Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bremer Wirtschaftsprofessor an neuer UN-Studie über Afrika beteiligt

16.06.2011
Ein neuer Bericht der UN über die Industrialisierung in Afrika auf der Grundlage landwirtschaftlicher Entwicklung findet international große Aufmerksamkeit. An dem kürzlich erschienenen Bericht ist auch der Wirtschaftswissenschaftler Professor Karl Wohlmuth von der Universität Bremen beteiligt, der das Projekt von Anfang an wissenschaftlich begleitet hat.

Der Bericht wurde von einer internationalen Expertengruppe für die UN-Organisation für industrielle Entwicklung (UNIDO/United Nations Industrial Development Organization) erstellt und hat den Titel „Agribusiness for Africa‘s Prosperity“ (Über Agribusiness zur Prosperität in Afrika).

Der Begriff Agribusiness umfasst alle unternehmerischen Aktivitäten zur Unterstützung der Landwirtschaft, zur Be- und Verarbeitung der landwirtschaftlichen Rohprodukte in der Agro-Industrie und zur Vermarktung der be- und verarbeiteten landwirtschaftlichen Produkte auf lokalen, regionalen und internationalen Märkten. Die internationale Expertengruppe wurde vom Generaldirektor der UNIDO, Dr. Kandeh Yumkella, geleitet, der auch den Bericht mit herausgegeben hat. Dr. Kandeh Yumkella ist ein afrikanischer Ökonom aus Sierra Leone und war in der ersten Nach-Konflikt-Phase Finanzminister des Landes. Neue agrar- und industriepolitische Entwicklungsinitiativen für Afrika werden von ihm engagiert vorangebracht.

Der Bericht gibt für die Entwicklungen in afrikanischen Ländern positive Signale. So werden Entwicklungsstrategien vorgeschlagen, um mehrere der in Afrika gegebenen Entwicklungshemmnisse gleichzeitig zu beseitigen. Die Kernaussagen laufen darauf hinaus: Der Trend der De-Industrialisierung in Afrika kann gestoppt werden; die afrikanischen Agro-Industrien (Produktion von marktfähigen Nahrungsmitteln und Getränken, Textilien und Bekleidung, Leder und Schuhe, Holzprodukte und Möbel) können revitalisiert werden; die Stagnation der kleinbäuerlichen Landwirtschaft kann durch Marktorientierung überwunden werden; die zunehmende Abhängigkeit Afrikas von Nahrungsmittelimporten kann zurückgeführt werden; die Ernährungssicherung kann in einer Phase global steigender Lebensmittelpreise besser gewährleistet werden; positive Beschäftigungseffekte und eine Reduzierung von Armut können erreicht werden; und neue Herausforderungen in der afrikanischen Landwirtschaft durch den Klimawandel, durch das Bevölkerungswachstum und durch die Aufkäufe von fruchtbarem Boden durch internationale Investoren können besser bewältigt werden. In dem Bericht werden sieben Eckpfeiler der Entwicklung (development pillars) analysiert und geben den Rahmen für eine Strategie und einen Aktionsplan.

Professor Karl Wohlmuth hat sich in dem Bericht insbesondere mit dem Eckpfeiler „Wissenschaft, Technologie, Innovation“ (STI/Science, Technology, Innovation) befasst. Im Kapitel 6 des Berichts geht der Bremer Wirtschaftswissenschaftler auf die Stärkung der technologischen Leistungsfähigkeit, auf die Schaffung von Innovationskapazitäten und auf die Durchsetzung einer umfassenden Wissenschafts- und Technologiepolitik als Basis für eine erfolgreiche agrar-industrielle Entwicklung in Afrika ein. Dieser so zentrale Entwicklungspfeiler ist bisher in Afrika besonders vernachlässigt worden.

Direkter Bezug zu afrikanischen Initiativen

Im Bericht der internationalen Expertengruppe finden sich auch viele Beispiele für erfolgreiche Projekte und Programme in afrikanischen Ländern, die zeigen, dass die neue Strategie tatsächlich realisierbar ist. Der neue Afrika-Bericht hat auch direkten Bezug zu wichtigen afrikanischen Initiativen. Zu erwähnen ist die Strategie zur Implementierung des Aktionsplans für eine beschleunigte Industrialisierung in Afrika (Strategy for the Implementation of the Plan of Action for the Accelerated Industrial Development of Africa/AIDA). Diese Strategie wurde bei der Konferenz der afrikanischen Industrieminister im Oktober 2008 in Durban, Südafrika beschlossen. Sehr bedeutsam ist auch die Afrikanische Initiative für die Entwicklung von Agribusiness und Agro-Industrien (African Agribusiness and Agro-industries Development Initiative/3ADI), die im März 2010 bei einer Konferenz in Abuja, Nigeria von den afrikanischen Staats- und Regierungschefs beschlossen wurde.

In einer weiteren Studie der UNIDO, die Professor Wohlmuth als UN-Konsulent koordiniert, werden die sieben Eckpfeiler der Entwicklung in Bezug auf ausgewählte afrikanische Länder untersucht. In diese vergleichende wissenschaftliche Studie wurden acht afrikanische Länder einbezogen: ökonomisch wichtige Länder wie Südafrika und Nigeria, die vier wenig entwickelten Länder Mali, Senegal, Äthiopien und Sambia, sowie Kenia und Kamerun, die über ein erhebliches Wirtschafts- bzw. Rohstoffpotenzial verfügen. Im Rahmen seiner Tätigkeit für die UN hatte Professor Wohlmuth auch die Möglichkeit, an wichtigen Konferenzen und Workshops in Abuja, Addis Abeba und in Wien teilzunehmen.

Der nächste Schritt bei der Realisierung des neuen Ansatzes ist die umfassende Präsentation der neuen Entwicklungsstrategie in Afrika und bei den internationalen Geberorganisationen. Im Rahmen der 3ADI- Initiative arbeitet die UNIDO dabei mit der Afrikanischen Union, der Afrikanischen Entwicklungsbank, der UN-Organisation für Afrika, der FAO (als der Landwirtschaftsorganisation der UN) und mit dem Internationalen Fonds für Agrarentwicklung (International Fund for Agricultural Development/IFAD) zusammen. Insbesondere werden für diese Entwicklungsstrategie neue Finanzierungs-, Investitions-, Beratungs- und Koordinationsinstrumente entwickelt. Der Präsident des IFAD (International Fund for Agricultural Development), Dr. Kanayo F. Nwanze, hebt im Vorwort zum neuen Afrika-Bericht die Bedeutung der Strategie für die Agrarentwicklung und Agro-Industrialisierung in Afrika hervor, um Ziele wie nachhaltige Entwicklung, Ernährungssicherung und Armutsreduzierung erreichen zu können.

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Fachbereich Wirtschaftswissenschaft
Professor Dr. Karl Wohlmuth
Tel. 0421 218 66517
E-Mail: wohlmuth@uni-bremen.de
http://www.iwim.uni-bremen.de
Bezug der Publikationen:
Kandeh K. Yumkella, Director-General of UNIDO/Patrick M. Kormawa/Torben M. Roepstorff/Anthony M. Hawkins, Eds., Agribusiness for Africa’s Prosperity, An UNIDO Publication, ISBN: 9789211064469 / e-ISBN: 9789210548274, Vienna: UNIDO, 2011, 345 pages (This study can be completely downloaded at: http://www.unido.org/index.php?id=1001590)

Wohlmuth, Karl, 2011, Strengthening technological effort and innovation capabilities, pp. 165 – 199, in: Kandeh K. Yumkella et al.

Eberhard Scholz | idw
Weitere Informationen:
http://www.iwim.uni-bremen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie