Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chinas Markenpiraterie: Westliche Unternehmen nachlässig

21.11.2008
Anmeldung von Schutzrechten aus Kostengründen häufig versäumt

Obwohl Produkt- und Markenpiraterie für Unternehmen westlicher Länder wie Deutschland eines der größten Probleme darstellt, mangelt es nicht nur am Bewusstsein.

Auch wird nach wie vor das vorhandene Instrumentarium zum Schutz vor Verletzung des geistigen Eigentums bei weitem nicht völlig ausgeschöpft. Zu diesem Ergebnis gelangt eine aktuelle Untersuchung der Hochschule Darmstadt. Eines der Versäumnisse ist, dass 65 Prozent aller deutschen Unternehmen, die in China Produkte vertreiben, aus Kostengründen auf die Anmeldung von Schutzrechten verzichten.

So bleibt vielen Unternehmen im Schadensfall praktisch keine Handlungsmöglichkeit. Zur Vorbeugung und späteren Identifizierung von Originalware durch den Zoll können aber auch technische Sicherungsmaßnahmen beitragen.

"Dass das Thema Produkt- und Markenpiraterie aktuell bleibt, ist nicht vorschnell auf die Gesetzgebung in China zurückzuführen. Schließlich hat die Volksrepublik mit ihrem Beitritt zur WTO 2001 die internationalen Regeln des Urheber-, Marken- und Patentrechts übernommen. Vielmehr hapert es an der Umsetzung", verdeutlicht Rainer Erd, Jurist und Datenschutzbeauftragter der Hochschule Darmstadt, im Gespräch mit pressetext.

Laut dem Experten sei vor allem die mangelhafte Qualifikation der Richter und Staatsanwälte problematisch. So stammt etwa 80 Prozent des Personals noch aus Zeiten der chinesischen Kulturrevolution. Hinzu kommt, dass die Justiz nicht unabhängig, sondern politisch gesteuert arbeitet. Bei der effizienten Ahndung von Markenpiraterie ist hingegen auch die regionale Strukturausprägung des Landes entscheidend.

"Im Osten Chinas, dort wo der Wohlstand in Metropolen wie Peking oder Schanghai zunimmt, arbeitet die Justiz besser als im Westen, den ländlich geprägten Regionen", erklärt Erd auf Nachfrage von pressetext. Dabei sollte dem Wissenschafter zufolge jedoch nicht vergessen werden, dass die chinesische Raubkopiererindustrie rund eine Mio. Arbeitsplätze geschaffen hat. "Vor allem in ländlichen Gebieten, in denen die Armut sehr hoch ist, wird am meisten gefälschte Ware hergestellt. Da die Justiz hier noch stärker von der Partei abhängig ist und ein hartes Durchgreifen zu Jobverlusten führen würde, schleift die Verfolgung", sagt Erd. Zudem kommt belastend hinzu, dass wegen der tausendjährigen Tradition Fälschungen gesellschaftlich nicht als verwerflich, sondern als anerkennenswert betrachtet werden.

Einer Erhebung des Verbands deutscher Maschinen- und Anlagenbau nach kommen 71 Prozent aller Fälschungen aus der Volksrepublik. Das Bundesministerium der Justiz schätzt den durch Produktpiraterie verursachten Schaden auf 25 Mrd. Euro pro Jahr. Dieser würde sich mit Blick auf den deutschen Arbeitsmarkt mit jährlich rund 70.000 verloren gehenden Arbeitsplätzen bemerkbar machen. "Die Hersteller, die Originalware produzieren, könnten unter anderem mit moderner Nano-Technologie ihre Produkte gegen Fälschungen mit entsprechenden Kennzeichnungen abgrenzen", meint Erd. Dies würde es den Zollbehörden ermöglichen, Plagiate an Grenzübergängen oder bei Messen zu identifizieren und aus dem Verkehr zu ziehen. Auch würde der Direktvertrieb über Factory Outlets Sicherheitslücken verhindern. Eine heimische "Ein-Haus-Produkt-Strategie" würde zudem einen Know-how-Abfluss ins Ausland vermeiden.

Florian Fügemann | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.h-da.de
http://www.vdma.de
http://www.bmj.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE