Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie sich in Deutschland der Einsatz erneuerbarer Energien entwickelt

15.03.2011
Wissenschaftliche Studie untersucht den Innovationsprozess seit 1970 und gibt Politik-Empfehlungen

In den vergangenen 20 Jahren konnten in Deutschland zuvor nicht für möglich gehaltene Wachstumsquoten in den Branchen der erneuerbaren Energien im Stromsektor umgesetzt werden. Das Forschungsprojekt „Innovationsbiographie der erneuerbaren Energien“ untersuchte in einer Querschnittsstudie rückblickend die Innovationsverläufe der erneuerbaren Energien zur Stromerzeugung:

Biogasverstromung, Photovoltaik, Windenergie, Tiefengeothermie und Wasserkraft. Die Studie, die unter Leitung von Prof. Dr. Johann Köppel und Dr. Susanne Schön von der TU Berlin durchgeführt und vom Bundesumweltministerium gefördert wurde, gibt Aufschluss darüber, welche zentralen Einflussfaktoren und Akteure auf den Innovationsprozess der erneuerbaren Energien fördernd – oder auch hemmend – einwirkten.

Betrachtet wurde der Zeitraum von 1970 bis zur Gegenwart mit einem Fokus auf die Zeit ab 1990. Die einzelnen Sparten der erneuerbaren Energien im Stromsektor weisen „individuelle“ Innovationsbedingungen, Verläufe und Dynamiken auf. Auch verlaufen Innovationsprozesse nicht stetig beziehungsweise linear, sondern weisen Brüche und Entwicklungsknicks auf. Auf Phasen hoher Innovationsdynamik können Phasen der Stagnation oder Krisen folgen, die eine Herausforderung für die Steuerung darstellen. Bei der Biogasnutzung zum Beispiel liegt die erste Aufbruchphase in den Jahren von 1991 bis 1999, zwischen 2004 und 2006 ist ein regelrechter Boom zu verzeichnen, auf den im Jahr 2007 ein Einbruch folgt. Seit 2008 verzeichnen die Forscher eine Wiederbelebung. Für die Photovoltaik registrieren die Wissenschaftler seit 1999 eine stetige Entwicklung nach oben, der in den Jahren 1986 bis 1991 ein Rückzug der industriellen Forschung und Entwicklung in diesem Sektor vorausgegangen war.

Die Ergebnisse des Forschungsvorhabens beleuchten die Vielschichtigkeit und das Auf und Ab von Innovationsverläufen der erneuerbaren Energien. Die Erfolge sind Ergebnis einer Koordinationsleistung staatlicher, privater und gesellschaftlicher Akteure. Auch übergeordnete Rahmenbedingungen, technische Voraussetzungen oder gesellschaftliche Einflüsse spielten im Sektor der erneuerbaren Energien eine entscheidende Rolle. Auf Seiten der Politik ist daher systemisches Denken und Handeln gefragt. Nur dann können Wirkungszusammenhänge zwischen den unterschiedlicher Einflussfaktoren erkannt, interpretiert und durch adäquate Maßnahmen politisch gesteuert werden.

„Für die weitere Expansion der flukturierenden Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien stellt sich auch die Frage, ob die Strategie der Integration erneuerbarer Energien in das bestehende System der richtige Weg ist oder ob nicht vielmehr eine grundlegende Transformation des Energieversorgungssystems Voraussetzung für eine hohen Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung ist“, sagt Johann Köppel. Sein Team (Dr. Elke Bruns, Dr. Dörte Ohlhorst und Dr. Bernd Wenzel) kommt zu dem Ergebnis, dass in Zukunft eine Transformation des gesamten Energiesystems erforderlich ist, um langfristig zu einer nachhaltigen Energieversorgung mit hohen Anteilen an erneuerbaren Energien zu kommen. Wenn langfristig in Deutschland ein Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien im Bereich von 80 bis 100 Prozent angestrebt werde, so Köppel weiter, erfordere dies völlig andere Netz- und Regelungsbedingungen. Die Politiker stünden vor der Aufgabe, den institutionellen Rahmen schrittweise an die Diffusion der erneuerbaren Energien anzupassen, um die Entwicklung des technischen Innovations- und Diffusionsgeschehen gegenüber den Widerständen etablierter Systeme mit starkem Beharrungsvermögen abzusichern.

Das Forschungsprojekt wurde von 2007 bis 2010 mit insgesamt 470.000 Euro gefördert.

Die Studie ist im Universitätsverlag der TU Berlin erschienen:
Elke Bruns, Dörte Ohlhorst, Bernd Wenzel, Johann Köppel: Erneuerbare Energien in Deutschland – Rückblick und Stand des Innovationsgeschehens, Universitätsverlag der TU Berlin 2010, ISBN: 978-3-7983-2201-1
Aufgrund des hohen internationalen Interesses ist 2011 eine überarbeitete und leicht aktualisierte englischsprachige Fassung im Wissenschafts-Verlag Springer erschienen:

Elke Bruns, Dörte Ohlhorst, Bernd Wenzel, Johann Köppel: Renewable Energies in Germany’s Electricity Market. A Biography of the Innovation Process

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Prof. Dr. Johann Köppel, Fachgebiet Umweltprüfung und Umweltplanung, Fakultät VI Planen Bauen Umwelt der TU Berlin, Straße des 17. Juni 145, 10623 Berlin, Tel.: 030/314-22344, E-Mail: johann.koeppel@tu-berlin.de

Die Medieninformation zum Download:
www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/
„EIN-Blick für Journalisten“ – Serviceangebot der TU Berlin für Medienvertreter:
Forschungsgeschichten, Expertendienst, Ideenpool, Fotogalerien unter:
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=4608

Stefanie Terp | idw
Weitere Informationen:
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=4608
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie