Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutschland hinkt weltweit bei Investitionen in moderne Breitband-Netzwerke hinterher

20.08.2009

Breitband-Ausbau wird zur Zukunftsfrage / Deutschland im globalen Wettbewerb nicht unter Top 15 / Australien investiert pro Einwohner 1000 mal mehr als Deutschland / Drei strategische Ansatzpunkte für erfolgreichen Netzausbau

Die flächendeckende Versorgung mit leistungsfähigen Breitbandanschlüssen und der Aufbau von modernen Hochleistungsnetzen der nächsten Generation sind entscheidend im weltweiten Standortwettbewerb der Industrienationen.

Die internationale Strategieberatung Booz & Company weist in einer aktuellen Analyse auf die direkte Korrelation zwischen Breitbandverfügbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Länder hin. Erhöht ein Staat die Rate der Hochleistungszugänge um 10 Prozentpunkte, so steigt in den nächsten fünf Jahren die Arbeitsproduktivität um 1,5 Prozentpunkte.

Um dieses Potenzial auszuschöpfen, werden weltweit staatliche und private Investitionsprogramme in neue Technologien aufgelegt. Mit den bisher geplanten staatlichen Investitionshilfen im Rahmen der Breitbandstrategie des Bundes in Höhe von 150 Mio. Euro springt Deutschland im internationalen Vergleich deutlich zu kurz. So hat der australische Premierminister Kevin Rudd im April diesen Jahres sogar ein staatliches Investitionsprogramm von 23. Mrd. Euro in Aussicht und damit den Aufbau von Telekommunikationsinfrastruktur in den Mittelpunkt der australischen Wirtschaftspolitik in der Krise gestellt. Auch relativ kleine europäische Volkswirtschaften wie Portugal oder Griechenland investieren mit jeweils mehr als 750 Mio. Euro fünfmal mehr öffentliche Fördergelder in den Breitband-Ausbau als Deutschland.

Im europaweiten Vergleich der staatlichen Investitionsprogramme zum Breitbandausbau landet Deutschland nur im letzten Drittel. "Die Anwendungen der Zukunft wie Telemedizin, Tele-Learning oder die interaktive Kollaboration über verschiedene Gewerbestandorte verlangen langfristig Bandbreiten von über 100 Mbps - deutlich mehr als das gegenwärtige Programm der Bundesregierung ermöglichen soll.

Flächendeckend verfügbar sind heute sogar nur 512 kbps bis 2 Mbps. Will Deutschland hier nicht den internationalen Anschluss verlieren, müssen der Staat und die Industrie jetzt beim Ausbau eines flächendeckenden Glasfasernetzes bis zum Endverbraucher an einem Strang ziehen", so Dr. Roman Friedrich, Partner und Telekommunikationsexperte bei Booz & Company.

Breitband-Standort Deutschland hinkt international hinterher

Die europäischen Spitzenreiter bei Breitbandinfrastruktur und -abdeckung sind Schweden und Norwegen. 10 % der Privathaushalte und Unternehmen haben hier bereits einen Glasfaseranschluss. Noch aggressiver gehen die Fernoststaaten voran. Mit Raten von 44% in Südkorea, 27% in Hong Kong und 26% in Japan hat man dort bereits den Einstieg in die Breitband-Zukunft geschafft. Deutschland befindet sich im globalen Wettbewerb nicht einmal unter den Top 15-Ländern.

Im weltweiten Vergleich der Pro Kopf-Investitionen der einzelnen Länder liegt Australien mit 1071 Euro klar auf Rang 1, gefolgt von Neuseeland mit 154 Euro. Auch Singapur hat die Notwendigkeit des Netzwerk-Ausbaus längst erkannt und investiert bis dato insgesamt 533 Mio. Euro. Das entspricht einer staatlichen Investition von 116 Euro pro Kopf. Dagegen sind die 1 Euro 50 Cent, welche die Bundesregierung pro Einwohner zu investieren gedenkt, fast vernachlässigbar. "Durch die gestiegenen Anforderungen der globalisierten und digitalisierten Wirtschaft ist der Breitband-Ausbau vergleichbar mit den großen historischen Infrastrukturprojekten wie dem Aufbau eines modernen Schienen- oder Straßennetzes im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert", kommentiert Friedrich.

Strategische Erfolgsfaktoren für Breitband-Ausbau

Die Booz & Company-Analyse identifiziert daher drei strategische Ansatzpunkte, die für den Breitband-Ausbau von staatlicher Seite erwogen werden sollten:

1. Die Begünstigung neuer Geschäftsmodelle, um für die kapitalintensiven Breitbandinfrastrukturen neue Investoren wie Pensionsfonds zu gewinnen.

2. Die Prüfung staatlicher Investitionsmodelle in Gebieten, in denen sich Wettbewerb auf Infrastrukturebene volkswirtschaftlich nicht rechnet. Diese können über Direktinvestitionen, Public Private Partnerships oder über Konzessionsmodelle funktionieren.

3. Die Stimulation der Nutzung von breitbandigen Dienstleistungen, wie dieses in Schweden, Japan oder Südkorea zu beobachten ist. Hier erhalten Endnutzer subventionierte Zugänge und gezielte Schulungen zur Nutzung von Breitbanddiensten. Unternehmen können steuerliche Begünstigung für die Breitbandanschlüsse geltend machen.

"Diese drei Punkte sollten zielgerichtet und kombiniert angegangen werden", betont Dr. Roman Friedrich. "Denn unsere Analyse verdeutlicht: Ohne konsequente staatliche Maßnahmen und sinnvolle Regulierung wird Deutschland im internationalen Vergleich zur Breitband-Diaspora."

Über Booz & Company:

Booz & Company ist mit mehr als 3300 Mitarbeitern in 59 Büros auf allen Kontinenten eine der weltweit führenden Strategieberatungen. Zu den Klienten gehören erfolgreiche Unternehmen sowie Regierungen und Organisationen.

Unser Gründer Edwin Booz formulierte bereits 1914 die Grundlagen der Unternehmensberatung. Heute arbeiten wir weltweit eng mit unseren Klienten zusammen, um die Herausforderungen globaler Märkte zu meistern und nachhaltiges Wachstum zu schaffen. Dazu kombinieren wir einzigartiges Marktwissen sowie tiefe funktionale Expertise mit einem praxisnahen Ansatz. Unser einziges Ziel: unseren Klienten jederzeit den entscheidenden Vorteil zu schaffen. Essential Advantage.

Informationen zu unserem Management-Magazin strategy+business finden Sie unter:
www.strategy-business.com

Robert Ardelt | presseportal
Weitere Informationen:
http://strategyand.pwc.com
http://www.strategy-business.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften