Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Von Bologna nach Boston?

14.05.2009
HoF veröffentlicht Studie zur Doktorandenausbildung in Deutschland und USA

Mit der soeben erschienenen Studie "Von Bologna nach Boston?" von Eva Bosbach wird erstmals ein detaillierter Vergleich des deutschen und amerikanischen Promotionssystems vorgelegt.

Als eine der zwölf Empfehlungen wird die "Institutionalisierung der Individualpromotion" in Deutschland vorgeschlagen. Nach wie vor promovieren in Deutschland ca. 80 Prozent der Doktoranden in Individualpromotion.

Der Bologna-Prozess und die Exzellenzinitiative haben die Dynamik der Reform der Promotionsphase in Deutschland weiter beschleunigt. Zunehmend werden strukturierte Modelle der Doktorandenausbildung wie Graduiertenschulen und Promotionsprogramme gefördert, die die bisher vorherrschende Form der Individualpromotion ergänzen und zum Teil ablösen. Bei genauerem Hinsehen promovieren jedoch nach wie vor die meisten Doktoranden in Deutschland in Individualpromotion "bei" einem Doktorvater oder einer Doktormutter. Die Promotion "in Einsamkeit und Freiheit" hat einerseits Reformbedarf, bietet jedoch andererseits für bestimmte Promotionsvorhaben auch Vorteile.

Mögliche Defizite der Individualpromotion zu beheben und die strukturierten Promotionsformen weiter zu optimieren bietet sich in der aktuellen Reformsituation geradezu an. Es ist aber auch vor dem Hintergrund eines wachsenden globalen Wettbewerbs um die besten Doktoranden und Promotionsmodelle sowie angesichts der geschätzten Abbrecherquote von über 60 Prozent der Promotionen in Deutschland dringend nötig. Vergleiche mit anderen Wissenschaftsstandorten können dabei helfen, die eigenen Strukturen zu verbessern und zu profilieren, oder aber die in anderen Ländern weniger erfolgreichen Ansätze zu vermeiden.

Das amerikanische Hochschulsystem zeichnet sich durch einige Merkmale aus, die in Deutschland aktuell an Bedeutung gewinnen, zum Beispiel eine starke Dezentralisierung und Differenzierung, die mit einer begrenzten staatlichen Regulation sowie einer großen Varianz der Hochschulen und existierender Promotionsmodelle einhergeht. Auch sind die USA ein forschungsstarkes Land mit einigen der besten Hochschulen der Welt, dessen internationale Attraktivität nicht zuletzt durch den hohen Anteil ausländischer Doktoranden (ca. 37 Prozent, in Deutschland ca. 13 Prozent) belegt wird. Mehr als zwei Drittel der promovierten Ausländer bleiben zudem in den produktiven Folgejahren nach der Promotion in den USA.

Die vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft geförderte Studie von Eva Bosbach geht der Frage nach, ob und wie die gute Praxis der USA als "Weltmarktführer" in der Doktorandenausbildung bei der aktuellen Reform der Promotion in Deutschland genutzt werden kann. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede bestehen in der Promotionsausbildung in beiden Ländern und was können wir aus dem Vergleich mit den USA für die weitere Reform in Deutschland lernen, sowohl für strukturierte Promotionsformen als auch für die Individualpromotion?

Eva Bosbach analysiert Stärken und Schwächen der beiden Systeme und untersucht dabei zentrale Reformthemen wie Übergänge zur Promotion, Promotionsstrukturen und deren Organisation, Doktorandenstatus und Finanzierung, Qualitätssicherung, Evaluation und Betreuung, Mobilität und Internationalität sowie Erfolgsquoten, Absolventenverbleib und 'Funktion' des Doktorgrades in der Gesellschaft. Anhand des Vergleichs werden unter Einbeziehung existierender Reformvorschläge zwölf Empfehlungen für weitere Reformschrittte in Deutschland formuliert.

Die Studie erscheint als dritter Band der Reihe zum wissenschaftlichen Personal des Instituts für Hochschulforschung (HoF) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, in der bereits die wissenschaftliche Langfassung des Bundesberichts zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses (BuWiN) "Wagnis Wissenschaft" von Anke Burkhardt (Hrsg.) und der Achtländervergleich "Zwischen Promotion und Professur" von Reinhard Kreckel (Hrsg.) veröffentlicht wurden.

Eva Bosbach: Von Bologna nach Boston? Perspektiven und Reformansätze in der Doktorandenausbildung anhand eines Vergleichs zwischen Deutschland und den USA.
Leipzig: Akademische Verlagsanstalt 2009
182 Seiten. 22,00 €
ISBN: 978-3-931982-48-5
Eine Leseprobe sowie das Inhaltsverzeichnis finden Sie auf http://www.hof.uni-halle.de/dateien/Bosbach_Einleitung.pdf

Der Band kann im Buchhandel und bei der Akademischen Verlagsanstalt Leipzig bezogen werden (http://www.univerlag-leipzig.de/).

Ansprechpartner:
Eva Bosbach (Autorin)
E-Mail: eva.bosbach@amu.cz
Tel.: 001-646-233-3006
Dr. Anke Burkhardt
Institut für Hochschulforschung (HoF)
Collegienstraße 62
06886 Lutherstadt Wittenberg
E-Mail: anke.burkhardt@hof.uni-halle.de
Tel.: 03491-466-254

HoF Wittenberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.hof.uni-halle.de/aktuelles.htm
http://www.hof.uni-halle.de/dateien/Bosbach_Einleitung.pdf
http://www.univerlag-leipzig.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt
21.11.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Maximale Sonnenenergie aus der Hausfassade

23.11.2017 | Architektur Bauwesen

Licht ermöglicht „unmögliches“ n-Dotieren von organischen Halbleitern

23.11.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Urbakterien Entzündungsreaktionen auslösen können

23.11.2017 | Biowissenschaften Chemie