenstand der Studie.

Die Mannheimer Wissenschaftler gehen jedoch von der Annahme aus, dass das prospektive Gedächtnis bei älteren Menschen tatsächlich eingeschränkt ist. „Wir wissen, dass mit steigendem Alter die Leistung des Frontalhirns abnimmt. Dieses Gehirnareal ist aber für das prospektive Gedächtnis ganz besonders wichtig“, erklärt Professor Meiser. Um dennoch weniger zu vergessen, gibt es für ältere aber auch junge Menschen nützliche Hilfen, wie sich beispielsweise die gewünschte Situation in der Zukunft bildlich vorzustellen. „Je spezifischer das Bild ist, desto leichter fällt es uns später daran zu denken“, sagt Diplom-Psychologe Jan Rummel, der die Studie durchführt. „Das heißt, wenn wir uns daran erinnern möchten, nach der Arbeit noch Milch zu kaufen, sollten wir uns ganz genau vorstellen, wie wir dort hinfahren, in den Supermarkt gehen, vor dem Regal stehen und die Milch rausholen.“ Das sei neben der Verwendung von externen Hilfen wie Terminkalender oder Merkzettel eine sehr effektive Strategie.

Um die Altersfrage in diesem Forschungsbereich zu klären, suchen die Wissenschaftler noch weitere Senioren für ihre Studie. Interessenten können sich jederzeit unter der unten stehenden Telefonnummer melden, um einen individuellen Termin zu vereinbaren.

Kontakt:

Prof. Dr. Thorsten Meiser
Lehrstuhl für Psychologie II
Universität Mannheim
Tel. (0621) 181-2138
E-Mail: t.meiser@uni-mannheim.de
Dipl.-Psychologe Jan Rummel
Lehrstuhl für Psychologie II
Universität Mannheim
Tel. (0621) 181-2131
E-Mail: rummel@uni-mannheim.de
Telefonnummer für Interessenten: (0621) 181-2131
Katja Bär
Pressesprecherin
Universität Mannheim
Telefon: 0621 / 181-1013
baer@uni-mannheim.de

Katja Bär | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-mannheim.de

Weitere Berichte zu: DFG-Studie Gedächtnis Psychologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Europas demografische Zukunft
25.07.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie