Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Darmspiegelung vermittelt Krebsschutz im gesamten Dickdarm

04.01.2011
Es gilt als gesichert, dass die endoskopische Darmspiegelung bei gleichzeitiger Entfernung der Polypen das Krebsrisiko im linken, so genannten absteigenden Dickdarm drastisch senkt.

Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum zeigen nun, dass die Inspektion des gesamten Dickdarms auch das Krebsrisiko im rechten Teil des Darms um mehr als 50 Prozent verringert – insgesamt um 77 Prozent. Die Darmspiegelung vermittelt daher einen sehr guten Schutz vor Darmkrebs – wenn auch keine hundertprozentige Sicherheit.

Senkt die Teilnahme an einer Darmspiegelung tatsächlich die Anzahl der Krebsfälle im gesamten Dickdarm? In den vergangenen Jahren hatten mehrere Studien den Verdacht genährt, das bei der endoskopischen Untersuchung des Dickdarms hauptsächlich Krebsvorstufen im so genannten linken („absteigenden") Teil des Darms, der direkt in den Enddarm übergeht, entdeckt werden. Hier entstehen die meisten bösartigen Tumoren. Jedoch ließen die Studienergebnisse befürchten, dass die Untersuchung zu so gut wie keiner Risikosenkung für Krebs im Bereich des querliegenden und des aufsteigenden Dickdarms führt.

Im Deutschen Kebsforschungszentrum konzentrieren sich Professor Dr. Hermann Brenner und sein Team darauf, mit epidemiologischen Studien die verschiedenen Methoden der Darmkrebsfrüherkennung zu bewerten und so die Wirksamkeit der Vorsorgeuntersuchungen auf ein sicheres Zahlenfundament zu gründen. Mit ihrer aktuellen Studie prüften die Forscher, ob die endoskopische Untersuchung des gesamten Dickdarms überhaupt gegenüber der so genannten „kleinen Darmspiegelung“ Vorteile bringt. Bei dieser als Sigmoidoskopie bezeichneten Untersuchung, die für den Patienten deutlich weniger Aufwand mit sich bringt, wird ausschließlich der absteigende Anteil des Dickdarms inspiziert.

Die DKFZ-Forscher befragten in ihrer methodisch aufwändigen Studie 1688 Darmkrebspatienten nach zurückliegenden Darmspiegelungen und deren ärztlichen Befunden in den zehn Jahren vor der Diagnosestellung. Die gleichen Informationen wurden auch von 1932 gesunden Kontrollpersonen erbeten.

Aus den Ergebnissen errechneten die Epidemiologen, dass eine vorangegangene Darmspiegelung, bei der eventuell entdeckte Krebsvorstufen sogleich entfernt wurden, das Gesamtrisiko für bösartigen Dickdarmkrebs um 77 Prozent senkt. Weiterhin analysierten die Wissenschaftler separat die Risikoreduktion für die verschiedenen anatomischen Abschnitte des Darms: Für den linken Dickdarm fiel der Krebsschutz erwartetermaßen mit 84 Prozent besonders deutlich aus. Aber auch im rechten Dickdarm war die Krebsrate bei den Befragten mit vorangegangener Darmspiegelung noch immer um 56 Prozent geringer als bei den Telnehmern, die sich dieser Vorsorgeuntersuchung nicht unterzogen hatten.

Die Ergebnisse unterstreichen das große Potenzial der Darmspiegelung für die Verhütung von Darmkrebs. „Ärzte sollten ihre Patienten aber darüber aufklären, dass die endoskopische Untersuchung des Darms einen sehr guten Schutz vor Darmkrebs gewährleistet – jedoch keine hundertprozentige Sicherheit“, sagt Hermann Brenner. Der Epidemiologe führt verschiedene Gründe auf, warum die Darmspiegelung in verschiednen Darmabschnitten zu unterschiedlich ausgeprägter Risikoreduktion führt: Krebsvorstufen im rechten Darmabschnitt könnten leichter übersehen werden, weil sie häufiger flach und unauffällig sind und der rechte Teil des Dickdarms nicht in allen Fällen vollständig eingesehen werden kann. Im linken Dickdarm treten Darmkrebsvorstufen dagegen meist als prominente Polypen auf. Außerdem gebe es möglicherweise auch Unterschiede im biologischen Verhalten der Tumorzellen in den verschiedenen Darmabschnitten.

Warum aber fallen die Ergebnisse der deutschen Untersuchung anders aus als vergleichbare Studien in anderen Ländern, etwa in Kanada? „Das könnte daran liegen“, mutmaßt Hermann Brenner, „dass in Deutschland viel Wert auf die Qualitätssicherung der Untersuchungen gelegt wird und daher auch die schwieriger zu entdeckenden Krebsvorstufen erkannt werden.“ Bei der Einführung der Darmspiegelung in das Krebsvorsorgeprogramm der gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2002 wurden besondere Vorkehrungen getroffen, dass nur sehr gut qualifizierte Ärzte die Untersuchung vornehmen dürfen und die Qualität der Untersuchungen regelmäßig überprüft wird.

Hermann Brenner, Jenny Chang-Claude, Christoph M. Seiler, Alexander Rickert und Michael Hoffmeister: Protection from colorectal cancer after colonoscopy: population-based case-control study. Annals of Internal Medicine, 4. Januar 2011

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Ansätze, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Daneben klären die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Dr. Stefanie Seltmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de
http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2011/images/Darmkrebs.jpg

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Dialysepatienten besser vor Lungenentzündung schützen
17.01.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Neue Studie der Uni Halle: Wie der Klimawandel das Pflanzenwachstum verändert
12.01.2018 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie