Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutschland: weniger als 10 Prozent Klimaskeptiker

18.06.2013
Eine neue Studie zeigt: Der Anteil von Klimaskeptikern in Deutschland beträgt nur sieben Prozent.

Die Mehrzahl der Deutschen ist überzeugt, dass der Klimawandel ein ernstes, vom Menschen verursachtes Problem ist. Wie das Team um Prof. Dr. Anita Engels von der Universität Hamburg, KlimaCampus, jetzt im Fachjournal „Global Environmental Change“ online schreibt, ist der Skeptizismus oft verbunden mit generell geringerem Interesse an Umweltschutz, aber weitgehend unabhängig von sozialen Faktoren wie Alter oder Bildung.

Für die repräsentative Umfrage wurden 3000 Telefoninterviews ausgewertet. Während andere Studien einen wachsenden Anteil von Klimaskeptikern in den USA und anderen angelsächsischen Ländern beschreiben, zeigt die vorliegende Arbeit, dass dieses Problem in Deutschland nicht verbreitet ist. Die Zahl der „Totalleugner“ beträgt zum Beispiel hierzulande lediglich zwei, in den USA zwölf Prozent.

Welche Faktoren begünstigen den Skeptizismus? Während sich die Zweifler in den USA vorwiegend aus der weißen Mittelschicht rekrutieren, gut organisiert sind und sich lautstark in politische Prozesse einmischen, gilt für Deutschland: Den typischen Skeptiker gibt es nicht. Er oder sie hat kein klares politisches Profil, erhebt öffentlich kaum die Stimme, ist kaum vernetzt und in allen Bildungsschichten zu finden. Der deutsche Skeptiker hat zwar eine etwas geringere Abneigung gegen die Energiegewinnung aus Kernkraft und Kohle, entspricht im Prinzip aber dem „Mainstream“. Denn auch der Durchschnittsbürger favorisiert die erneuerbaren Energien: Sonne, Wind- und Wasserkraft stehen an der Spitze, Kernenergie abgeschlagen auf dem letzten Platz. Der einzige Unterschied findet sich in den kulturellen Einstellungen: Die Klimaskeptiker interessieren sich signifikant weniger für Umweltschutz.

Im Hinblick auf den geplanten Umbau der Energiesysteme – die „Energiewende“ – scheint demnach das politische Klima hierzulande günstig. Dennoch wird dieser Prozess voraussichtlich nicht reibungslos ablaufen. Beinahe die Hälfte der Deutschen wünscht nämlich, dass Energie vor allem kostengünstig produziert werden sollte. Frühere Studien zeigen außerdem, dass notwendige bauliche Maßnahmen wie Stromtrassen oder Windräder im eigenen Wohnumfeld häufig nicht akzeptiert werden. Politische Auseinandersetzungen zur Energiewende beziehen sich in Deutschland entsprechend viel stärker auf Bürgerbeteiligung, gerechte Kostenverteilung oder die Wahl zwischen stark zentralisierten oder dezentralen Stromnetzen. Klimawandel ist dann nur noch ein Nebenschauplatz.

Artikel:

A. Engels, O. Hüther, M. Schäfer, H. Held (2013): Public climate-change skepticism, energy preferences and political participation; Global Environmental Change, online

http://dx.doi.org/10.1016/j.gloenvcha.2013.05.008

Für Rückfragen:

Prof. Dr. Anita Engels
Universität Hamburg, KlimaCampus
Tel.: 040 42838-3832
E-Mail: anita.engels@wiso.uni-hamburg.de

Ute Kreis
Universität Hamburg, KlimaCampus
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 040 42838-4523
E-Mail: Ute.Kreis@zmaw.de
http://dx.doi.org/10.1016/j.gloenvcha.2013.05.008 - A. Engels, O. Hüther, M. Schäfer, H. Held (2013): Public climate-change skepticism, energy preferences and political participation; Global Environmental Change, online

Birgit Kruse | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hamburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

nachricht »Zweites Leben« für Smartphones und Tablets
16.03.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics