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Bulgaren und Rumänen sind nicht schlechter in den Arbeitsmarkt integriert als andere Ausländer

20.08.2013
„Die Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien sind nicht schlechter in den Arbeitsmarkt integriert als andere Ausländergruppen in Deutschland“, schreiben die Arbeitsmarktforscher Herbert Brücker, Andreas Hauptmann und Ehsan Vallizadeh in einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Die Arbeitslosenquote der in Deutschland lebenden Bulgaren und Rumänen sei zwar mit zehn Prozent etwas höher als die durchschnittliche Arbeitslosenquote in Deutschland (sieben Prozent), aber geringer als die der ausländischen Erwerbspersonen insgesamt (16 Prozent).

Das gleiche gelte für den Bezug von Hartz IV: Auch hier seien die Anteile etwas höher als in der Bevölkerung insgesamt (neun im Vergleich zu sieben Prozent), aber deutlich niedriger als im Durchschnitt der ausländischen Bevölkerung (16 Prozent).

Insgesamt profitiere Deutschland aktuell von der Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien, so die Autoren der IAB-Studie. Vor allem die Rentenversicherung würde aufgrund der günstigen Altersstruktur der Zuwanderer gewinnen. Die zu erwartenden Auszahlungen seien bei den jüngeren Generationen geringer als die Einzahlungen.

Risiken ergäben sich allerdings durch die geringere Qualifikation dieser Gruppe. Im Jahr 2010 verfügten 35 Prozent der Neuzuwanderer aus Bulgarien und Rumänien über keine abgeschlossene Berufsausbildung – bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund beträgt der Anteil lediglich elf Prozent. 25 Prozent der Neuzuwanderer aus Bulgarien und Rumänien hatten 2010 einen Hochschulabschluss, bei der deutschen Bevölkerung sind es 28 Prozent.

Die Nettozuwanderung aus Bulgarien und Rumänien könnte nach Einführung der Arbeitnehmerfreizügigkeit im Jahr 2014 auf 100.000 bis 180.000 Personen steigen, geht aus der IAB-Studie hervor. Im Jahr 2012 lag das Wanderungssaldo, also die Differenz zwischen Zugezogenen und Fortgezogenen, noch bei 71.000 Bulgaren und Rumänen. Ob die Einführung der Arbeitnehmerfreizügigkeit zu steigenden Arbeitslosen- und Sozialleistungsbezieherquoten führen wird, halten die Autoren für offen. Zwar ergeben sich erweiterte Möglichkeiten für den Bezug von Sozialleistungen, aber auch neue Beschäftigungsmöglichkeiten.

Vor Ausbruch der Wirtschaftskrise zog es 80 Prozent der bulgarischen und rumänischen Auswanderer nach Spanien und Italien. Mit dem wirtschaftlichen Einbruch in diesen Zielländern sank dort die Netto-zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien von rund 220.000 Personen pro Jahr zwischen 2002 und 2008 auf 90.000 Personen im Jahr 2011. Viele Bulgaren und Rumänen wandern seither nach Deutschland aus.

Die Gewinne und Belastungen durch die Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien seien sehr ungleich verteilt, betonen die Arbeitsmarktforscher. Während in prosperierenden Großstädten wie München, Mannheim und Stuttgart die Arbeitslosenquoten und der Anteil der Hartz-IV-Bezieher unter den Bulgaren und Rumänen sehr moderat ausfallen, konzentrieren sich die Probleme vor allem auf drei Städte: Berlin, Duisburg und Dortmund. Hier sind die Arbeitslosenquoten außergewöhnlich hoch, in Berlin gehört zudem fast ein Fünftel der bulgarischen und rumänischen Bevölkerung zu den Hartz-IV-Empfängern.

Wolfgang Braun | idw
Weitere Informationen:
http://www.iab.de
http://doku.iab.de/kurzber/2013/kb1613.pdf

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