Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Blasinstrumente erhöhen den Augendruck

01.12.2009
Studie zeigt Ursache für Glaukom-Risiko bei professionellen Holzbläsern

Wer ein Blasinstrument spielt, erhöht damit den Druck im Blut und in den Augen, was bei jahrelanger intensiver Belastung ernste Gesundheitsprobleme auslösen kann.

Zu diesem Schluss kommt Gunnar Schmidtmann in seiner Dissertation am Studiengang Augenoptik und Optometrie an der Fachhochschule Lübeck und der Fielmann Akademie Schloss Plön. "Professionelle Holzbläser sollten besonders im höheren Alter öfters zum Augenarzt gehen", so die Empfehlung des Wissenschaftlers im pressetext-Interview.

Der Innendruck der Augen hat hohe medizinische Bedeutung. Er sorgt dafür, dass der Augapfel seine Form behält und reguliert den Stoffwechsel des Auges über das Kammerwasser. Man geht heute davon aus, dass ein erhöhter Druck der bedeutendste Risikofaktor für den Grünen Star (Glaukom) ist, der wiederum eine der häufigsten Erblindungsursachen in Industrieländern ist. Bemerkt wird ein Glaukom in der Regel aber erst, sobald es zu Ausfällen bestimmter Regionen der Netzhaut kommt.

Mozart lässt den Druck steigen

Frühere Studien unter Orchestermusikern zeigen, dass Bläser öfter von Verlusten des Sehfeldes betroffen sind als andere Musiker. Welche Rolle dabei der erhöhte Augeninnendruck spielt, überprüfte Schmidtmann nun im Experiment an 15 professionellen Oboisten und Klarinettisten. "Die Versuchspersonen spielten ein zehnminütiges Mozart-Konzert für Klarinette und Oboe, während in kurzen Intervallen Blut- und Augeninnendruck gemessen wurden", so Schmidtmann.

Es bestätigte sich ein vorübergehend angestiegener Druck im Blut wie auch im Auge, besonders bei hohen Frequenzen. Unterschiede zwischen den Instrumenten kamen dabei nicht zutage, obwohl die Oboe mehr Anblaswiderstand verlangt als die Klarinette. Nach Ende des Stücks fiel der Druck wieder ab. "Bei längeren Spielphasen war der Anstieg zwar weniger deutlich, jedoch tendenziell. Das bedeutet, dass Berufsmusiker, die wöchentlich 25 Stunden oder mehr ein Holzblasinstrument spielen, einen tendenziell erhöhten Augeninnendruck haben", betont der Optometrist.

Blutstau im Auge

Zustande komme dieser Effekt laut Schmidtmann durch Blutgefäße, die den vom Pressen gegen das Rohrblatt des Instruments verursachten Druck weiterleiten. "Wenn man ein Blasinstrument spielt, steigt zunächst der Luftdruck im Brustkorb an. Das hat zur Folge, dass auch in den Venen der Blutdruck steigt und in den Augen einen kleinen Blutstau verursacht, der den Fluss des Kammerwassers behindert." Das Ergebnis dürften für eine ganze Reihe von Blasinstrumenten gelten, wie eine soeben an Blechbläsern durchgeführte Studie an der Universität Jena mit ähnlichen Ergebnissen vermuten lässt.

"Erstmals wurde der Augeninnendruck in einer natürlichen Situation und bei Musikern mit verschiedenen Instrumenten gemessen", betont Hans-Jürgen Grein, der betreuende Professor der Arbeit, gegenüber pressetext. Aus den Ergebnissen könne man schließen, dass eine regelmäßige ärztliche Untersuchung der Augen bei professionellen Holzbläsern von Vorteil sei. "Es ist nicht ungesund, ein Blasinstrument zu spielen. Allerdings sollten besonders ältere Berufsmusiker wie auch Augenärzte aufmerksam für das Thema werden", ergänzt Schmidtmann.

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.fh-luebeck.de
http://www.fielmann-akademie.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Gipfel der Evolution – Flechten bei der Artbildung zugeschaut

27.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Elektroimpulse säubern Industriewässer und Lacke

27.04.2017 | Biowissenschaften Chemie