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Bluthochdruck: Neue Interventionelle Behandlung führt zu drastischer Senkung

24.11.2010
Bei einer großangelegten randomisierten klinischen Studie wird gezeigt, dass eine neue interventionelle Behandlung von Bluthochdruck zu einer drastischen Blutdrucksenkung führt.

Universitätsklinikum des Saarlandes behandelt weltweit die meisten Patienten mit dem neuen Verfahren.

Die arterielle Hypertonie gehört zu den häufigsten chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ist einer der führenden Risikofaktoren für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Herzinfarkt, Herzmuskelschwäche, Schlaganfall und Nierenschwäche mit der Notwendigkeit zur Dialyse.

„Trotz der Vielzahl an blutdrucksenkenden Medikamenten, die uns aktuell zur Verfügung stehen, ist die Zahl der Patienten mit leitliniengerechter Blutdruckeinstellung nach wie vor niedrig“, erläutert Professor Michael Böhm, Direktor der Klinik für Innere Medizin III - Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin des UKS. Es ist gut belegt, dass an der komplexen Pathophysiologie der therapierefraktären Hypertonie die afferenten und efferenten Stressnervenfasern (sympathischen Nervenfasern) der Niere maßgeblich beteiligt sind.

Mit der interventionellen renalen Sympathikusdenervation steht nun ein neues Therapieverfahren zur Behandlung von Patienten mit schwer einstellbarer arterieller Hypertonie zur Verfügung. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie könnten nun Hoffnung für Patienten mit medikamentös nicht einstellbarem Bluthochdruck machen.

Die Ergebnisse der großangelegten Studie zu dieser neuartigen katheterbasierten Behandlung wurden am 17.11.2010 auf dem Kongress der American Heart Association (AHA) 2010 in Chicago, USA vorgestellt. In die randomisierte Symplicity-HTN-2 Studie wurden 106 Patienten mit therapieresistentem Bluthochdruck in Europa und Australien eingeschlossen.

Patienten die mit dem Symplicity® Katheterbehandelt wurden, wiesen 6 Monate nach der Behandlung eine um 33 mmHg größere Senkung des systolischen Blutdrucks auf, verglichen mit den Patienten die ausschließlich mit Medikamenten behandelt wurden. „Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die interventionelle renale Denervation über das Potential verfügt, zu einem wirklich revolutionären Behandlungsverfahren zu werden“, sagte in Chicago Professor Murray Esler, Prüfarzt der Studie und Direktor des Baker Heart and Diabetes Institutes in Melbourne, Australien.

Die Symplicity-HTN-2-Studie war eine internationale, multizentrische, prospektive, randomisierte, kontrollierte Studie zur Sicherheit und Wirksamkeit der renalen Denervation bei Patienten mit nicht eingestelltem Bluthochdruck. 106 Patienten aus 24 Prüfzentren wurden randomisiert. Zu Beginn der Studie wiesen die Patienten der Behandlungs- und der Kontrollgruppe ähnlich hohe Blutdruckwerte auf: 178/97 mmHg bzw. 178/98 mmHg, obwohl beide durchschnittlich mit fünf Antihypertensiva täglich behandelt wurden. Nach sechs Monaten war der durchschnittliche Blutdruck bei der renalen denervierten Gruppe um -32/-12 mmHg (p

Frühere Studien haben gezeigt, dass jeder Anstieg des Blutdrucks um 20 mmHg systolisch bzw. 10 mmHg diastolisch über das normale Niveau hinaus zu einer Verdoppelung der kardiovaskulären Sterblichkeit über einen Zeitraum von 10 Jahren führt. Ebenso konnte gezeigt werden, dass eine Senkung des systolischen Blutdrucks auch um geringe Werte wie 5 mmHg das Risiko eines Schlaganfalls um fast 30 Prozent reduzieren kann.

Die Klinik für Kardiologie des Uniklinikums des Saarlandes wurde als eines von nur 24 Zentren weltweit ausgewählt, um an der Studie teilzunehmen. Professor Dr. Michael Böhm, Direktor der Klinik, war als leitender Prüfarzt für die Studie in Deutschland zuständig. In Homburg koordinierte Dr. Felix Mahfoud die Studie. Die Klinik für Innere Medizin III ist Exzellenzzentrum für Bluthochdruckbehandlung der Europäischen Hypertoniegesellschaft (ESH) und hat bislang die meisten Patienten weltweit mit dem neuen Therapieverfahren behandelt. Seit einiger Zeit wird dieses neuartige Verfahren in Homburg auch außerhalb von klinischen Studien angeboten.

„Mit dem neuen Therapieverfahren besteht für Patienten mit medikamentös nicht einstellbarer Hypertonie die Hoffnung den Blutdruck deutlich zu senken und damit auch eine Reduktion des kardiovaskulären Risikos zu erzielen“, betont Professor Böhm. Seit der ersten Anwendung vor zwei Jahren wird das neue Verfahren am UKS wissenschaftlich genau untersucht. „Erstmals konnten wir jetzt zeigen, dass sich parallel zu einer drastischen Blutdrucksenkung auch die Glucosestoffwechselsituation nach dem Eingriff verbessert“, erläutert Dr. Mahfoud die aktuellen Forschungsergebnisse. Dies ist besonders vor dem hohen kardiovaskulären Risiko der Patienten mit nicht einstellbarem Bluthochdruck besonders interessant und eröffnet neue risiko-faktoren-modulierende therapeutische Ansätze.

Über den Symplicity® -Katheter
Das neue Symplicity-Kathetersystem wird verwendet, um die sogenannte renale Denervierung (RDN) durchzuführen. In einem minimal-invasiven endovaskulären Verfahren, ähnlich wie bei einer Herzkatheteruntersuchung, führt der Arzt einen kleinen, flexiblen Katheter über die Leistenarterie des Oberschenkels in das Nierengefäß ein. Sobald der Katheter in die Nierenarterie eingebracht wurde, wird ein Hochfrequenzstrom abgegeben. Durch die damit verbundene Wärmeentwicklung werden die außen an der Gefäßwand befindlichen Stressnervenfasern verödet. Dies wiederum führt zu einer Abnahme der Aktivität des Stressnervensystems, was häufig die Ursache des Bluthochdrucks darstellt.

Kontakt:

Prof. Dr. Michael Böhm
Dr. Felix Mahfoud
Klinik für Innere Medizin III - Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin
Universitätsklinikum des Saarlandes
66421 Homburg/Saar
E-Mail: boehm@uks.eu
E-Mail: felix.mahfoud@uks.eu
Tel.: 06841/16-23372, -23368
Fax: 06841/16-23369, -23580
Internet: www.uks.eu/kardiologie

Barbara Hartmann | healthcare.saarland.de
Weitere Informationen:
http://www.healthcare.saarland.de
http://www.uks.eu/kardiologie

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