Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Darmleiden: Schleim als neuer Behandlungsansatz

27.09.2013
Sekret beruhigt das Immunsystem - Wissenschaft steht erst am Beginn

In Flaschen abgefüllter Schleim könnte eines Tages eine Rolle bei der Behandlung einer Reihe von Darmerkrankungen spielen, wie das Mount Sinai Hospital schreibt.

Die Studie über die Schleimschicht an den Innenwänden des Darms hat herausgefunden, dass dieser eine Rolle bei der Beruhigung des Immunsystems spielen kann. Das Team um Andrea Cerutti schätzt, dass der Schleim bei Erkrankungen hilft, bei denen eine Entzündung im Darm grassiert. Der menschliche Körper produziert pro Tag rund einen Liter dieses Schleims.

Wirkung auf Immunsystem

Gemeinsam mit der Mount Sinai School of Medicine haben die Forscher untersucht, warum die Darmschleimhaut nicht auf die schier unglaubliche Menge an Bakterien reagiert, die im Darm lebt. An jeder anderen Stelle des Körpers würde das Immunsystem sofort drastische Gegenmaßnahmen gegen diese Eindringlinge einleiten.

Das Team untersuchte die Interaktion zwischen dem in den Eingeweiden produzierten Schleim und dem Immunsystem. Es zeigte sich, dass dieser Schleim nicht nur eine Barriere zwischen Bakterien und Immunsystem herstellt, sondern dass mit MUC2 ein Bestandteil die Immunreaktion dämpft. Laut Cerutti gilt es als erwiesen, dass die Immunreaktion in den dendritischen Zellen gedämpft wird, die bei der Immunreaktion eine entscheidende Rolle spielen.

"Es handelt sich hier um erste Untersuchungen. Wir wissen eigentlich sehr wenig über diesen Schleim", so Cerutti. Ein Bereich, in dem dieser Schleim auch zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden könnte, sind Darmprobleme. Morbus Crohn, entzündliche Erkrankungen des Darms und Colitis ulcerosa sind schlecht erforschte Krankheiten. Ein gemeinsames Symptom sind jedoch Entzündungen als Teil der Immunreaktion.

Relevante Rolle bei Krebs

Cerutti zufolge ist der Schleim bei diesen Patienten häufig beinträchtigt. Daher wäre es denkbar, ihn auch zur Behandlung einzusetzen. Eine Möglichkeit wäre die synthetische Herstellung des Schleims, die derzeit zwar noch nicht möglich ist, oder ein Medikament, das die gleiche Wirkung auf die Darmschleimhaut hat. Ob Behandlungsansätze zur Verbesserung der Darmschleimhaut auch Patienten mit Darmerkrankungen helfen würden, ist derzeit noch nicht bekannt.

Schleim kommt jedoch nicht nur im Verdauungsapparat vor. Er kleidet auch die Lungen aus und läuft bei Schnupfen aus der Nase. Es bestehen Annahmen, dass er eine ähnlich beruhigende Funktion auch in den Atemwegen hat und eine Rolle bei Allergien und Asthma spielt. Laut Cerutti könnte Schleim sogar bei Krebs relevant sein.

"Verschiedene aggressive Tumore im Dickdarm, den Eierstöcken oder der Brust produzieren Schleim und auch MUC2. Es ist denkbar, dass Schleim der von bösartigen Zellen produziert wird, eine schützende Immunreaktion gegen genau diese Zellen verhindern kann", verdeutlicht Cerutti. Die Details der Studie wurden im Fachmagazin Science http://sciencemag.org veröffentlicht.

Michaela Monschein | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://mountsinai.org
http://icahn.mssm.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie