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Demenz: Schmerzmittel hilft gegen Aggressivität

19.07.2011
Ursachen für gesteigerte Unruhe müssen mehr berücksichtigt werden

Viele Demenzpatienten, denen starke antipsychotische Medikamente verschrieben werden, könnten laut einer Studie britischer und norwegischer Wissenschafter besser mit einfachen Schmerzmitteln behandelt werden.

Sie schreiben im BMJ-Journal, dass Schmerzmittel die Agitation deutlich verringern. Die bei einer Demenz verbreitete gesteigerte Unruhe wird häufig mit antipsychotischen Medikamenten behandelt, die risikoreiche Nebenwirkungen haben können. Die Alzheimer's Society fordert laut BBC Ärzte auf, auch andere Behandlungsansätze zu überdenken. Experten gehen davon aus, dass allein in Großbritannien jährlich rund 150.000 Patienten Antipsychotika erhalten, die eine stark sedierende Wirkung haben, die Symptome der Demenz verschlimmern und das Risiko eines Schlaganfalls oder des Todes steigern können.

Diese Medikamente werden häufig Patienten verabreicht, deren Demenz sie aggressiv oder agitiert macht. Wissenschaftler des Kings College London http://www.kcl.ac.uk gehen gemeinsam mit norwegischen Kollegen jedoch davon aus, dass dieses Verhalten fallweise durch Schmerzen hervorgerufen wird, die die Patienten nicht anders ausdrücken können. Sie untersuchten 352 Patienten mit gemäßigter oder schwerer Demenz, die in norwegischen Pflegeeinrichtungen lebten. Eine Hälfte der Teilnehmer erhielt mit jeder Mahlzeit Schmerzmittel, bei der anderen wurde die normale Behandlung fortgesetzt.

Gutes Schmerzmanagement

Nach acht Wochen hatte sich die Agitation bei der ersten Gruppe um 17 Prozent verringert. Ein größerer Fortschritt als durch die Behandlung mit Anitpsychotika zu erwarten war. Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass ein gutes Schmerzmanagement die Notwendigkeit der Verschreibung dieser Medikamente deutlich verringern könnte. Clive Ballard, einer der Autoren der Studie und Forschungsleiter der Alzheimer's Society http://alzheimers.org.uk betonte, dass diese Studienergebnisse von großer Bedeutung sind.

"Derzeit werden Schmerzen bei Demenzpatienten zu wenig behandelt, da sie nur sehr schwer zu erkennen sind. Ich gehe davon aus, dass es für die Lebensqualität dieser Menschen einen großen Unterschied machen könnte. Es könnte ihnen helfen mit der Demenz besser umzugehen."

Schmerzmittel sollten jedoch ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht verabreicht werden.

Die Alzheimer's Society gibt derzeit neue Richtlinien heraus, die Ärzte dazu auffordern, vor der Verschreibung von Antipsychotika auch Schmerzmitteln in ihre Überlegungen miteinzubeziehen. Die National Care Association betonte, dass diese Studie einige der Schwierigkeiten bei der Behandlung einer Demenz sichtbar mache. "Schmerz beeinträchtigt, daher ist es entscheidend herauszufinden, was die Unruhe der Patienten verursacht." Die britische Regierung plant bereits ein Programm, das verhindern soll, dass mehr Antipsychotika als notwendig verschrieben werden.

Michaela Monschein | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.bmj.com

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