Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bildungswildwuchs zwischen Schule, Ausbildung und Beruf in NRW

09.02.2011
"Viele bleiben hängen, keiner weiß warum“ – Institut Arbeit und Technik untersucht Programme, Bildungsgänge und Maßnahmen im Übergangssystem

Im Übergangssystem „Schule – Ausbildung – Beruf“ in Nordrhein-Westfalen sind Strukturen, Abläufe und Akteure kaum noch überschaubar.

Der Wildwuchs an Programmen, Maßnahmen und Bildungsgängen auf den unterschiedlichen Ebenen – Kommunen, Land, Bund – sei vor allem nicht aufeinander abgestimmt mit dem Ergebnis, dass Akteurs-Konstellationen, Teilnehmerzahlen sowie Umfang und Wirkung der eingesetzten Mittel weitgehend im Dunkeln liegen. Das zeigt eine aktuelle Studie, die das Institut Arbeit und Technik (IAT / FH Gelsenkirchen) im Auftrag der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und der Max-Traeger-Stiftung zum Übergangssystem in Nordrhein-Westfalen durchgeführt hat.

Insgesamt wurden 126 Initiativen, Programme, Bildungsgänge und Maßnahmen ermittelt, die in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2010 vom Bund, vom Land und von der Bundesagentur für Arbeit angeboten wurden. Nach Schätzungen der IAT-Wissenschaftler lag der Bestand des Übergangssystems (unter Berücksichtigung von Bildungsgängen im Übergang, Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit und Altbewerbern) in NRW im Jahr 2009 bei 140 000 bis 150.000 Teilnehmer/innen. Im Vergleich zu den 71.418 Neuzugängen ins Übergangssystem im gleichen Jahr ist das mehr als das Doppelte. „Ein Drittel von ihnen, nahezu 50.000 junge Menschen haben in Nordrhein-Westfalen auch zwei Jahre nach Eintritt in eine Übergangsmaßnahme keine Chance auf eine qualifizierte Ausbildung“, kritisieren die IAT-Bildungs-Forscher. „Viele bleiben hängen, keiner weiß, warum!“

Im Hinblick auf die Finanzstrukturen im Übergang kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass in NRW im Jahr 2009 von Land, Bund und Bundesagentur für Arbeit im Übergang Mittel in Höhe von schätzungsweise rund 800 Mio. Euro mobilisiert wurden, allein das Land NRW ist mit rd. 440 Mio. Euro eigenen Mitteln (Berufskollegs und Fördermittel) beteiligt. Im Teilbereich „Akteure und Steuerungsinstrumente“ tendiert der Informations- und Datenstand gegen Null, mussten die IAT-Forscher feststellen. So liegen etwa zur Anzahl und zu den Qualifikationen der im Übergangssystem tätigen Fachkräfte keine belastbaren Angaben vor. Selbst unter Experten der Berufsbildung reichen die Schätzungen von 30.000 bis 100.000 Mitarbeitern bundesweit. „Angesichts der davon betroffenen Jugendlichen und der hier eingesetzten öffentlichen Mittel ist das ein Sachverhalt, der nicht länger hinzunehmen ist, weil sonst alle Bemühungen, das Übergangssystem in Nordrhein-Westfalen effizienter zu gestalten, von vornherein zum Scheitern verurteilt sein werden“.

Solche Effizienzsteigerungen halten die IAT-Wissenschaftler für unvermeidbar, weil zur besseren beruflichen Integration vieler Jugendlicher des heutigen Übergangssystems vermutlich zunächst einmal höhere Mittelaufwendungen entstehen, die demographiebedingte Kosteneinsparungen im Berufsbildungssystem weit in die Zukunft hinausschieben dürften. Zudem seien die Kosten einer beruflichen Nachqualifizierung von Altbewerbern nicht zu unterschätzen, die trotz Ausbildungswunsch keine qualifizierende Ausbildung absolvieren konnten. Der immer lauter werdende Ruf nach den Kommunen, die es im Übergang zwischen Schule, Ausbildung und Beruf richten sollen, werde allenfalls als „weiße Salbe“ wahrgenommen, solange die finanziellen Spielräume der Kommunen einem stärken Engagement im Übergang enge Grenzen setzen.

Weitere Informationen: http://www.iat.eu/aktuell/veroeff/2011/gew.pdf

Ihre Ansprechpartner:
Dr. Michael Krüger-Charlé, Tel.: 0209/1707-122, E-Mail: kruegerc@iat.eu;
Claudia Braczko
Pressereferentin
Institut Arbeit und Technik
der Fachhochschule Gelsenkirchen
Telefon: 0209/1707-176
E-Mail: braczko@iat.eu

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://www.iat.eu
http://www.iat.eu/aktuell/veroeff/2011/gew.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie