Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Demografischer Wandel fordert Anpassungen in der Abwasserstruktur

18.11.2010
Laut Statistischem Bundesamt wird Deutschland in den kommenden Jahrzehnten einen erheblichen Bevölkerungsrückgang erleben: nach jetzigem Stand um zehn bis 17 Prozent bis zum Jahr 2050.

Hinzu kommen Abwanderungen aus ländlichen Gebieten in die Ballungsräume als Folge von ökonomischen Veränderungen besonders in Ostdeutschland. Aber auch Wachstums- und Schrumpfungsprozesse in enger räumlicher Nachbarschaft charakterisieren den demografischen Wandel. Für die raumbezogenen technischen Infrastrukturen wie Wasser, Abwasser oder Fernwärme bedeutet diese Entwicklung Anpassungsbedarf, da die Effizienz dieser Infrastrukturen maßgeblich von der Bevölkerungsdichte abhängt.

Wie das aussehen kann, welche Anforderungen zukünftig an die Wasserinfrastruktur zu stellen sind, aber auch welche Anpassungsmöglichkeiten bestehen, fasst eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung und der Universität Leipzig zusammen, die im Auftrag des Umweltbundesamtes im Rahmen des Umweltforschungsplanes (Förderkennzeichen 3708 16 305) erstellt und mit Bundesmitteln finanziert wurde.

Die identifizierten Auswirkungen des demografischen Wandels können unterschieden werden in betriebliche Auswirkungen für Wasserversorgung, Abwasserableitung und -behandlung und in die dadurch verursachten ökologischen und ökonomischen Effekte. Der Verbrauchsrückgang von Wasser aufgrund des demografischen Wandels wird noch verstärkt durch Wasser sparendes Verhalten in den Haushalten und den zunehmenden Einsatz von Wassereffizienztechnologien sowohl im Gewerbe als auch in den Haushalten. Projektleiter Dr. Thomas Hillenbrand geht deshalb davon aus, „das zurückgehende Nutzerzahlen für die Wasserver- als auch die Abwasserentsorgung und damit zurückgehende (Ab-) Wassermengen bei den derzeitigen Tarifstrukturen zurückgehende Einnahmen bedeuten. Aufgrund des sehr hohen Fixkostenanteils können die Kosten jedoch nur in geringem Umfang reduziert werden. Soweit nicht durch Effizienzverbesserungen oder Anpassungsmaßnahmen die Entwicklung beeinflusst werden kann, wären deutliche Erhöhungen der spezifischen Wasserpreise beziehungsweise Abwassergebühren in den vom demografischen Wandel stark betroffenen Gebieten die Folge.“

Ausgehend von den identifizierten und hinsichtlich ihrer Bedeutung bewerteten Auswirkungen der demografischen Veränderungen beschreibt die gemeinsam mit dem Institut für Infrastruktur und Ressourcenmanagement der Universität Leipzig und den zwei Praxispartnern Kommunale Wasserwerke Leipzig GmbH und Emschergenossenschaft/Lippeverband erstellte Studie unterschiedliche technische sowie organisatorische Maßnahmenoptionen und erarbeitet Handlungsempfehlungen. Der Bericht stellt neben bereits gebräuchlichen Maßnahmen wie zum Beispiel Maßnahmen zur Verringerung der Ablagerungen im Kanalnetz zusätzlich neuartige technische Ansatzpunkte bei der Abwasserentsorgung bis hin zu neuen Systemkonzepten vor. Außerdem werden organisatorische Ansatzpunkte wie langfristig orientierte Sanierungs- und Investitionsplanungen, gezielte Strategien für Rückbau und Stilllegung, Möglichkeiten der interkommunalen Zusammenarbeit sowie innovative Organisationsmodelle behandelt. Solche neuen Organisationsmodelle spielen vor allem bei der Umsetzung von stärker dezentral ausgerichteten Konzepten eine wichtige Rolle und können dort langfristig einen ordnungsgemäßen Anlagenbetrieb und die geforderten Ablaufwerte sicher stellen.

In besonders betroffenen, ländlichen Regionen werden immer weniger und meist ältere Menschen leben, so dass Dienstleistungsmodelle zunehmend an Bedeutung gewinnen. Für die kommunalen Aufgabenträger könnte dies ein Anreiz sein, neue Geschäftsfelder mit marktreifen Dienstleistungsangeboten abseits der zentralen Abwasserbeseitigung zu entwickeln. Da besonders strukturschwache ländliche Gebiete von den Auswirkungen des demografischen Wandels betroffen sind, aber auch den Menschen in diesen Regionen alle kommunalen Infrastrukturkomponenten zur Verfügung gestellt werden müssen, haben die Ergebnisse des Vorhabens eine große Bedeutung für die Sicherung der öffentlichen Daseinsvorsorge in dünn besiedelten Räumen.

„Für Ver- und Entsorger sowie die Kommunen ist es entscheidend, sich frühzeitig auf die stattfindenden Veränderungen einzustellen, Stadtentwicklung sowie Unternehmensstrategie aufeinander abzustimmen und eine langfristig orientierte, die sich verändernden Rahmenbedingungen berücksichtigende Investitionsplanung durchzuführen. In diesem Sinne sind weitergehende Forschungs- und Entwicklungsprojekte aufgrund der anstehenden Herausforderungen notwendig“, so Dr. Thomas Hillenbrand. Wichtigste Zielsetzung muss dabei die Entwicklung und Umsetzung all solcher Maßnahmen, Konzepte und Organisationsmodelle sein, die langfristig auch unter Berücksichtigung der zu erwartenden demografischen Entwicklung eine hohe Leistungsfähigkeit, Betriebssicherheit, Flexibilität, Ressourceneffizienz und Wirtschaftlichkeit der Abwasserentsorgung sicherstellen.

Die Studie kann unter http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3779.pdf angesehen und heruntergeladen werden.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert die Rahmenbedingungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der breiten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI
Breslauer Straße 48
76139 Karlsruhe
Leitung Presse und Kommunikation
Dr. Kathrin Schwabe
Telefon +49 (0) 721 / 68 09 - 100
presse@isi.fraunhofer.de

Dr. Kathrin Schwabe | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie