Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Cyber-Mobbing und die „gaffende“ Menge

20.01.2012
Forscher untersuchten das Verhalten der unbeteiligten Zuschauer bei Attacken im Internet

Herabsetzende Kommentare auf Facebook, entwürdigende Videos auf YouTube, nächtlicher Terror übers Handy – Jugendliche wissen, dass Aggression im Medienzeitalter anders aussieht als noch vor wenigen Jahren.

Häufig wird über die Täter von Cyber-Mobbing gesprochen, doch wird dabei eines übersehen: Viele Attacken im Internet sind erst dann richtig verletzend, wenn es dafür ein Publikum gibt. Aber wie verhalten sich die zunächst unbeteiligten Zuschauer, die sogenannten „Bystander“, die miterleben, dass eine andere Person gedemütigt, beleidigt oder verunglimpft wird? Stellen sie sich auf die Seite der Täter oder versuchen sie das Opfer zu verteidigen? Oder kümmern sie sich gar nicht darum und surfen einfach weiter?

Eine qualitative Studie am Fachgebiet Pädagogische Psychologie von Prof. Dr. Angela Ittel untersuchte, wie sich jugendliche „Bystander“ von Cyber-Mobbing verhalten und fragte nach den Gründen. In Gesprächsgruppen mit 30 Berliner Jugendlichen zeigte sich, dass die 14- bis 17-Jährigen sehr unterschiedliche Gelegenheiten von Cyber-Mobbing beobachteten und entsprechend unterschiedlich reagierten: Mal fanden sie lustig, was da vor sich ging, mal versuchten sie ihren Freunden gegen Online-Attacken zu helfen. Häufig aber verhielten sie sich passiv und warteten erst einmal ab. Doch dieses Verhalten ist nicht unbedingt auf Desinteresse zurückzuführen – oft wiesen die Jugendlichen darauf hin, dass sie sich selbst hilflos und unsicher fühlten und nicht wussten, an wen sie sich wenden können. Teils spielte auch die Befürchtung eine Rolle, selbst zum Opfer des nächsten Angriffs zu werden. Manche dieser Vorfälle ignorierten sie aber auch ganz bewusst, weil sie dem Täter nicht auch noch Aufmerksamkeit schenken wollten. „Nicht jedes Schweigen ist auch eine Zustimmung“, beurteilt der Leiter der Studie, Dr. Jan Pfetsch, diese Haltung.

Greifen die Jugendlichen hingegen aktiv gegen Cyber-Mobbing ein, so wählen sie viele verschiedene Wege. Besonders ihren Freunden bieten die Jugendlichen Trost und Unterstützung an: Hass-Gruppen werden beim Internetbetreiber gemeldet, die Jugendlichen suchen nach der Identität der Täter. Falls diese bekannt sind, werden die Täter übers Internet oder im realen Leben von ihnen direkt aufgefordert, das Cyber-Mobbing zu unterlassen. Die „Bystander“ sind oft durch das Mitgefühl mit dem Opfer motiviert und setzen sich deshalb aktiv gegen Cyber-Mobbing zur Wehr.

Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse, dass die „Bystander“ eine wichtige Funktion für den Verlauf eines Falls von Cyber-Mobbing haben. Jugendliche können sich entscheiden – wollen sie ein Teil der Lösung oder ein Teil des Problems von Cyber-Mobbing werden.

Die Studie finden Sie unter: www.tu-berlin.de/?id=113957
Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Dr. Jan Pfetsch, TU Berlin, Fachgebiet Pädagogische Psychologie, Tel.: 030/314-24431, E-Mail: jan.pfetsch@tu-berlin.de

Stefanie Terp | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/?id=113957

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie