Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Jugendliche bewegen sich zu wenig

11.03.2013
Forscherteam der Universität Bielefeld legt nationalen Abschlussbericht einer internationalen Vergleichsstudie zur Jugendgesundheit vor

Mehr als 80 Prozent der deutschen Jugendlichen bewegen sich zu wenig. Der Anteil körperlich inaktiver Jugendlicher sinkt zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr drastisch.

„Laut internationalen Empfehlungen sollten sich Jugendliche täglich 60 Minuten so bewegen, dass der Pulsschlag erhöht wird und sie ins Schwitzen kommen. Nur ein geringer Teil der deutschen Jugendlichen erreicht diesen Schwellenwert“, sagt Gesundheitswissenschaftlerin Professorin Dr. Petra Kolip von der Universität Bielefeld. Sie hat den deutschen Teil der Studie „Health Behaviour in School-aged Children“ (HBSC) geleitet.

Die Studie zum Gesundheitsverhalten von Schulkindern wurde unter Schirmherrschaft der Weltgesundheitsorganisation WHO in rund 40 Ländern und Regionen Europas und Nordamerikas durchgeführt. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf Geschlechterunterschieden. Der Abschlussbericht der aktuellen Erhebungswelle ist Anfang März im Verlag Beltz-Juventa erschienen. An der Erhebung waren neben dem Bielefelder Team auch Forschergruppen der Universität Hamburg, der Technischen Universität Dresden und der Fachhochschule Frankfurt am Main beteiligt.

Körperliche Aktivität - hiermit ist nicht nur sportliche Bewegung gemeint - ist von hoher Bedeutung für die Gesundheit. Sie wirkt sich kurz- und langfristig positiv auf die physische und psychische Gesundheit aus. Zudem kann die schulische und kognitive Leistungsfähigkeit von körperlicher Aktivität profitieren. Umso bemerkenswerter ist es, dass sich Jugendliche mit zunehmendem Alter weniger bewegen. Sind es bei den 11-Jährigen noch jeder vierte Junge und jedes fünfte Mädchen, die die Empfehlungen erreichen, sinkt dieser Anteil zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr drastisch. Mehr als 80 Prozent bewegen sich zu wenig. Dabei finden sich, wie auch in anderen Bereichen gesundheitsrelevanten Verhaltens, deutliche Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen: Während 20 Prozent der Jungen die Empfehlungen für körperliche Bewegung erreichen, trifft dies nur für 14 Prozent der Mädchen zu. Im europäischen Vergleich gehört Deutschland damit zu den Schlusslichtern.

Auch für die sportliche Aktivität finden sich deutliche Geschlechtsunterschiede: Während immerhin 38 Prozent der 11- bis 15-jährigen Jungen mindestens vier Stunden in der Woche Sport treiben, sind es bei den Mädchen nur 25 Prozent. „Körperlich aktive Jugendliche bewegen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im Erwachsenenalter. Auch deshalb ist es wichtig, Bewegung als Teil der Gesundheitsförderung im Jugendalter zu verankern“, so Dr. Jens Bucksch, wissenschaftlicher Geschäftsführer des WHO Collaborating Centres an der Universität Bielefeld.

Trendanalysen über die zurückliegenden zwölf Jahre zeigen, dass sich die Situation zum Bewegungsverhalten über die Jahre leicht verbessert hat, aber nach wie vor erschreckend wenige Jugendliche die Empfehlungen erreichen. Der Geschlechterunterschied hat sich über die Zeit nicht verändert, sodass die Bielefelder Forschergruppe dringend eine geschlechtergerechte Bewegungsförderung fordert. „Gesundheits- und Bewegungsförderung muss die unterschiedlichen Bewegungsmotive und vorlieben von Mädchen und Jungen gleichermaßen aufgreifen, wenn sie erfolgreich sein will“, formuliert Professorin Dr. Petra Kolip.

Die Studie
Die deutsche Teilstudie der internationalen HBSC-Studie hat das Bielefelder „WHO Collaborating Centre for Child and Adolescent Health Promotion“ (Kollaborationszentrum der Weltgesundheitsorganisation zur Kinder- und Jugendgesundheitsförderung) unter Leitung von Professorin Dr. Petra Kolip von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld koordiniert. Im März ist der Abschlussbericht unter dem Titel „Gesundheit und Gesundheitsverhalten im Geschlechtervergleich“ im Verlag Beltz-Juventa erschienen. Das Themenspektrum der HBSC-Studie reicht von gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen wie Bewegung, Obst- und Gemüsekonsum, Frühstücks- und Diätverhalten bis hin zu Themenfeldern wie schulischer Zufriedenheit, Wohlbefinden, subjektiver Gesundheit, Lebenszufriedenheit, Medienkonsum, Unfallhäufigkeit oder auch Mobbing.

Neben dem Abschlussbericht hat das HBSC-Team Deutschland kürzlich Trendanalysen anhand der HBSC-Daten 2001/2002, 2005/2006 und 2009/2010 veröffentlicht. Diese geben einen tieferen Einblick in Veränderungen von Gesundheit und Gesundheitsverhalten Jugendlicher über die Zeit und sind nachzulesen in einem Sonderheft der Fachzeitschrift „Das Gesundheitswesen“. Das Ergebnis: Geschlechterunterschiede im Tabakkonsum und Rauschtrinken sind kaum noch sichtbar beziehungsweise verringern sich über die Zeit. Relativ stabile Geschlechterunterschiede bestehen für das Ernährungsverhalten sowie die körperliche Aktivität. Zudem sind über die Homepage der HBSC-Studie Deutschland Faktenblätter zu 24 Themenbereichen und viele weitere Informationen wie zum Beispiel der internationale Bericht zur Studie „Health Behaviour in School-aged Children“ zur Befragung 2009/2010 mit dem Titel „Soziale Determinanten der Gesundheit und des Wohlbefindens junger Menschen“ kostenfrei zu erhalten.

Kontakt:
Professorin Dr. Petra Kolip, Universität Bielefeld
Fakultät für Gesundheitswissenschaften
Telefon: 0521 106-67273; E-Mail: petra.kolip@uni-bielefeld.de
Dr. Jens Bucksch, Universität Bielefeld
Fakultät für Gesundheitswissenschaften
Telefon: 0521 106-3882; E-Mail: jens.bucksch@uni-bielefeld.de

Ingo Lohuis | idw
Weitere Informationen:
http://www.hbsc-germany.de/downloads/
http://www.beltz.de/de/verlagsgruppe-beltz/gesamtprogramm/detailansicht/titel/gesundheit-und-gesundheitsverhalten-im-geschlechtervergle
http://www.thieme-connect.de/ejournals/issue/10.1055/s-002-23515

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ultra-sensitiv dank quantenmechanischer Verschränkung

28.06.2017 | Physik Astronomie

Chemisches Profil von Ameisen passt sich bei Selektionsdruck rasch an

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Umfangreiche Fördermaßnahmen für Forschung an Chromatin, Nebenniere und Krebstherapie

28.06.2017 | Förderungen Preise