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Bundesliga nach der WM - Spitzenspieler noch nicht in Form

05.10.2010
Die Fehlstarts der Bundesliga-Favoriten Bayern München, Schalke, Stuttgart und Bremen sind mit darauf zurückzuführen, dass die vielen Spitzenspieler dieser Vereine noch durch die Weltmeisterschaft in Südafrika geschwächt sind.

Zwar wollen viele Fußball-Experten dies nach dem nunmehr 7. Spieltag nicht mehr als Grund gelten lassen. Eine Untersuchung von Sportwissenschaftlern der TU München zeigt jedoch einen deutlichen statistischen Zusammenhang zwischen dem aktuellen Tabellenplatz eines Vereins und der Zahl der Spieler, die an der WM teilgenommen haben.

Der FSV Mainz 05 jubelt, und Fußball-Analysten sind euphorisch über den „historischen“ ersten Tabellenplatz des Vereins, der Ende der vergangenen Saison noch im Mittelfeld zu finden war. Auch Hannover oder Freiburg sind von den unteren Tabellenplätzen nach oben geschossen und haben die Bundesliga-Favoriten hinter sich gelassen. Forscher an der Technischen Universität München (TUM) konnten nun wissenschaftlich belegen, dass dies mit der Anzahl der zur WM entsendeten Spieler zu erklären ist.

Dazu betrachteten die Sportwissenschaftler um Prof. Martin Lames, TUM-Lehrstuhlinhaber für Trainingswissenschaft und Sportinformatik, zunächst Zahl die Zahl der WM-Teilnehmer pro Verein vor der WM sowie nach der WM. So waren zum Beispiel 13 Spieler aus dem aktuellen Kader des FC Bayern für verschiedene Nationalmannschaften in Südafrika am Start, für die „Fehlstarter“ Schalke, Stuttgart und Bremen immerhin noch jeweils sechs. Die „Überraschungs-Überflieger“ Mainz und Freiburg stellten dagegen einen, Hannover gerade einmal zwei Spieler ab.

Prof. Martin Lames und sein Team korrelierte nun die Rangfolge in der Tabelle mit der Zahl der WM-Abstellungen und stellte auch nach dem 7. Spieltag noch einen statistisch hoch signifikanten Zusammenhang zwischen der Zahl der abgestellten Spieler und dem Tabellenrang fest. Am Ende der Bundesligasaison waren die Mannschaften mit vielen späteren WM-Teilnehmern an der Tabellenspitze, nach der WM führen die Vereine, die wenig WM-Spieler in ihren Reihen zählen. Lames erläutert: „Offenbar zieht die schlechtere Saisonvorbereitung der WM-Teilnehmer, die ja eine viel kürzere Erholung und Vorbereitungsphase hatten als die Nicht-Teilnehmer, für die Vereine messbare Einbußen in der sportlichen Konkurrenzfähigkeit nach sich.“ Dies könne sogar sportpolitische Konsequenzen haben, etwa wenn über die Höhe einer Entschädigung der abstellenden Vereine mit der FIFA diskutiert werde, meint der TUM-Sportwissenschaftler.

Die Münchener Sportwissenschaftler werden die Entwicklung weiter verfolgen, um zu sehen, wann die derzeitigen Fehlstarter die Überraschungs-Überflieger wieder einholen. Lames: „Irgendwann werden sich die Vereine von ihrem WM-Handicap erholt haben, denn mit den vielen Nationalspielern sind sie besser aufgestellt. Die Formkrisen der Top-Spieler werden vorübergehen.“ Allerdings kann eine längere Strecke der Erfolglosigkeit als Folge der Formkrise der WM-Teilnehmer das psychische Korsett einer Mannschaft oder eines Trainers, besonders aber des Vereinsmanagements beschädigen. Dies könne unter Umständen zu nachhaltigen Rückschlägen führen, meint der Sportwissenschaftler. Genauso kann eine Erfolgsserie Prozesse auslösen, in denen bisher unbekannte Stärken von vorher unterlegenen Teams zutage treten und in sportlichen Erfolg umgewandelt werden.

Eines sei jedoch jetzt schon gewiss, so Lames: „Für die Zuschauer wird die Saison durch den Effekt der WM-Müdigkeit spannender.“

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Martin Lames
Lehrstuhl für Trainingswissenschaften und Sportinformatik
der Technischen Universität München
martin.lames@tum.de
Tel.: 089 289 24495

Dr. Ulrich Marsch | idw
Weitere Informationen:
http://portal.mytum.de/welcome

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