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Das Bildungswesen in Finnland - ein Vorbild?

25.06.2009
Die PISA-Studien untersuchen und vergleichen die Leistungen von Schülern. Regelmäßig schneidet Finnland in diesen Studien gut ab, besser als Deutschland. Also hinfahren, abschauen und auf Deutschland übertragen?

"So einfach ist das nicht", sagt Prof. Dr. Ehrenhard Skiera, von der Universität Flensburg. Mit seiner finnischen Kollegin Aila-Leena Matthies, Professorin an der Universität Jyväskylä hat er "Das Bildungswesen in Finnland" herausgegeben, das kürzlich im Klinkhardt Verlag erschienen ist.

Das Buch erläutert, wie das Bildungssystem Finnlands aufgebaut ist, welche Gründe zu seinem Erfolg führen und geht der Frage nach, ob Finnlands Bildungssystem als Vorbild für Deutschland dienen kann.

Ehrenhard Skiera und Aila-Leena Matthies konnten 23 Experten für dieses Buch gewinnen. "Das Bildungswesen in Finnland" richtet sich an Studierende und Lehrende und an Verantwortliche in der Bildungs- und Sozialpolitik, die sich genauer über Finnlands Bildungswesen informieren wollen. Es ist eine systematische Annährung: Der Leser lernt zuerst das Land und seine Geschichte kennen. Im weiteren Verlauf beschäftigen sich die Autoren mit dem Stellenwert der Reformpolitik im finnischen Schulwesen und mit den pädagogisch-didaktischen Konzepten.

Der Leser erfährt, wie in Finnland die Lehrerausbildung und die Bildungsforschung gehandhabt wird und bekommt einen Einblick in die finnische Kultur- und Bildungspolitik. Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit Bildungsfragen von Minderheiten. Dieses spezielle Thema sei wichtig, so Prof. Dr. Skiera, zeige sich doch gerade hier der Geist des Gesamtsystems. Und dieses System wurde und wird in Finnland kontinuierlich weiterentwickelt, es ist in der Gesellschaft fest verwurzelt; Bildung hat einen hohen Stellenwert in der finnischen Gesellschaft.

Der Wissenschaftler kennt dieses Bildungswesen genau, er lernte es als Lektor am dortigen Goethe-Institut Ende der 60er Jahre kennen. 1990 verlieh ihm die Erziehungswissenschaftliche Fakultät der Universität Jyväskylä, Finnland die Ehrendoktorwürde. Das finnische Bildungssystem sei nicht auf Deutschland übertragbar, so der Wissenschaftler, ein genauer Vergleich lasse aber die Defizite deutscher Bildungspolitik, etwa mangelnde Kontinuität, hervortreten. "Wir müssen eigene Antworten suchen", sagt Skiera.

Diese Antworten könnten in den Schlussfolgerungen von Dr. Hans Toman von der Universität Flensburg erwachsen, die am Ende des Buches zu finden sind. Die herausragende Qualität der Lehrerbildung, die Kontinuität der Bildungspolitik, die sich nicht in Parteiengezänk verschleißt, der hohe gesellschaftliche Stellenwert der Bildung allgemein, die Ausgewogenheit der pädagogischen Konzepte und die kooperative Arbeit "vor Ort" in den Schulen - all das kommt den Schülerinnen und Schülern in Finnland zugute.

Es zeigt auch Zielperspektiven auf für Deutschland. Wie diese Ziele hierzulande erreicht werden können, dazu bedarf es freilich einer ganz eigenen Anstrengung auf allen wesentlichen Handlungsfeldern der Bildungspolitik und der Schule. Das Bildungswesen in Finnland - ein Vorbild? Ein anregendes Vorbild für dann eigene Lösungen mag Finnland in vieler Hinsicht sein - ein deutsches "Abbild" ist jedoch nicht möglich.

Aila-Leena Matthies und Ehrenhard Skiera, (Hg.): Das Bildungswesen in Finnland, Klinghardt Verlag, 292 Seiten, kartoniert, ISBN 978-3-7815-1678-6, 19,90 Euro

Kontakt: Prof. Dr. Ehrenhard Karl Skiera, Institut für Schulpädagogik, Universität Flensburg, Tel.: 0461 805 2260, E-Mail:skiera@uni-flensburg.de

Dr. Helge Möller | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-flensburg.de/

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