Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn der Charakter passt, macht die Arbeit mehr Spass

02.10.2012
Wer seine persönlichen Charakterstärken im Beruf einsetzen kann, erlebt mehr Spass, Flow und Sinn bei der Arbeit.
Diese Personen sind auch zufriedener mit dem Beruf und nehmen ihn eher als Berufung wahr. Dies ist das Ergebnis zweier breit angelegter Studien eines Psychologenteams der Universität Zürich. Die Studien liefern wichtige Hinweise für die Personalauswahl und Personalentwicklung.

Charakterstärken definieren sich als moralisch positiv bewertete Eigenschaften, wie Selbstkontrolle, Teamwork oder Freundlichkeit. Charakterstärken, die einer Person besonders eigen sind und die diese gern und häufig einsetzt, bezeichnet man als Signaturstärken. Davon besitzt jede Person typischerweise drei bis sieben. Dass ein Beruf vor allem dann geschätzt wird, wenn er zu den eigenen Signaturstärken passt, weisen nun Claudia Harzer und Prof. Willibald Ruch vom Lehrstuhl für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik der Universität Zürich erstmals in zwei Studien nach: Der Einsatz von Signaturstärken im Beruf geht tatsächlich mit mehr positivem Erleben bei der Arbeit einher, also mit Spass, Flow, Sinnerleben oder Zufriedenheit und Berufung.
Hohe Zufriedenheit bei vier oder mehr eingesetzten Signaturstärken
Harzer und Ruch befragen in der ersten Studie mehr als 1’000 berufstätige Personen nach der Ausprägung ihrer Charakterstärken, ob sie diese Stärken bei der Arbeit einsetzen können und wie positiv sie ihre Arbeit erleben. In ihrer zweiten Studie analysieren die Wissenschaftler neben Selbsteinschätzungen zusätzlich wie Arbeitskollegen der Probanden die Anwendbarkeit der Charakterstärken beurteilen.

Das Ausmass an positivem Erleben nimmt mit der Anzahl der angewendeten Signaturstärken zu. In beiden Studien haben Personen, die vier und mehr Signaturstärken bei der Arbeit anwenden können, die höchsten Werte im positiven Erleben. Sie haben mehr Spass bei der Arbeit, gehen mehr darin auf, empfinden die Arbeit als sinnvoller und sind zufriedener mit ihrem Beruf. Diese Personen empfinden ihre Arbeit auch eher als Berufung als Personen, die drei und weniger Signaturstärken am Arbeitsplatz einsetzen können.

Ob Charakterstärken bei der Arbeit zum Zuge kommen, hängt u.a. davon ab, welche Regeln der Stellenbeschrieb vorsieht oder ob stärkenbezogenes Verhalten hilfreich ist, um die Arbeit zu erledigen. Beispielsweise steht in einer Arbeitsplatzbeschreibung für Pflegepersonal vieles zu Hygiene aber eher wenig zu freundlichem Verhalten. Dennoch ist zu erwarten, dass die Patientenpflege besser gelingt, wenn das Pflegepersonal freundlich und mitfühlend ist.

Nützlich für Arbeitgeber und Arbeitnehmer
Die Befunde von Harzer und Ruch liefern Hinweise, die für die Personalauswahl, Personalentwicklung und Arbeitsplatzgestaltung nützlich sein können. «Wird vor der Besetzung einer Stelle abgeklärt, welche Charakterstärken für die Arbeit zentral sind, so kann eine Person anhand dieser Stärken rekrutiert werden. Davon profitieren dann Arbeitgeber und Arbeitnehmer», erklärt Claudia Harzer. Weitere Studien sollten laut Harzer untersuchen, ob sich in allen Berufen und Hierarchiestufen vier Signaturstärken finden oder ob weniger Signaturstärken reichen, um bei den Arbeitnehmenden ein positives Erleben zu begünstigen.
Literatur:
Harzer, C., & Ruch, W. (in press). The application of signature character strengths and positive experiences at work. Journal of Happiness Studies. doi:10.1007/s10902-012-9364-0
Harzer, C., & Ruch, W. (2012). When the job is a calling: The role of applying one’s signature strengths at work. The Journal of Positive Psychology, 7, 362-371. doi:10.1080/17439760.2012.702784

Teilnehmerinnen und Teilnehmer für neue Studie gesucht
Die Studie untersucht den Zusammenhang zwischen Charakterstärken und Arbeitsmotivation, Arbeitszufriedenheit und beruflicher sowie allgemeiner Leistungsfähigkeit. Wer das komplette Programm abschliesst, erhält eine umfangreiche individuelle Rückmeldung zu seinen Charakterstärken und zu seiner Arbeitsmotivation, Arbeitszufriedenheit und beruflicher sowie allgemeiner Leistungsfähigkeit. Die Teilnahme an dieser Studie erfolgt von zu Hause aus via Online-Programm und ist kostenlos. Die Teilnehmenden sollten mindestens zu 50 Prozent angestellt sein. Es ist auch möglich als ganzes Team an der Studie teilzunehmen.
Information, Kontakt und Anmeldung: c.harzer@psychologie.uzh.ch

Kontakt:
Dr. Claudia Harzer
Psychologisches Institut
Universität Zürich
Tel. +41 78 641 70 95
E-Mail: c.harzer@psychologie.uzh.ch

Nathalie Huber | Universität Zürich
Weitere Informationen:
http://www.uzh.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
27.12.2016 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik