Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Blutdruck der Deutschen ist gesunken - junge Männer profitieren nicht von diesem Trend

15.10.2014

Der durchschnittliche systolische Blutdruck der deutschen Bevölkerung ist laut einer Erhebung des Robert-Koch-Instituts innerhalb von zehn Jahren von 129 auf 124 Millimeter Quecksilbersäule gesunken. Die Anzahl der Menschen mit Bluthochruck (Hypertonie) ist jedoch mit rund 20 Millionen etwa gleich geblieben, betroffen ist also jeder dritte Erwachsene. Als hoher Blutdruck gelten Werte über 140/90. Bei Männern zwischen 18 und 29 Jahren stieg der Blutdruck entgegen dem Gesamttrend sogar leicht an.

Die 2008-2011 in ganz Deutschland erhobenen Daten haben Forscher des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Robert Koch-Institut in Berlin jetzt mit Zahlen von 1998 verglichen. Sie berichten darüber im Journal of Human Hypertension.

Das Ergebnis: Immer mehr Menschen wissen über ihren hohen Blutdruck Bescheid. Heute sind es 80 Prozent, 1998 waren es nur knapp 70 Prozent. Dementsprechend mehr lassen sich behandeln. Dadurch stieg die Zahl derjenigen, deren Blutdruck auf Grund einer Behandlung unter den Grenzwert von 140/90 sank auf über die Hälfte aller Hypertoniker, sie haben somit einen kontrollierten Blutdruck. 1998 hatten nur weniger als ein Viertel der Hypertoniker einen kontrollierten Blutdruck.

Männer haben von der Pubertät an bis etwa zu einem Alter von 50 bis 60 Jahren generell einen höheren Blutdruck als Frauen, danach holen die Frauen auf. Nach Ansicht der Autorin der Studie, Hannelore Neuhauser, lässt sich der Blutdruckanstieg bei jüngeren Männern durch die etwas gestiegene Zahl an krankhaft Übergewichtigen in dieser Altersgruppe nicht hinreichend erklären. Auch das diese Personengruppe weniger zum Arzt geht, könnte zum höheren Blutdruck beitragen. Um dies aber eindeutig zu klären, sei aber noch Forschung nötig.

Neuhauser kann trotz des gesunkenen Blutdrucks in der Gesamtbevölkerung keine Entwarnung geben. Bluthochdruck sei der wichtigste Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und diese seien nach wie vor die Todesursache Nummer eins in Deutschland. „Was viele nicht wissen: Auch ein Blutdruck unter dem Grenzwert kann schon das Risiko für Herz-Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen“, so die Medizinerin. Daher gelte nur ein Blutdruck unter 120/80 mmHg als optimal.

Werte zwischen diesem optimalen Wert und dem Grenzwert würden in der Regel nicht behandelt, seien aber keineswegs harmlos. Neuhauser weiter: „Mit durchschnittlich 124 mmHg ist der Blutdruck der Deutschen nicht optimal. 60 Prozent aller Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren haben demnach einen nicht optimalen Blutdruck und somit ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko.“

Um Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiter zurück zu drängen, müssen die Risikofaktoren für Bluthochdruck verringert werden, darin sind sich Experten einig. Zu den Risiken zählen vor allem Bewegungsmangel, hoher Alkohol- und Salzkonsum, ungesunde Ernährung, Übergewicht und Stress. Zahlen aus einer 2002 in der Zeitschrift The Lancet erschienen Studie verdeutlichen den Einfluss des Blutdrucks auf das Herz-Kreislauf-Risiko: Demnach führen 2 mmHg Blutdrucksenkung in der gesamten Bevölkerung zu 10 Prozent weniger Todesfällen durch Schlaganfall und 7 Prozent weniger Herz-Kreislauf-Toten.

Weitere Fakten zur Studie, siehe Anhang.

Originalveröffentlichung: Journal of Human Hypertension (2 October 2014), doi:10.1038/jhh.2014.82

Kontakt:
Christine Vollgraf, Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 030 4593 7102, christine.vollgraf@dzhk.de,
PD Dr. med. Hannelore Neuhauser, über die Pressestelle des RKI: presse@rki.de

Christine Vollgraf | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.dzhk.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten